IT-Messe 11.06.2018, 16:33 Uhr

Verjüngungskur der Cebit: Kann der Neuanfang gelingen?

Digitalisierung zum Anfassen - so lautet die Devise der neuen Cebit. Neue Zielgruppen sollen mit dem überarbeiteten Messekonzept nach Hannover gelockt werden. Wird der Neuanfang den gewünschten Erfolg bringen?
Das Riesenrad von SAP auf der Cebit
(Quelle: Stefan Bordel )
Ein Riesenrad ist das Wahrzeichen der diesjährigen Cebit. Ein Software-Konzern hat es mitten auf dem Messegelände von Hannover aufgebaut. 60 Metern hoch, 40 Kabinen, 10 Minuten geht es hoch und runter. Einige Meter gibt es ein Wasserbecken mit einen "stehende Welle". Dort können die Besucher auf unsicherem Terrain ihr Geschick auf dem Surfbrett austesten. Beides ist ungewöhnlich für eine IT-Messe, aber beides steht symbolisch für den Neuanfang. Denn die Cebit soll weg vom drögen Image einer Messe für Krawattenträger, hin zu einem "Digitalfestival" mit Coolness-Faktor.

Die Macher haben sich viel vorgenommen: Zur "neuen Cebit" sollen App-Entwickler, Blogger, "Influencer" aus sozialen Medien kommen. Das sind jene Zielgruppen, die man mit dem bisherigen Messekonzept nicht nach Hannover locken konnte, schon gar nicht im kalten März, in dem es auch mal Schneeverwehungen geben konnte.

Digitalisierung zum Anfassen, lautet die Devise: Autonomes Fahren, ein (am Boden stehendes) Flugtaxi, Blockchain-Anwendungen, Virtuelle Realität. Auf dem d!campus, so wie sich das Freigelände jetzt nennt, Foodtrucks, Poetry Slam, Chill-out-Ecken mit Kissen und Holzpaletten. Selbst die klassischen Firmenstände haben mehr Sitzbereiche und wirken luftiger. Abends sollen Konzertauftritte von Mando Diao und Jan Delay für Stimmung sorgen.

Als Star-Redner wurde am Montag der Internetpionier Jaron Lanier nach Hannover geholt, der einst den Begriff "virtuelle Realität" prägte. Er warnte vor einer Übermacht der Sozialen Medien mit ihrer Datenanalyse und empfahl den Besuchern, sich von Facebook, Twitter und Co zu verabschieden. Auf jeden Fall ein Kontrastprogramm zum "Influencer"-Festival.

Vorbilder des Wandels

Großes Vorbild für den Wandel der Cebit ist neben der Tech-Konferenz Web Summit in Lissabon die angesagte "South by Southwest" in Texas. Das bunte, vibrierende Festival für Musik, Film und Technologie lockt alljährlich im März Kreative, Künstler und Techies nach Austin. Dort wurde einst Twitter vorgestellt, dort sind schon der damalige Präsident Barack Obama, aber Musiker wie Lady Gaga aufgetreten. Tagsüber wird Business gemacht, nachts in den unzähligen Bars und Nachtclubs gefeiert. Von dieser besonderen Atmosphäre und von der internationalen Relevanz wird die Cebit - dem ersten Eindruck zufolge - in dieser Woche sehr weit entfernt bleiben.

Und es bleibt auch die Frage, ob sich das junge Publikum allein mit dem Versprechen eines Neuanfangs umstimmen lässt. Ein Web Summit oder eine "South by Southwest", die Noah Konferenz in Berlin oder die "Online Marketing Rockstars" in Hamburg leben davon, dass sie als Treffpunkte zum "Netzwerken" etabliert sind. Die Leute fahren hin, weil sie wissen, dass sie dort jede Menge für sie relevanter Leute treffen werden. Es kann Jahre dauern, sich einen solchen Ruf aufzubauen.



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