CDO, Data Scientist und Co 16.01.2017, 14:30 Uhr

Das sind die bedeutendsten neuen Digitalberufe

Die Digitalisierung wird oft als Jobkiller verteufelt, aber die digitale Transformation schafft vor allem neue Tätigkeitsbereiche. Gefragt sind Digital-Profis mit wirtschaftlichem Denken.
(Quelle: Fotolia.com/md3d)
Die digitale Transformation ist in aller Munde, kaum ein Unternehmen kommt mehr um dieses Thema herum. Dabei verändert die Digitalisierung nicht nur die IT-Landschaft, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten - die Umwälzungen betreffen auch die Arbeitswelt.
Auf der einen Seite macht die Digitalisierung zahlreiche Jobs überflüssig, etwa weil intelligente Roboter die Arbeit schneller und kostengünstiger erledigen, zum Beispiel das Reinigen von Gebäuden. Auf der anderen Seite schafft die Digitalisierung Arbeitsplätze und bringt ganz neue Jobprofile hervor. 
Gefragt sind Digital-Profis, die wirtschaftliches Denken und digitale Fachkenntnisse vereinen und so Unternehmen bei der Digitalisierung voranbringen. So werden zum Beispiel vielerorts Experten für Big Data gesucht, die im Wust der Daten den Überblick behalten, diese analysieren und daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln. Oder Social-Media-Profis, die online für die perfekte Außendarstellung des Unternehmens sorgen und sich darum kümmern, dass man über die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co die richtigen Kunden erreicht.

Historischer Wandel der Arbeitswelt

"Die Digitalisierung führt zu einem historischen Wandel in der Arbeitswelt", resümiert Thorsten Dirks, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom und CEO von Telefónica Deutschland, die Veränderungen in der digitalisierten Arbeitswelt. Seiner Einschätzung nach entstehen mit der Digitalisierung neue, aufregende und anspruchsvolle Jobs, die eine gute Ausbildung voraussetzen und dafür viel Gestaltungsspielraum und Verantwortung bieten.
Chief Digital Officer, Chief Disruption Officer, Data Scientist, Data Strategist oder Social Media Manager: Wir stellen die bedeutendsten neuen Digitalberufe vor, die immer häufiger auf den Suchlisten der Unternehmen in allen Bereichen der Wirtschaft zu finden sind.

Chief Digital Officer (CDO)

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Arbeitsplätze aus? Knapp ein Viertel der deutschen Unternehmen rechnet mit zusätzlichen Arbeitsplätzen.
Quelle: Etventure, GfK
Über keine neue Jobbezeichnung wird derzeit so viel berichtet - und auch diskutiert - wie über den Chief Digital Officer. Doch was genau macht ein CDO? Kurz gesagt: Der CDO ist für die gesamte digitale Wertschöpfungskette eines Unternehmens zuständig und weist quasi als Bauleiter den Weg in die digitale Zukunft. Er erarbeitet eine Strategie zur Digitalisierung und gewährleistet deren Umsetzung. Dazu gehö­ren unter anderem neue Geschäftsmodelle, Produkte und Services, aber auch das Hinterfragen vorhandener Geschäfts­modelle.
Konkret geht es darum, wie sich durch die Digitalisierung beispielsweise interne Prozesse optimieren lassen, wie sich das Marketing in Zeiten von sozialen Netzwerken ändert oder welche digitalen Produkte sich neu einführen lassen. Hinzu kommt das große Thema Big Data - welche Daten sind im Unternehmen verfügbar und wie lassen sich diese optimal auswerten und nutzen. Um entsprechend handlungsfähig zu sein, hat der CDO einen Sitz im Vorstand.
Der Chief Digital Officer ist also eine Art IT-Manager. Er braucht allerdings nicht unbedingt einen IT-Hintergrund mitzubringen, sondern kann auch über einen kaufmännischen Background verfügen. Denn für die abteilungsübergreifende Querschnittsaufgabe ist vor allem auch betriebswirtschaftliches Wissen und Denken gefragt. Für die technische Umsetzung ist dann der Chief Information Officer (CIO) zuständig, der mit dem CDO idealerweise Hand in Hand zusammenarbeitet.
Doch wieso wird überhaupt so viel über den Sinn eines solchen Chief Digital Officers diskutiert? Häufig wird in Unternehmen nicht klar formuliert, was der neu eingeführte CDO genau machen soll, außer die Digitalisierung voranzutreiben. Und damit wird der neue Chef-Digitalisierer dann häufig alleingelassen - ohne Rückhalt durch das übrige Top-Management. Nicht selten sind damit dann auch die Erfolge eines CDOs überschaubar. Daher ist unerlässlich, dass sich Unternehmen genau überlegen, was die unternehmerischen Ziele eines Chief Digital Officers sind und welche operativen Spielräume er für die Umsetzung dieser Ziele erhalten soll. Nur so verhindert man etwaige Grabenkämpfe zwischen dem Chief Digital Officer und den anderen Abteilungen im Unternehmen.
Solche Grabenkämpfe sind nicht unbedingt selten: Einer Untersuchung der Digitalagentur Etventure mit Unterstützung der Marktforscher von GfK ergab, dass in deutschen Großunternehmen mit 65 Prozent das mit Abstand meist genannte Problem bei der Umsetzung der Digitalisierung die Verteidigung bestehender Strukturen ist.
Derzeit ist der Chief Digital Officer übrigens noch ein ziemlicher Exot: Laut Bitkom gibt es lediglich in zwei Prozent der deutschen Unternehmen einen CDO - allerdings mit stark steigender Tendenz.



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