Single Sign On-Lösungen 09.10.2018, 09:04 Uhr

Starker Wettbewerb im Markt für Identitätsmanagement

Der Wettbewerb der Single Sign On-Anbieter um die Gunst der Nutzer nimmt zu. Verimi, NetID, ID4me und Start-ups für das digitale Identitätsmanagement konkurrieren miteinander.
(Quelle: shutterstock.com/Anan Chincho)
Wenn Geschäftsprozesse über das Internet abgewickelt werden, müssen Unternehmen und Behörden sicher sein, dass der Mensch vor dem Browser auch derjenige ist, für den er sich ausgibt. Dafür bieten Identitätsplattformen digitale Lösungen an. Da immer mehr Geschäftsprozesse und Vorgänge digitalisiert werden, steigt die Zahl der Anbieter für die Online-Identifizierung gerade sprunghaft an: Zum Beispiel positionieren sich Keyp, IDnow, Yes und ID4me als Dienstleister für die Authentifizierung und für das digitale Identitätsmanagement.
Hinzu kommen die relativ jungen sogenannten Single Sign-on-Plattformen wie Verimi und netID. Sie verfolgen das Ziel, dass sich Nutzer bei ihnen registrieren und möglichst auch identifizieren. Dann können sie beispielsweise die Einwilligung des Nutzers einholen, ob seine Daten für Werbezwecke eingesetzt werden dürfen (Consent Management). Oder sie bieten Unternehmen und Behörden die sichere Identifizierung von Nutzern als Dienstleistung an. Angebundene Dritte, zum Beispiel Online Shops, können mit einem solchen übergreifenden Login ihren Check-out-Prozess vereinfachen, weil die Daten der Kunden bereits hinterlegt sind.
NetID und ID4me lagern die technische Infrastruktur für das Single Sign-on in ­eine Stiftung beziehungsweise eine Non-Profit-Organisation aus, um sie unternehmensunabhängig zu machen. ID4me wurde von der Denic, der 1&1 Internet AG und von Open-Xchange gegründet. Sie will "einen offenen, föderierten Standard für das digitale Identitätsmanagement etablieren".
Kurios: United Internet, die Mutter von 1&1, tanzt bei den Single Sign-on-Lösungen gleich auf zwei Hochzeiten. Während 1&1 Internet ID4me etablieren will, sind die Marken GMX und Web.de Mitgründer der European netID Foundation. United Internet hat diese Stiftung gemeinsam mit der Mediengruppe RTL und ProSiebenSat.1 ins Leben gerufen.
Verimi wiederum ist eine GmbH, an der mehrere große Kon­zerne wie Daimler, Allianz, Lufthansa und die Deutsche Bank beteiligt sind. Yes, Keyp und IDnow sind Start-ups, die technische Lösungen für die Identifizierung von Nutzern entwickelt haben.
Eine Differenzierung zwischen Single Sign-on- und Identitäts­management-Lösungen ist nicht leicht, weil sich die Unternehmen frisch am Markt positionieren. Yes bietet beispielsweise eine Lösung, damit sich Bankkunden mit ihrem Banken-Login auf Drittseiten anmelden können. Gleichzeitig ist Yes Partner der European netID Foundation, die die Infrastruktur für die netID bereitstellt.
Die Konkurrenzsituation zwischen Verimi und netID wird sich verschärfen, wenn netID demnächst die Registrierung ermöglicht. Ab Mitte Oktober 2018 werden sich deutsche Internet-Nutzer per netID mit ­einer Kombination aus Benutzernamen und Passwort bei den angeschlossenen Partnern anmelden können. Zur dmexco hatte netID weitere Partner vorgestellt.

Verimi gewinnt DB

Die Identitäts- und Datenplattform Verimi hat zeitgleich gemeldet, dass sie die Deutsche Bahn und Volkswagen Finan­cial Services als weitere Gesellschafter für die Identitäts- und Datenplattform gewonnen hat. 2019 soll die Integration der Verimi-ID bei der Deutschen Bahn fertig sein. Auch die Volkswagen Financial Services haben mit der Einbindung von Verimi in digitale Dienste des Volkswagen-Konzerns begonnen. Eine übergreifende Identitätsplattform mit einem vereinfachten Kunden-Log-in wirke als Türöffner für diverse Dienstleistungsangebote, begründet Stefan Imme, Chief Digital Officer der Volkswagen Financial Services AG, warum das Unternehmen das Verimi-Konzept unterstützt.
Verimi ist bereits seit einigen Monaten "live", macht aber keine Aussagen über Nutzerzahlen. Die Dienstleistung von Verimi soll über die Gesellschafter und Partner bekannt gemacht werden. Das Unternehmen argumentiert, dass über die Kundenbasis der Gesellschafter potenziell rund 20 Millionen Nutzer erreicht werden können. Im vierten Quartal soll zudem eine Marketing-Kampagne starten, um den Dienst bekannt zu machen.
Die Single-Sign-on-Lösungen und die Anbieter von Identitätsplattformen stehen vor dem gleichen Problem: Die ID-Lösungen sind unbekannt. Warum sich Nutzer dort registrieren sollen, muss ihnen erklärt werden, und es gilt ihr Vertrauen zu gewinnen, dass ihre Daten in sicheren Händen sind. Dass so viele Anbieter um die Gunst der Nutzer buhlen, macht die Sache nicht einfacher. Nur wenn die Verbraucher einen Mehrwert davon haben, sich zu registrieren, wie das bei Google und Facebook der Fall ist, werden die Akzeptanz und die Verbreitung wachsen.



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