Die Landwirtschaft wird digital

Roboter auf dem Feld

Aussaat mit Schwarm-Technologie: Fendt arbeitet beim Projekt Xaver an kleinen Roboter-Fahrzeugen, die cloudgesteuert beispielsweise Mais autonom aussähen.
Quelle: Fendt
Moderne Landmaschinen, mit denen die Bodenbearbeitung, die Aussaat, die Pflanzenpflege und die Ernte digital unterstützt werden, nutzen bereits vier von zehn Landwirten (39 Prozent). Auch Roboter sind laut Bitkom schon im Einsatz - bei 8 Prozent aller Betriebe. Bei den Tierhaltern sind es sogar schon 37 Prozent, die von Robotern zum Beispiel den Stall säubern oder die Kühe melken lassen.
Einer der digitalen Vorreiter in diesem Bereich ist das Traditionsunternehmen Fendt. Mit dem Projekt Xaver testet der Landmaschinenhersteller kleine Roboter-Fahrzeuge, die gemeinsam auf dem Feld unterwegs sind und zum Beispiel Mais autonom und effizient aussähen. Möglichst wenige verbaute Sensoren und ein einfacher Aufbau sollen die Roboter zuverlässig und robust genug für den Einsatz auf dem Acker machen. Die Roboter-Schwärme werden über die Cloud überwacht und navigieren satellitengestützt über das Feld. Die Planung der Aussaat erledigt der Landwirt dabei über ein Tablet.
Bereits verfügbar ist das System FendtONE. Es soll für eine nahtlose Verbindung von Büro und Landmaschine sorgen. So lässt sich zum Beispiel jederzeit der Zustand des Landmaschinen-Fuhrparks mobil auf dem Smartphone überwachen. Auch stehen jederzeit Positions- und Maschinendaten oder Fehler-Codes zur Verfügung.
Andere Landmaschinenhersteller setzen ebenfalls bereits auf Smart Farming. Zum Beispiel bietet John Deere das Online-Portal MyJohnDeere an, eine Art Einsatzzentrale, die dem Landwirt einen Überblick über den gesamten Betrieb bietet - von der Ferndiagnose seiner Maschinen über einen Überblick der Felder samt Wetter­radar bis hin zur Verwaltung von Aufträgen. Der Zugriff auf die Daten erfolgt über das Web oder auf dem Smartphone oder Tablet.

Notwendige Rahmenbedingungen

Die Digitalisierung auf dem Acker und im Stall bedeutet einen enormen Fortschritt für die landwirtschaftliche Praxis, den Umweltschutz und das Tierwohl, zeigen sich Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder und DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken in einer Stellungnahme überzeugt. "Die Landwirtschaft steht derzeit vor riesigen Herausforderungen: hoher Preisdruck, harte internationale Konkurrenz, weltwirtschaftliche Zwänge sowie steigende Anforderungen an die Qualität von Lebensmitteln und Umweltschutz. Eine effiziente und ressourcenschonende Bewirtschaftung ist deshalb wichtiger denn je. Dabei helfen digitale Technologien." Nun sei allerdings die Politik auf EU-, Bundes- und Landesebene gefordert, "die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um dieses Potenzial weiter auszuschöpfen".
Betrachtet man Zahlen von DLG-Agrifuture Insights, einer auf Marktanalysen spezialisierten Tochter der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), dann liegen die deutschen Landwirte in vielen Bereichen hinter ihren Kollegen in anderen Ländern zurück, wenn es um die Umsetzung der Digitalisierung geht. So sind beispielsweise in Polen weit mehr Feldroboter im Einsatz, in Russland werden viel mehr Telemetrie-Dienstleistungen und mehr Cloud-Software genutzt, während die Niederländer führend im Einsatz von elektronischen Farm-Management-Systemen sind. Nur bei sogenannten elektronischen Ackerschlagkarteien liegen deutsche Landwirte bislang vorn. Sie dienen zur genauen Erfassung des Aufwands im Ackerbau und helfen bei der Dokumentation der getroffenen Maßnahmen.

Ausblick

Die Frage nach dem Stand der Digitalisierung in der Landwirtschaft hat Karen Gralla von der Kleffmann Group in ihrer Präsentation auf der "Digital Farming Conference" auf den Punkt gebracht: "Je mehr Rinder der Landwirt hat, desto digitalisierter ist er." Die Integration der vielen Datenquellen bleibe dabei eine der größten Herausforderungen. Viele Landwirte nutzten bislang nur einen kleinen Teil der ihnen zur Verfügung stehenden Funktionen. Hinzu kämen Probleme mit fehlenden Schnittstellen, sodass noch nicht alle anfallenden Sensordaten ausgewertet werden können.
In vielen Bereichen ist die Landwirtschaft aber durchaus  ein Vorreiter der Digitalisierung. Roboter, Cloud-Lösungen, mobile Anwendungen, Künstliche Intelligenz, Blockchain-Technologie und 5G-Projekte sind Themen, die eine große Rolle spielen.
Die von Bitkom befragten Praktiker sehen die Digitalisierung ebenfalls überwiegend als große Chance. Auf die Frage nach den wichtigsten Vorteilen der Digitalisierung nennen vier von zehn Befragten (39 Prozent) die körperliche Entlastung, die diese mit sich bringe. Fast ebenso viele sehen die effizientere Produktion (37 Prozent) und die Zeitersparnis (36 Prozent) als große Vorteile. 31 Prozent nannten zudem eine geringere Belastung der Umwelt. Bis 2030 rechnen die meisten damit, dass der Einsatz von autonomen Feldrobotern, Drohnen sowie von fahrerlosen Traktoren zunehmen wird.
Zudem gehen viele davon aus, dass etwa durch Webcams in Ställen der Kontakt zum Verbraucher enger wird, der so das Geschehen auf dem Hof aus der Ferne beobachten kann. Der Einsatz digitaler Techniken hat also auch das Potenzial, die Akzeptanz der modernen Landwirtschaft bei den Konsumenten zu erhöhen.



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