Die Landwirtschaft wird digital

Digitalisierungs-Initiativen

Quelle: DBV
Auch auf Bundesebene gibt es Initiativen, um die Digitalisierung der Landwortschaft voranzutreiben. Ein im Mai von CDU/CSU und SPD eingereichter Antrag mit dem Titel "Chancen der Digitalisierung nutzen - Offener Zugang und standardisierte Datenformate für eine zukunftsfähige Landwirtschaft 4.0" unterstreicht die Bedeutung der Landwirtschaft. "Sie sichert mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln das Überleben der Menschen", heißt es dort unter anderem. Auch künftig werde sie "qualitativ hochwertige, sichere, gesunde und bezahlbare Produkte hervorbringen, die auf eine umweltfreundliche und tiergerechte Weise erzeugt werden".
Das Ziel müsse sein, "die Landwirte mit präzisen Informationen und datenbasiertem Wissen über Tiere, Pflanzen und Bodenbeschaffenheit zu versorgen". Die Koalitionsparteien wollen eine gemeinsame Ackerbaustrategie für die Landwirtschaft entwickeln, die die Chancen der Digitalisierung verbessern und die Dominanz einzelner glo­baler IT-Unternehmen im Bereich der Landtechnik verhindern soll. Um dies zu erreichen, fordern sie universelle offene Datenmanagementsysteme und standardisierte Datenformate, die möglichst europaweit kompatibel sind.

Unabhängigkeit der deutschen Agrarwirtschaft

Eine Unabhängigkeit der deutschen Agrarwirtschaft von multinationalen Konzernen schwebt auch 29 regionalen Raiffeisen-Organisationen vor, die in den kommenden Jahren eine digitale Handelsplattform für den Agrarhandel aufbauen wollen. Zur Erfüllung dieser Aufgabe haben sie das Unternehmen Raiffeisen-NetWorld mit Sitz in Köln gegründet und zwölf Millionen Euro bereitgestellt. "Die Digitalisierung des ländlichen Raums hört nicht bei Glasfaserkabeln auf", erklärt Andreas Bauer, Geschäftsführer von Raiffeisen-NetWorld.
Mit dem Aufbau einer eigenen digitalen Handelsplattform sollen die Raiffeisen-Genossenschaften zu IT-Unternehmen werden. Auf diese Weise ließen sich nicht nur wirtschaftliche Vorteile sichern, sondern vor allem auch die Hoheit über ihre Daten. Andreas Bauer: "Angesichts der Datenkonzentration durch wenige globale Megakonzerne, die von Saatgut über Dünge- und Pflanzenschutzmittel bis zum Handel mit dem Endprodukt die gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren wollen, [ist dies] eine dringend benötigte Maßnahme zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft."
Auch den Koalitionsparteien schwebt eine "Agrar-Master-Plattform" vor, die als zentrale Schnittstelle Dienstleistungen für die Landwirte zur Verfügung stellen soll. Damit soll unter anderem herausgefunden werden, welche Daten von wem in welcher Form bereitgestellt werden können, wie ihre Organisation und Pflege erfolgen kann und mit welchen Schwierigkeiten bei der Umsetzung zu rechnen ist.
Damit wollen die Parteien die Landwirte von einfachen Aufgaben entlasten und gleichzeitig die Produktivität, die Produktqualität sowie die Sicherheit der Prozesse erhöhen. Die Autoren des erwähnten Antrags wissen allerdings auch, dass geklärt werden muss, was mit den von den Bauern auf ihren Feldern und in ihren Ställen gesammelten Daten geschieht, wie sie verarbeitet werden und wer darauf Zugriff erhält - und wer nicht. Der Datenschutz wird also auch in der Landwirtschaft immer wichtiger. Auch soll vermieden werden, dass Daten mehrfach eingegeben werden müssen.
Darüber hi­naus wollen die beteiligten Parteien, dass Dienstleister, Verwaltung und Landwirte direkt miteinander kommunizieren und so "bestehende und neue Geschäftsmodelle untereinander digital abwickeln" können. Dies soll den Zeit- und Kostenaufwand auf beiden Seiten reduzieren. So sollen die Landwirte in ihrer täglichen Arbeit unterstützt und der Schutz der natürlichen Grundlagen und der Tiere gefördert werden. Gleichzeitig wird ein reibungsloser Datenaustausch zwischen den Produkten verschiedener Hersteller angestrebt.
Wie aber sehen nun konkrete Projekte aus, bei denen die Digitalisierung in der Landwirtschaft bereits vorangeschritten ist?



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