Gastkommentar 07.10.2019, 08:04 Uhr

Gute Zeiten für den Verkauf von Digital-Agenturen

Sowohl IT- als auch Beratungs- und Medienhäuser machen klassischen Digitalagenturen Konkurrenz. Auch das Interesse potenzieller Käufer (wie Investoren, große Agenturgruppen oder Consulting-Unternehmen) an den Digitalagenturen ist groß. Was bedeutet das für die Branche?
Julian Riedlbauer, Partner und Leiter der deutschen Niederlassung von GP Bullhound
(Quelle: GP Bullhound)
Von Julian Riedlbauer, Partner und Leiter der deutschen Niederlassung von GP Bullhound
Digital-Agenturen sind ganz offensichtlich zu einem attraktiven Übernahmeziel geworden. In den letzten Jahren häuften sich derartige Meldungen. Es ist längst an der Tagesordnung, dass große Consulting-Unternehmen wie beispielsweise Accenture ihre Kompetenz durch Zukäufe immer weiter ausbauen. Im Jahr 2017 kaufte Accenture Interactive zehn Unternehmen aus dem Agenturbereich - darunter auch Sinner Schrader. 2018 sorgte die Übernahme der Werbeagentur Kolle Rebbe für Aufsehen und auch in 2019 wurden bereits mehrere Käufe durch Accenture realisiert. So gehört nun beispielsweise die renommierte New Yorker Kreativagentur Droga5 zur Unternehmensberatung.
Gerade erst erwarb Accenture außerdem Insitum, eine Strategie-Beratungs-Agentur, die die Bedürfnisse und das Verhalten der Menschen in den Mittelpunkt stellt. Genau wie Accenture haben auch namhafte Consulting-Firmen wie McKinsey, PWC oder Deloitte in letzter Zeit Agenturen und Beratungsunternehmen im Kreativ- und Digital-Transformation-Bereich übernommen.

Beteiligungsgesellschaften

Auch Beteiligungsgesellschaften sind in der Branche aktiv: So kaufte beispielsweise die Deutsche Beteiligungs AG den IT-Dienstleister Catalyst und das Analystenhaus Crisp Research und formte daraus das Beratungsunternehmen cloudflight. Ebenso interessiert wie kaufkräftig zeigten sich auch andere Private-Equity-Investoren wie zum Beispiel die niederländische Waterland Gruppe. Diese investierte unter anderem in Dept, ein internationales Netzwerk von Digitalmedien-Agenturen, das kürzlich auch die auf Amazon Marketing spezialisierte Agentur Factor A kaufte.
Die Performance Interactive Alliance (PIA), ein Portfolio-Unternehmen des Private Equity-Investors Equistone, übernahm Anfang des Jahres die United Digital Group (UDG), eine Internetagentur mit Spezialisierung auf Technologie und UX-Design. Nun nimmt der Konkurrenzdruck erneut zu, denn immer mehr Medienhäuser drängen in das Agenturgeschäft - die Gründung der Digitalagentur Rosa&Leo durch die F.A.Z. ist nur eines von mehreren Beispielen. 
Alle Anzeichen deuten derzeit darauf hin, dass sich die Konsolidierungswelle in den nächsten Monaten und Jahren fortsetzen wird. Doch warum sind Digitalagenturen mit ihren kreativen Mitarbeitern so interessant für Dienstleister, Agentur-Netzwerke und andere Investoren?



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