Experten-Hochrechnung 20.07.2020, 14:00 Uhr

Unternehmensinsolvenzen: Pleitewelle im Herbst erwartet

Experten rechnen infolge der Corona-Krise spätestens vom Herbst an mit einer Welle von Firmenpleiten rund um den Globus. Für Deutschland erwartet man einen Anstieg der Insolvenzen in den Jahren 2020 und 2021 um insgesamt 12 Prozent im Vergleich zu 2019.
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Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet infolge der Corona-Krise spätestens vom Herbst an mit einer Welle von Firmenpleiten rund um den Globus. Für Deutschland sagen die Experten einen Anstieg der Insolvenzen in den Jahren 2020 und 2021 um insgesamt 12 Prozent im Vergleich zu 2019 voraus - auf dann etwa 21.000 Fälle, wie aus Daten von Euler Hermes hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Der Löwenanteil dürfte mit acht Prozent auf 2021 entfallen. Für dieses Jahr wird ein Zuwachs um vier Prozent erwartet.

"Unternehmen in Schieflage müssen dies aktuell erst im Herbst bei einem Insolvenzgericht anzeigen", erläuterte Ron van het Hof, Chef von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Deshalb gebe es aktuell noch relativ wenige Fälle in Deutschland. "Aber der Schein trügt, und im Herbst schlägt für viele die Stunde der Wahrheit."

Bisher keine dramatischen Auswirkungen

In der amtlichen Insolvenzstatistik für Deutschland zeigen sich bislang noch keine dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise. 1.465 Fälle meldeten die deutschen Amtsgerichte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für den vom "Lockdown" besonders betroffenen Monat April - und damit 13,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Allerdings ist die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen seit dem 1. März 2020 ausgesetzt. Zudem kann die Bearbeitung von Anträgen bei den Gerichten derzeit länger dauern, weil auch dort der Betrieb nur eingeschränkt läuft.

Euler Hermes weist darauf hin, dass es trotz der ausgesetzten Antragsfrist bereits im ersten Halbjahr mehrere Insolvenzen größerer Firmen gab. So suchten beispielsweise im April Galeria Karstadt Kaufhof und das Modeunternehmen Hallhuber Rettung in einem Schutzschirmverfahren. Die Damenmode-Kette Appelrath Cüpper beantragte eine Insolvenz in Eigenverwaltung.

Im weltweiten Vergleich kommt Deutschland der Euler-Hermes-Prognose zufolge allerdings mit einem "blauen Auge davon". "Gründe dafür sind neben der besseren Ausgangssituation und dem kürzeren, weniger strikten Lockdown vor allem die schnellen und sehr umfangreichen Sofortmaßnahmen der Regierung", argumentierte Van het Hof.

Global erwarten die Experten aktuell für 2020 und 2021 einen kumulierten Anstieg der Insolvenzen um insgesamt 35 Prozent. "Wenn die jeweiligen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen zu früh beendet werden, dürfte der Anstieg sogar noch um fünf bis zehn Prozentpunkte höher ausfallen", befürchtet Maxime Lemerle, Chef der Insolvenz- und Branchenanalysen bei der Euler Hermes Gruppe.

USA, Brasilien, China

Einen dramatischen Anstieg der Unternehmenspleiten erwartet der Kreditversicherer in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr unter den größeren Ländern vor allem in den USA (plus 47 Prozent). Daneben wird mit einer Insolvenzwelle in Brasilien (plus 32 Prozent) und China (plus 21 Prozent) gerechnet. Massiv betroffen seien auch viele europäische Staaten wie beispielsweise Portugal (plus 30 Prozent), die Niederlande (plus 29 Prozent), Spanien (plus 20 Prozent) oder Italien (plus 18 Prozent).

In Israel zeigen sich in der Insolvenzstatistik bereits deutliche Auswirkungen der Corona-Krise: Wie das Justizministerium des Landes am Sonntag mitteilte, meldeten allein im Juni 2.038 Firmen Insolvenz an. Das ist ein Anstieg von 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damals hatten nur 1.165 Firmen Insolvenz angemeldet.


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