Das kommt auf deutsche Firmen zu 01.06.2020, 20:31 Uhr

Folgen der Corona-Krise: Konsolidierung, Insolvenzen, Partnerschaften

Sah es erst nach einem kurzfristigen Schub in einzelnen Bereichen wie E-Commerce oder Remote Work aus, sorgt die Corona-Krise nun für eine dauerhafte Transformation der deutschen Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Entscheiderbefragung von The Nunatak Group.
Durch Corona würden neue Partnerschaften und Allianzen zwischen Anbietern entstehen, sagen 53 Prozent der Befragten.
(Quelle: Fotolia.com/Spectral-Design)
Die Corona-Krise beschleunigt die dauerhafte Transformation der deutschen Wirtschaft. Das ist eine Erkenntnis der aktuellen Entscheiderbefragung der Münchner Strategieberatung The Nunatak Group. Die 230 befragten deutschen Top-Manager kommen aus Firmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 30 Millionen Euro.
So soll die aktuelle Krise nach Ansicht der Befragten die Wirtschaft gravierend und langfristig verändern. Die Unternehmen hierzulande werden sich dauerhaft digitaler und kundenorientierter aufstellen sowie ihre internen Strukturen modernisieren.
"Erst sah es nach einem kurzfristigen Schub in einzelnen Bereichen wie E-Commerce oder Remote Work aus", kommentiert Nunatak-Partner Robert Jacobi die Ergebnisse. "Aus der Umfrage zeigt sich jedoch, dass überkommene, analoge Prozesse dauerhaft abgelöst werden und beharrende Kräfte in großen Unternehmen in die Unterzahl geraten."

Die größten Veränderungen

Schon jetzt gibt es der Befragung nach große Veränderungen: Am stärksten von der Krise betroffen sind die Kundenkommunikation (87 Prozent), Produkt- und Service-Innovationen (75 Prozent), Innovationen im Marketing (75 Prozent) sowie Produktions- und Lieferketten (74 Prozent).
 
Drei Viertel gaben an, dass solche Anpassungen langfristig erhalten bleiben oder ausgeweitet werden dürften. Als Felder mit hohem und sehr hohem, weiterem Handlungsbedarf wurden die Themen Datenstrategie (67 Prozent), die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle (65 Prozent), digitale Produkte und Dienstleistungen (64 Prozent) sowie operative Prozesse (61 Prozent) benannt. Es folgen HR (53 Prozent) und Finanzwesen (52 Prozent).
Die große Mehrheit der befragten Unternehmen setzen seit Ausbruch der Pandemie auf neue Prozesse in der internen Zusammenarbeit wie etwa Kollaborationstools (87 Prozent), bis hin zu neuen Organisationsstrukturen (73 Prozent). Jeweils über 71 Prozent der Manager gehen davon aus, dass mit der Krise neu eingeführte digitale Prozesse erhalten bleiben oder sogar ausgeweitet werden und aktuelle Digitalprojekte fortgesetzt oder forciert werden. Weniger als zehn Prozent gehen von einem Rückfall auf Vor-Corona-Zeiten aus.

Die Folgen

Nicht jedes Unternehmen wird den nun geforderten Transformationsprozess stemmen können. Jeder zweite Befragte rechnet daher auch mit einer Konsolidierung des Marktes durch Übernahmen, 56 Prozent prognostizieren Insolvenzen der Mitbewerber. Im Gegenzug glauben 29 Prozent, dass neue Konkurrenten vor dem Markteintritt stünden. Aber auch neue Partnerschaften und Allianzen zwischen Anbietern würden entstehen, sagen 53 Prozent der Befragten.
77 Prozent der Entscheider stimmen der Aussage zu, dass Unternehmen mittel- und langfristig gänzlich kundenzentriert aufgestellt sein müssen. Dies sei eine zwingende Reaktion auf Veränderungen im Konsumverhalten. 75 Prozent erwarten eine zunehmende Nutzung digitaler Kanäle, 54 Prozent sehen eine stark erhöhte Nachfrage nach nachhaltigen Produkten voraus, und ebenfalls 54 Prozent erwarten eine höhere Sensibilität der Konsumenten für soziales Engagement der Unternehmen. Regionalität und Preissensitivität sind ebenfalls relevante Trends. "Die Chancen stehen gut, dass die digitale von einer nachhaltigen Transformation begleitet wird. Entscheider sollten ihre digitale und nachhaltige Wertschöpfungskette als differenzierendes Attribut der Marke kundenwirksam im Markt etablieren", so das Fazit von Jacobi.



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