Telematics Berlin 2016 17.05.2016, 11:10 Uhr

Ford will die Parkplatzsuche smarter machen

Ford testet derzeit in London sein intelligentes Parksystem GoPark. Mit dem Vorstoß ist der Autobauer weder der einzige noch der innovativste - und illustriert damit das Problem der  Diskussion um eine neue Mobilität.
(Quelle: Ford)
Rund 30 Prozent des gesamten Autoverkehrs in Städten wird durch Autofahrer verursacht, die einen Parkplatz suchen, so eine oft zitierte Schätzung zur innerstädtischen Mobilität. Verschiedene Gruppierungen versuchen das Problem zu lösen: Stadtverwaltungen wie Saarbrücken oder Neunkirchen überwachen die Belegung seiner gebührenpflichtigen Parkplätze über die Handy-Zahlungen der Nutzer - und kann so langfristig voraussagen, welche Parkplätze frei sind. Start-ups für intelligente Parksysteme wie Parkbob (Wien), Parkifi (Denver) oder JustPark (London) schießen in den großen Metropolen zu Dutzenden aus dem Boden.

Fords Pilotprojekt GoPark

Auch die Autohersteller spielen mit: Auf der Telematics-Konferenz, die aktuell in Berlin läuft, präsentierte Martin Wiecker, verantwortlich für Global Data Insight & Analytics bei Ford of Europe, das Pilotprojekt GoPark, das Ford derzeit im Londoner Stadtteil Islington testet. Dabei betreibt der Autobauer, der bisher nicht gerade als Vorreiter in Sachen Connected Car aufgefallen ist, beachtlichen Aufwand: Zunächst mussten die höchst verwirrenden Islingtoner Parkplatzregeln, von Einheimischen im Netz regelmäßig als "Minenfeld" tituliert, genau erfasst werden - inklusive der gravierenden Ausnahmen während der Zeiten, in denen im örtlichen Stadion Fußball gespielt wird.
Im zweiten Schritt rüstete Ford einige Fahrzeuge mit Ultraschall-Sensoren aus und schickte sie auf die Straße kreuz und quer durch Islington. Ihre Aufgabe: Mithilfe der Ultraschall-Wellen aktuell freie Parkplätze identifizieren. Aus diesen Daten ermittelt jetzt im dritten Schritt ein Algorithmus Voraussagen über die Wahrscheinlichkeit, in einer bestimmten Islingtoner Straße zu einem bestimmten Zeitpunkt einen freien Parkplatz zu finden. Diese Information wird schließlich über eine Landkarte in der GoPark-App an den Kunden weitergegeben.

Ford fürchtet die Uber-Zukunft

Viel Aufwand für ein Thema das eigentlich nicht zur Kernkompetenz von Ford gehört. Aber der Autobauer fürchtet, wie viele Kollegen, eine Uber-Zukunft - was gibt es für einen Blechbieger noch zu tun, wenn Autos nicht mehr gekauft, sondern nur noch genutzt werden? Also versuchen die Autobauer mehr oder minder verzweifelt, ihren Platz in der neuen Mobilität zu finden.
"Smart Mobilty" heißt das übergeordnete Projekt bei Ford, zu dem auch der GoPark-Pilot gehört. Das grundsätzliche Problem dieser und anderer Initiativen im Bereich Mobilität der Zukunft bringen nach Wiekers Vortrag zwei Fragen aus dem Telematics-Plenum auf den Punkt: Teilt Ford die gewonnenen Daten mit anderen Autoherstellern? Nein, und dazu gibt es aktuell auch keine Pläne, so Wieker. Und warum hat Ford für GoPark nicht einfach eines der 40 bis 50 Start-ups weltweit übernommen, die sich mit dem Thema beschäftigen? Man habe erst einmal selbst herausfinden wollen, was der Kunde wirklich braucht, antwortet Wieker ausweichend und beweist damit: Es ist dieses klassische Silo-Denken, das das Vorankommen vieler spannender Connected-Car-Technologien maßgeblich behindert.
Allerdings: Offenbar hält man bei Ford bereits die Augen nach möglichen Partnern für das GoPark offen. Vor allem in Asien kämen mehrere interessante Unternehmen durchaus für den Autobauer in Frage, so Wieker.



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