Cyberabwehr muss Schritt halten 09.08.2018, 11:08 Uhr

So verändern Datenschutz, KI und IoT die Cloud

Datenschutz, KI und IoT verändern die Cloud - und die Cyberabwehr muss Schritt halten. Besonders schwierig wird dies im Hinblick auf Schatten-IT und mangelnde Datenübersicht.
(Quelle: shutterstock.com/phloxii)
Die Sicherheitsbedenken von Cloud-Nutzern sind bekannt und sie bestehen seit Jahren: Datenverlust durch Hacker gehört zu den größten Sorgen in Unternehmen auf der ganzen Welt. Probleme bereiten auch die Schatten-IT durch ungenehmigte Cloud-Dienste und die mangelnde Übersicht darüber, welche Daten eines Unternehmens in Cloud-Anwendungen übertragen werden.
Nichtsdestoweniger berichtet die McAfee-Studie "Navigating a Cloudy Sky" von einem wachsenden Vertrauen in Cloud-Computing. "Obwohl die Zahl an Sicherheitsvorfällen in der Cloud immer weiter steigt, greifen Unternehmen vermehrt auf 'As a Service'-Angebote zurück", fasst Rajiv Gupta, Senior Vice President der Cloud-Security-Business-Unit von McAfee, den aktuellen Stand zusammen.
Diskrepanz: Nicht alle Unternehmen, die vertrauliche Daten in einer Public Clud speichern, vertrauen dieser auch.
(Quelle: McAfee)
Die Basis für mehr Vertrauen in die Cloud bilden diverse IT-Sicherheitslösungen. "Durch die Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen, die es ermöglichen, wieder Transparenz und Kontrolle über die Daten zu erlangen, können Unternehmen innovative Services nutzen und ihr Geschäft in der Cloud beschleunigen", so McAfee-VP Gupta.
Für Cloud-Sicherheit geben deutsche Unternehmen laut McAfee bereits heute rund 27 Prozent ihres IT-Budgets aus und sie planen, diesen Anteil in Zukunft auf 36 Prozent zu erhöhen. Dabei geht es allerdings nicht einfach um mehr Cloud-Sicherheit, sondern es geht um eine neue Strategie und um neue Lösungen für die Absicherung der Cloud. Gründe, warum sich die Cloud-Sicherheit verändern muss, gibt es genügend.

Die DSGVO

Ein Grund für die notwendige Erneuerung der Cloud-Sicherheit liegt in der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die seit Mai dieses Jahres neues und unmittelbar anzuwendendes Recht ist.
"Ein Paradigmenwechsel im Datenschutzrecht besteht darin, dass die Datenschutzgrundverordnung umfassende Dokumentations-, Organisations- und Transparenzpflichten vorsieht", betont Jens Eckhardt, Vorstand Recht und Compliance beim Verband EuroCloud Deutschland_eco e. V.
Aus der Datenschutzgrundverordnung resultieren neue Pflichten für Cloud-Nutzer und Cloud-Anbieter. "Zwar sieht die DSGVO eine geteilte Verantwortung zwischen Cloud-Nutzern und Cloud-Providern vor, doch zur Verantwortung gezogen werden schlussendlich die Unternehmen, die die Cloud nutzen", bringt Chris Hill die Situation auf dem Punkt. Hill ist Regional Vice President Pu­blic Cloud EMEA beim Netzwerk­sicherheits-Spezialisten Barracuda Networks.
Aus der Datenschutzgrundverordnung lässt sich ein recht konkreter Fragenkatalog ableiten, den Unternehmen bei Nutzung der Cloud im Auge behalten sollten:
  • Gibt es eine Rechtsgrundlage für die Übermittlung der Daten zum Cloud-Provider?
  • Sind alle Cloud-Dienste dokumentiert und in das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten aufgenommen?
  • Sind die Standorte bekannt, an denen die Cloud-Dienste betrieben werden?
  • Setzen die Cloud-Provider Maßnahmen um, die für eine angemessene Datensicherheit sorgen?
  • Können zum Beispiel geeignete Zertifizierungen durch den Cloud-Provider vorgelegt werden?
  • Gibt es Vereinbarungen mit dem Cloud-Provider, die die Vorgaben an eine Auftragsverarbeitung nach Artikel 28 DSGVO erfüllen?
  • Werden die Daten zuverlässig gelöscht, wenn die Nutzung der Cloud beendet wird oder wenn eine Löschverpflichtung eintritt?
  • Können die Daten sicher von einem Cloud-Provider zu einem anderen übertragen werden?
  • Sind die Cloud-Dienste belastbar genug?
  • Können Manipulationen an Cloud-Daten verhindert werden?
  • Gibt es ein Verfahren zur Meldung von Datenschutzverletzungen durch den Cloud-Provider an das Unternehmen und durch das Unternehmen an die Aufsichtsbehörde sowie gegebenenfalls an die Betroffenen?
  • Haben die Cloud-Nutzer die Kontrolle über ihre Daten? Gibt es eine zuverlässige Sicht auf den IT-Sicherheitsstatus?
  • Sind Sicherheitsmaßnahmen für die Identitätskontrolle, das Schwachstellen-Management, die Verschlüsselung und für eine sichere Datenübertragung vorhanden?
"Viele IT-Einkäufer gehen davon aus, dass sie den Betrieb ihrer Infrastruktur effektiv an einen vertrauenswürdigen Dritten auslagern und der Provider sich um alles kümmert. Das ist einfach nicht der Fall", stellt Chris Hill klar. Die Amazon Web Ser­vices seien hier zum Beispiel sehr deutlich. Sie erklärten, dass sie sich beim Thema Cloud-Sicherheit lediglich um die Bereiche Berechnung, Speicherung, Datenbank, Netzwerk und glo­bale Infrastruktur einschließlich Randlage und Verfügbarkeitszonen kümmerten. Für die Sicherheit in der Cloud sei zu 100 Prozent der Kunde verantwortlich - das betreffe "Daten, Anwen­dungen, Identitätsmanagement, Betriebssystem, Netzwerk- und Firewall-Konfiguration, Netzwerkverkehr, serverseitige Verschlüsselung und clientseitige Daten", so Hill weiter.
"Wir stellen fest, dass gerade größere Unternehmen Bedenken und entsprechend Fragen haben, wenn es um die Sicherheit in der Cloud geht", berichtet Klaus Gheri, Vice President und General Manager Network Security bei Barracuda. "Unternehmen, die den Umgang mit traditioneller Rechenzentrumsarchitektur gewöhnt sind, müssen bei einem Wechsel in die Cloud, was die Sicherheit betrifft, umdenken", ergänzt er.
Cloud-Nutzer benötigen zusätzliche Lösungen, um die notwendige Transparenz in die Sicherheitsmaßnahmen für die Cloud zu bringen, zum einen in die Cloud-Security des Providers, zum anderen in die eigenen Security-Maßnahmen im Unternehmen. Ohne ausreichende Transparenz in der Cloud-Sicherheit können Unternehmen den geforderten Datenschutzpflichten nicht nachkommen.

Übergreifende Sicherheit

Top-Prioritäten: Die Absicherung der Cloud hat bei Unternehmen in Deutschland oberste Priorität.
(Quelle: IDC)
Cloud-Security muss nicht nur auf neue Compliance-Vorgaben eine Antwort finden. Die Cloud-Nutzung selbst ändert sich, der parallele Einsatz von On-Premise-IT und Cloud (Hybrid-Cloud-Computing) sowie die Nutzung mehrerer Cloud-Services (Multi-Cloud-Computing) wird in den Unternehmen zunehmend Alltag: "Mehrere IDC-Umfragen haben gezeigt, dass die Hybrid Cloud die Realität von heute ist. Zentralisiertes Management für On-Premise, Cloud, Endpunkt und SaaS ist entscheidend für reibungslose und effektive Sicherheit in der Cloud", erklärt Rob Ayoub, Forschungsleiter für Sicherheitsprodukte beim Marktforschungsunternehmen IDC.
Unternehmen müssten die Cybersicherheit für ihre Anwendungen, Daten und Transaktionen in hybriden Cloud- und Multi-Cloud-Umgebungen stabil halten, so der Security-Anbieter Palo Alto Networks.
Lediglich 13 Prozent der Sicherheitsexperten gaben in einer Umfrage von Palo Alto Networks an, in der Lage zu sein, eine konsistente Cybersicherheit auf Enterprise-Niveau in ihren Clouds, Netzwerken und Endpunkten aufrechtzuerhalten.
Annähernd die Hälfte (49 Prozent) der befragten Unternehmen nutzen unterschiedliche, segmentierte Ansätze zur Cybersicherheit. Allerdings wünschen sich die Unternehmen in allen Bereichen die gleiche konsistente Sichtbarkeit und Kon­trolle über die Security.
"Die Einführung der Cloud wird befeuert durch den Wunsch nach einem agileren, innovativen digitalen Geschäftsbetrieb, an dem sich die Cybersicherheit orientieren muss. Dies ist entscheidend, denn für Cybersicherheitsfachleute kann es oft schwierig sein, hier Schritt zu halten. Damit Cybersicherheit so agil wie die geschäftlichen Anforderungen sein kann, müssen die Sicherheitsverantwortlichen die Cybersicherheit in allen Umgebungen, einschließlich Cloud- und Multi-Cloud-Umgebungen, fest und konsistent unter Kontrolle halten", kommentiert Greg Day, Vice President und Regional Chief Security Officer für die EMEA-Region bei Palo Alto Networks. "Die Cloud verändert die Art und Weise, wie IT konsumiert wird, und wird auch die Art und Weise verändern, wie Cybersicherheit genutzt wird."
An die Stelle der Insellösungen für lokale IT und Cloud sowie für die verschiedenen Cloud-Dienste müssen durchgehende, einheitliche Cloud-Security-Plattformen treten. Diese benötigen Schnittstellen zu den verschiedenen Security-Lösungen im Netzwerk und in den Clouds, um ein zentrales Security-Management zu ermöglichen.

Edge-Computing als Ergänzung

Die enorme Datenmenge im Internet der Dinge (IoT), der Wunsch nach Echtzeit-Analysen und die oftmals unzureichende Internetbandbreite haben dazu geführt, dass Datenanalysen nicht mehr unbedingt in der Cloud ausgeführt werden, sondern "am Rand des Netzwerks" (Edge-Computing), also in der Nähe der Geräte und Sensoren.
"Einfache Geräte hinter dem Netzwerkrand sind meist weniger anfällig für Sicherheitsbedrohungen. Andererseits bietet eine verteilte IT-Infrastruktur oft mehr Geräte und Zugangspunkte und damit auch mehr Angriffsfläche. Der Schutz der Endpunkte ist daher beim Edge-Computing sehr wichtig. Es muss das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass es unverzichtbar ist, jedes einzelne mit dem Netzwerk verbundene Gerät und jeden Endpunkt zu schützen", erläutert Chris Hill von Barracuda Networks.
Security-Konzepte, die sich auf die Absicherung der Cloud konzentrieren, müssen sich dieser neuen Realität stellen. Aufgaben, die bis vor Kurzem noch als Cloud-Service angesehen und abgesichert wurden, wandern im Internet of Things zurück auf die Endgeräte und die Edge-Geräte. Entsprechend müssen Security-Lösungen neben der Cloud auch das Edge-Computing berücksichtigen.
Die IoT-Daten und die Analyseergebnisse müssen an jedem Ort geschützt sein, unabhängig davon, ob die Analysen nun in der Cloud oder auf Netzwerkgeräten stattfinden. Es ist nicht zu erwarten, dass die Datenanalysen im IoT nur noch über Edge-Computing erfolgen, zumindest die geräteübergreifenden Auswertungen und die Archivierung der Daten werden im Internet der Dinge eine Aufgabe der Cloud bleiben.
Cloud-Security muss deshalb um Edge-Security erweitert werden, für den Erfolg ist dabei ein Zusammenspiel der Sicherheitslösungen von entscheidender Bedeutung.

Mehr Intelligenz

Eine weitere Entwicklung im Cloud-Computing bleibt für die Sicherheit ebenfalls nicht ohne Folgen: Mit der steigenden Nutzung von Cloud-Services wächst der Bedarf, das Cloud-Management zu automatisieren, um etwa auf Lastspitzen schneller reagieren zu können. Die Cloud-Automatisierung ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass zum Beispiel Oracle bereits autonome Cloud-Services auf den Markt gebracht hat. Zu den autonomen Fähigkeiten dieser Cloud-Dienste gehören der automatisierte Betrieb (Self-Driving), die automatische Sicherheit (Self-Securing) und die automatische Fehlerbehebung (Self-Reparing).
"Die Integration von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning in diese Cloud-Dienste wird Unternehmen dabei helfen, ihre Innovationsfähigkeit zu optimieren", versichert Amit Zavery, Executive Vice President of Development, Oracle Cloud Platform.
Auch die Cloud-Sicherheit kann von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning profitieren - und muss es auch, um automatisierte Cloud-Dienste schützen zu können. "Unternehmen können Big-Data-Risikoanalysen und maschinelles Lernen durchführen, um Bedrohungen schneller zu stoppen. Und sie können in der Cloud auf unbegrenzte Rechenkapazitäten zugreifen, um Präventionsmaßnahmen umfassend durchzusetzen. Entscheidend ist, dass all dies in dem erforderlichen digitalen Tempo erfolgt, um Risiken zu erkennen und Angriffe zu verhindern, die das Vertrauen in die digitale Welt untergraben", erklärt dazu Greg Day von Palo Alto Networks.
Die Cloud-Sicherheit muss sich also der Herausforderung stellen, transparenter, übergreifender und intelligenter zu werden. Passende Lösungen sind auf dem Markt verfügbar, Sicherheitsdienstleister bieten sich an, die Cloud-Sicherheitskonzepte zu optimieren.
Die digitale Transformation basiert nicht nur auf der Cloud, sie verändert die Cloud auch - und die Art und Weise, wie wir sie nutzen.



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