Bezahlen per Chatbot: Spannend und gefährlich

Payment über Chatbots

Je klüger Chatbots werden und je mehr Dienstleistungen per Messenger in Anspruch genommen werden, desto wichtiger wird auch das Thema Payment.
Denkbar sind verschiedene Modelle: So könnte man etwa einfach bei der Messenger-Plattform Bezahldaten hinterlegen und dann mit gängigen Bezahlmethoden wie Kreditkarte oder PayPal zahlen. Dazu müsste man nur einem Anbieter, etwa Facebook, Google, Microsoft und Co. die Bezahldaten anvertrauen, genauso wie es heute bei AppStores gemacht wird. Wie das in der Praxis aussieht, kann man zumindest in den USA schon selbst ausprobieren. Dort ist der beliebte Fahrdienst Uber im Facebook Messenger integriert, samt Payment-Funktion. Auch die Chatbots selbst könnte man so bezahlen, denn die Plattformbetreiber müssen eine Art AppStore für Bots aufbauen, damit Nutzer passende Chatbots überhaupt entdecken. Diese könnten - ähnlich wie Apps - zumindest teilweise auch kostenpflichtig sein oder Modelle ähnlich zu In-App-Käufen nutzen. Auch das ließe sich dann über Bezahldaten beim Plattform-Betreiber zentral abwickeln.
Denkbar ist aber auch, dass Chatbots händlerspezifische Apps ablösen und diese selbst Bezahlfunktionen integrieren. Denn wer braucht noch die x-te Shopping-App, wenn ohnehin alles über den Messenger läuft? Richtig, die braucht dann fast niemand mehr, und die durchaus teure und aufwändige App-Entwicklung entfällt. Händler müssen dann lediglich per Chatbot an die Kunden herantreten und gleich eine passende Payment-Funktion anbieten. Mit "Conversational Commerce" gibt es dafür natürlich auch schon die passende Bezeichnung, denn schließlich geht es bei Chatbots darum, dass Kunden mit Marken, Shops oder Händlern direkt kommunizieren. Die Anforderungen an Payment-Dienste sind damit sehr ähnlich zur Bezahlung per Apps. Möglichst einfach muss es sein, am besten mit nur einem Klick sollten sich Beträge begleichen lassen. Denkbar ist auch die Integration von Fingerabdruck oder anderen biometrischen Merkmalen. Die Vielfalt der Bezahlpräferenzen wird sich also auch mit Chatbots nicht verringern.

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Einfaches P2P-Payment

Schon lange spricht die Payment-Branche von Peer-to-Peer-Payment per Smartphone, und es gibt auch schon verschiedene Apps, die das sehr elegant erledigen; eine Standard-App für das direkte Bezahlen per Handy gibt es aber nicht. Warum sollte man dafür jedoch überhaupt eine eigene App benötigen, wenn man doch mit Freunden ohnehin per Messenger in Kontakt steht? Ein Chatbot könnte diese Funktion übernehmen und mit einem einfachen "Zahle Tim 23 Euro" die gemeinsam bezahlte Rechnung in der Kneipe ausgleichen.

Fazit: Spannend und gefährlich

Chatbots können wirklich das nächste große Ding werden, vor allem, weil sie sich sehr einfach und günstig entwickeln lassen. Derzeit sind sie zwar noch eher Spielerei, doch die großen Technikunternehmen bringen jede Menge Werkzeuge in Stellung, um Chatbots mit künstlicher Intelligenz auszustatten. Die Idee zu Ende gedacht, können Nutzer wohl bald nicht mehr unterscheiden, ob sie mit einem Menschen oder einem Chatbot kommunizieren.
Händler müssen sich umorientieren, wenn ihre Kundschaft die spezifischen Apps oder mobilen Webseiten meidet und sich fast ausschließlich im Messenger bewegt. Doch eine heile Welt herrscht auch bei Chatbots nicht. So einfach die Kommunikation mit den virtuellen Assistenten auch klingen mag, sie muss vor allem sicher gebaut sein, wenn es um persönliche Daten geht. Wie man mit Chatbots Menschen austricksen kann, zeigt der Fall des Seitensprung-Portals Ashley Madison: Statt mit interessierten Damen chattete die zahlungswillige Kundschaft meist nur mit Chatbots.



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