Zwischen Hype und Realität 16.04.2019, 14:21 Uhr

So schlägt sich die Blockchain in der Praxis

Blockchain-Technologie gilt als vielversprechend, aber auch als äußerst komplex. Eingesetzt werden sollte sie aber nur da, wo sie wirklich einen Vorteil bringt.
(Quelle: shutterstock.com/Production Perig)
Die Blockchain zählt zu den Technologien, denen eine große Zukunft vorausgesagt wird. Nicht unbedingt als Kryptowährung, sondern als Verfahren, um geschäftliche Transaktionen einfacher zu machen und neue Geschäfts­optionen zu entwickeln.
Doch noch spielt dieser Ansatz in deutschen Firmen eine Nebenrolle. Einer Studie des Digitalverbands Bitkom zufolge setzen derzeit 33 Prozent der Start-ups Blockchains ein oder planen dies zumindest. Dagegen liegt der Anteil bei Firmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern bei nur sechs Prozent.
(Quelle: Bitkom)

Vielversprechend, aber …

Zwischen kritischer Betrachtung und Optimismus bewegen sich auch die Einschätzungen von Fachleuten. "Konzeptionell haben Blockchain-Technologien das Potenzial, Geschäftsprozesse in vielen Branchen zu revolutionieren. Man denke nur an die Klassiker Banken und Versicherungen, aber auch an die Schifffahrt oder das Gesundheitswesen", sagt Markus Berger-de Léon, Partner bei McKinsey & Company. "Aber noch fehlt es an Killer-Anwendungen."
Dagegen sieht Murat Bayram, Head of IoT & Industrie 4.0 bei Axians IT Solutions, Einsatzmöglichkeiten in vielen Sparten: "Im Allgemeinen dient die Blockchain-Technologie dazu, Vertrauen zu schaffen und Manipulationen zu verhindern", so Bayram. "Der Grundgedanke ist, ein dezentrales System aufzubauen, an dem externe und interne Akteure partizipieren. Diese greifen auf denselben Daten-Pool zu und validieren jede Transaktion.“ Bayram führt etwa den Bereich Baudokumentationen an. Alle Unterlagen, die von unterschiedlichen Firmen stammen, können in einer Blockchain abgelegt werden. "Qualitätsnachweise, Zertifikate, Lieferscheine, Abnahmeprotokolle für die Baustelleneinrichtung und vieles mehr lassen sich über eine dezentrale Schnittstelle sicher zur Verfügung stellen." Daten würden nicht mehr verloren gehen. Zudem würden so alle Beteiligten im Verbund über Veränderungen informiert.

Finanzbranche

"Prinzipiell lässt sich die Blockchain-Technologie in allen Bereichen einsetzen, in denen es zu einem Datenaustausch zwischen mehreren Partnern kommt", erläutert Julius Peinelt, Software Developer beim Beratungs- und Software-Haus Futurice. "Richtig sinnvoll wird es allerdings erst, wenn es um die Validierung von Daten oder die Automatisierung von dynamischen Zugriffsrechten auf Daten geht."
Zu den Branchen, in denen Blockchain-Anwendungen bislang eine größere Verbreitung als in anderen Bereichen gefunden haben, zählt der Finanzsektor. Nach Untersuchungen des Beratungsunternehmens e*finance consulting Reply wurden 2018 an die 47 Prozent der weltweiten Ausgaben im Bereich Blockchain von Banken und Finanzdienstleistern getätigt. "Auf Distribution und Services entfielen 22 Prozent, auf die Fertigungsindustrie 19 Prozent", erläutert Alexandre Vandeput, Partner bei dem Beratungshaus. Vor allem der wachsende Druck durch regulatorische Vorgaben bringe Finanzdienstleister dazu, verstärkt auf Blockchain-Konsortien zurückzugreifen. "Durch die Blockchain-Technologie erhalten solche Unternehmen die Möglichkeit, sowohl technologische als auch wirtschaftliche Vorteile auszuloten, die sich durch neue Use Cases ergeben", so Vandeput weiter.
Er führt ein Beispiel aus der Versicherungsbranche an: Reply hat eine Insurance Sandbox entwickelt, die eine alternative Streitbeilegung (Alternative Dispute Resolution, ADR) auf Blockchain-Basis ermöglicht. Sie bringt Versicherungen und Rechtsanwälte zusammen, die im Auftrag von Klienten in einem Streitfall gegen eine Assekuranz vorgehen. Alle relevanten Unterlagen werden in verschlüsselter Form auf der Blockchain hinterlegt. Der Vorteil einer ADR ist, dass sich Streitfälle schneller und mit geringerem bürokratischen Aufwand beilegen lassen.



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