Digitalbranche: Big-Data-Spezialisten dringend gesucht

Data Scientist: "The sexiest Job of the 21st Century"

Das anspruchsvolle Allround-Profil aus mathematisch-analytischen, betriebswirtschaftlichen, kommunikativen und kreativen Fähigkeiten verleiht dem Datenwissenschaftler einen fast gottähnlichen Status. "Es ist zu früh, die Datenwissenschaftler als die neuen Herren des Universums zu beschreiben. Aber sie befinden sich auf dem Weg dorthin", sagt Alexey Loganchuk, Gründer der in New York beheimateten Personalberatung Upgrade Capital.
Loganchuk ist mit seiner Einschätzung nicht allein. In seiner Rangliste der "besten Jobs in Amerika" setzte das US-Bewertungsportal Glassdoor den Data Scientist Anfang 2018 auf Platz eins - zum dritten Mal in Folge. Das Karrierenetzwerk LinkedIn berechnete für die Zeit seit 2012 ein Job-Wachstum von 650 Prozent für Data Scientists. Und das renommierte Management-Magazin "Harvard Business Review" kürte die Tätigkeit des Data Scientists gar zum "sexiest Job of the 21st Century".
Kein Wunder, dass der Bedarf an den neuen Lieblingen der IT-Szene sehr hoch ist. Für die USA gab es laut den Unternehmensberatern von McKinsey im vergangenen Jahr 150.000 offene Stellen für Datenspezialisten. In Deutschland ist die Nachfrage ähnlich stark. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft schätzt den Bedarf an Fachkräften mit Data-Skills aktuell auf bis zu 95.000 Stellen.
In den Stellenausschreibungen der Bundesagentur für Arbeit - nicht gerade die typische Anlaufstelle für die Vermittlung hochqualifizierten IT-Personals - wurden im letzten Jahr 402 Vakanzen für Datenanalysten gemeldet, unter anderem von Krankenhäusern, Versicherungsunternehmen, Logistikern und Regierungsbehörden. Allein bei der Deutschen Bahn waren im Januar 2018 nicht weniger als 30 Stellenausschreibungen gleichzeitig online - nur für Data Scientists.

Was verdienen Big-Data-Experten?

In großen Unternehmen werden vor allem freiberuf­liche Big-Data-Experten stark nachgefragt. Laut dem Freelancer-Index des Digitalverbands Bitkom rechnen vier von zehn deutschen Großunternehmen mit einem weiter steigenden Bedarf. Von den Unternehmen mit mindes­tens 2.000 Mitarbeitern erwarten sogar
45 Prozent eine steigende Nachfrage.
Ungleichgewicht: Von den 36.957 Jobanzeigen für Big-Data-Spezialisten auf Joblift.de stammten in den vergangenen 24 Monaten über die Hälfte von großen Unternehmen.
(Quelle: Joblift)
Der Mangel an Datenspezialisten macht sich auch beim Gehalt bemerkbar. Laut einer Untersuchung des US-amerikanischen Beraters Winter Wyman zu rund 620 IT-Positionen beziehen Big-Data-Engineers bis zu 15.000 US-Dollar Jahresgehalt mehr als User-Interface- Spezialisten und bis zu 27.000 US-Dollar mehr als Software-Engineers.
In Deutschland klafft die Lücke nicht ganz so stark auseinander. Frank Pörschmann, Vorstand der Berufsvereinigung der deutschen Datenwissenschaftler, kalkuliert, dass Big-Data-Spezialisten hierzulande mit bis zu 20 Prozent mehr Gehalt rechnen können als vergleichbare andere IT-Berufe. Allerdings würden Großkonzerne wegen starrer Gehaltsschemata für die Datenexperten nicht wesentlich mehr zahlen als für andere IT-Entwickler.
Für den freiberuflichen Big-Data-Arbeitsmarkt liefert das Freelancer-Vermittlungs-Portal Gulp aktuelle Gehaltsangaben. Danach können freiberufliche Big-Data-Spezialisten in Deutschland mit einem Stundenlohn von 90 Euro rechnen. So viel verlangen IT-Freelancer laut Gulp aktuell für eine Arbeitsstunde, wenn sie sich auf Big Data spezialisiert haben. Werden alle Stundensätze der IT-Freien zusammengezählt, ergibt sich mit 83 Euro ein um sieben Euro niedrigerer Wert.

Königsweg: Hochschulstudium

Ein zentraler Grund für die fehlenden Experten sind die mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten. Ein offizielles Studium Data Scientist gab es bis vor Kurzem noch kaum. Die Rolle nahmen in der Regel Quereinsteiger aus Fächern wie BWL, Informatik oder Mathematik ein. Viele Datenanalysten, die sich heute als Data Scientists bezeichnen, haben sich das nötige Wissen im Lauf der Jahre durch Erfahrung und Eigen­initiative angeeignet. Doch diese Zeiten dürften vorbei sein.
Inzwischen bieten immer mehr Hochschulen und Universitäten Data-Science-Studiengänge an. Es scheint, als fielen endlich die Forderungen der Wirtschaft nach Studiengängen mit einer spezifischen Ausrichtung auf Big Data auf frucht­baren Boden. In den USA hat der ehemalige US-Präsident Barack Obama bereits 2013 Data Science zur obersten Priorität im Bildungssektor erklärt. Er sicherte Universitäten aus diesem Grund auch 37,8 Millionen Dollar zu, um die Ausbildung voranzutreiben. Mit Erfolg: An Universitäten wie Stanford und der UC Berkley zählt Data Science zu den beliebtesten Fächern unter den Bewerbern.
Auch bei uns sind die Bildungsverantwortlichen aufgewacht. Bereits über 20 Universitäten und Hochschulen in Deutschland und Österreich haben Data-Science-Studiengänge im Programm. Vorreiter war die Technische Universität Dortmund, an der die Fakultäten Informatik, Statistik und Mathematik bereits seit 2002 gemeinsam den Studiengang Datenwissenschaft betreiben. Andere Hochschulen haben nachgezogen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Master-Studiengängen, man kann Data Science aber auch als Bachelor abschließen.
Einige Hochschulen stellen neben einem Standardstudium spezialisierte Weiterbildungsangebote sowie berufsbegleitende Studiengänge bereit - so die Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Auch die Hochschule der Medien Stuttgart ermöglicht Berufstätigen einen Master-Studiengang in Data Science and Business Analytics - neben ihrer beruflichen Tätigkeit.



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