Interview mit Virtual Minds 03.05.2017, 08:05 Uhr

Gegen Google und Facebook: Konkurrenz um Werbebudgets

Im Interview skizzieren die Vorstände von Virtual Minds die Entwicklung im Programmatic TV und beschreiben, wie sie ihr Unternehmen aufstellen, damit die Werbebudgets künftig nicht nur zu Google und Facebook wandern.
Andreas Kleiser, Sprecher des Vorstands, Virtual Minds
(Quelle: Virtual Minds )
Das digitale Werbegeschäft wird von US-Playern beherrscht, dennoch bieten einige deutsche Unternehmen den amerikanischen Anbietern die Stirn, beispielsweise die Virtual Minds AG. INTERNET WORLD Business hat mit den Vorständen Andreas ­Kleiser und Joachim Schneidmadl über Zukäufe, Wettbewerber und das Verhältnis zu dem Investor ProSiebenSat.1 gesprochen.
In den ersten drei Monaten des Jahres hat es bei den Unternehmen der Virtual-Minds-Gruppe einige Übernahmen gegeben. Zum Beispiel hat die Holding im Januar 2017 den Data-Management-Spezialisten The Adexchange übernommen. Im Februar hat sich der Adserver-Anbieter Adition Mov.ad einverleibt. Welches Ziel verfolgen Sie mit diesen Übernahmen?
Andreas Kleiser:
Wir verfolgen bei Virtual Minds seit jeher ein sehr ausgeprägtes Beteiligungs- und Übernahmegeschäft und fahren eine zweigleisige Strategie. Zum einen entwickeln wir Unternehmen selbst, zum anderen beteiligen wir uns in frühen Phasen an Unternehmen. Wenn wir sehen, dass sie "funktionieren" und in ihrer DNA zu uns passen, kaufen wir sie. Die Übernahmen von The Adex durch Virtual Minds und von Mov.ad durch Adition waren nicht die letzten Transaktionen. Wir sehen eine deutliche Konsolidierung im Adtech-Markt, eine Konzentration zu großen Technologie-Stacks. Am Ende werden nur einige wenige Player übrigbleiben.
Joachim Schneidmadl, Vorstand Virtual Minds
(Quelle: Virtual Minds)
Joachim Schneidmadl:
Wir erwerben dabei nie nur ein Unternehmen an sich, sondern sichern uns vor allem immer spezielles Know-how und starke Teams. Mit Mov.ad beispielsweise erweitern wir Adition konsequent in die Bereiche Rich Media und Videostreaming. Bei The Adex waren wir seit Gründung beteiligt, haben das Unternehmen begleitet und mitentwickelt und alle Phasen gesehen, die ein Start-up typischerweise so durchmacht. Wir hatten das Unternehmen 2013 mit auf den Markt und schnell in Wachstum gebracht. Dann kam genau durch das rasante Wachstum eine schwierigere Phase, aber als wir gesehen haben, dass The Adex die Herausforderungen im Griff hatte und das Geschäftsmodell erfolgreich skalierte, war für uns der richtige Zeitpunkt für die Übernahme. Zum einen, weil es strategisch wichtig ist, eine eigene Data-Management-Plattform im Portfolio zu haben und in unseren Technologie-Stack zu integrieren, zum anderen weil wir gesehen haben, dass The Adex mit seinem Management, Team und seiner Entwicklung gut zu uns passt.
Die Virtual-Minds-Tochter Myloc Managed IT hat im Februar das fünfte Rechenzentrum gekauft. Laufen die Ad-Technologie-Lösungen der Töchter von Virtual Minds in ihren eigenen Rechenzentren?
Kleiser:
Der Kauf eines weiteren Rechenzentrums war ein Infrastrukturthema. Wir wachsen nicht nur im Adtech-Bereich, sondern auch im Hosting-Bereich. Die Ad-Technologie-Firmen von Virtual Minds sind große Kunden von Myloc, aber natürlich nicht die einzigen. Myloc vermietet Rechenzentrumskapazitäten unter anderem auch an andere Adtech-Unternehmen und wächst seit Jahren enorm. Die Nachfrage nach digitaler Infrastruktur - ob für unsere eigenen Angebote oder für Dritte - steigt stetig, und dafür stellen wir uns auf.

Schneidmadl:
Über ein eigenes großes Rechenzentrum in Deutschland zu verfügen bietet uns zahlreiche Vorteile, besonders im Hinblick auf Flexibilität, Skalierungsgeschwindigkeit und Kontrollmöglicheiten. Zum einen sind die Server unserer Adtech-Firmen, die lösungstechnisch immer enger zusammenarbeiten, über interne Leitungen im Rechenzentrum verbunden, so dass wir auch in der Auslieferung schneller sind. Zum anderen, und das ist ganz entscheidend, behalten wir und unsere Kunden so bis in die letzte Instanz die Hoheit und die Kontrolle über die Daten. Darüber hinaus können wir hard- und softwaremäßig auf der Basis unserer Infrastruktur viel experimentieren: Als weltweit einer der größten Partner von Hewlett Packard haben wir Zugriff auf neue Server-Generationen und -Technologien, lange bevor sie auf den Markt kommen. Damit sichern wir uns einen Wissensvorsprung und können frühzeitig wertvolle Optimierungspotenziale ausschöpfen.
Wie hat sich der Umsatz bei der Virtual Minds AG entwickelt?
Kleiser: Wir nennen keine konkreten Umsatzzahlen. Konsolidiert in der Gruppe erwirtschaften die Unternehmen der Virtual Minds AG einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Wir wachsen konstant im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Ein Wachstum in dieser Größenordnung halten wir für gesund.
Was werden Ihre nächsten Zukäufe sein?
Kleiser: Wir arbeiten permanent an M&A-Themen Bei dieser Frage vergleiche ich uns aber immer gerne mit dem SC Freiburg: Wenn ein guter, talentierter junger Spieler auf dem Markt ist und der Verein mit ihm verhandelt, muss man sehr darauf bedacht sein, dass das nicht zuviel Wind verursacht und kein großer Club ihn vom Markt kauft. Deswegen will ich dazu nicht mehr sagen.



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