Beacons: Erste Test-Erfahrungen in Hamburg

Signale der Beacons überschneiden sich

Mercedes Me Store in Hamburg
Der Mercedes Me Store will neue Kunden per Beacon in den Laden locken
Quelle: blog.mercedes-benz-passion.com
 Sensorberg hat auch die Einrichtung der Beacons übernommen. Die Platzierung und Konfiguration hat einen Tag in Anspruch genommen. Denn auch die relativ kleinen Räume des Weinguts stellten die Macher vor Probleme: Die Signale der Beacons überschnitten sich, weil an den Wänden ein Echo entsteht. Außerdem beeinflussen WLAN-Sender das Beacon-Signal. 
Die Trennschärfe der Beacons - die ­Spezialisten rechnen in der Praxis je nach Gerät mit einem Mindestabstand von ­einem bis fünf Metern - ist häufig ein nicht zu unterschätzendes Problem. Diese Erfahrung machte auch die Hamburger Agentur Elephant 7, die im vergangenen Februar eine Beacon-Anwendung als ­unternehmenseigenes Experiment gestartet hat.
Die Agentur hat die sieben Stockwerke im Treppenhaus ihres Bürogebäudes sowie Fahrstuhl und Eingang mit Beacons ausgestattet und einen Wettbewerb um den fleißigsten Treppensteiger ausgerufen. An der Türe  und im Aufzug bekamen die Mitarbeiter eine Nachricht, die sie motivieren sollte, die Treppe statt des Fahrstuhls zu nehmen. Im Treppenhaus schließlich wurden Nachrichten zum Anfeuern verschickt.

Feintuning der Beacons ist zeitaufwendig

Da das Treppenhaus nach oben offen ist und die Stufen letztlich auf sehr kleiner Grundfläche nach oben führen, war es schwierig, die Beacons richtig auszusteuern. "Anfangs haben die Beacons das Smartphone über zwei oder drei Stockwerke erfasst, sodass nicht klar war, in welcher Etage sich das Smartphone tatsächlich befindet", erinnert sich Tim Schröder,  Leiter der IT-Abteilung bei der Elephant-7-Mutter Publicis Pixelpark. Lösen lässt sich das Problem über die Stärke des ­gesendeten Signals, dennoch "bleibt das Feintuning zeitaufwendig", so Schröder.
Ein anderes Thema, das immer wieder für Ärger sorgt, ist die Stromversorgung. Meist ist ein Beacon batteriebetrieben und die Zeit, die eine Batterie hält, ist nun einmal begrenzt. Zwei Jahre Laufzeit garantiert Yoints seinen Kunden. ­"Bevor eine Batterie gewechselt werden muss, steht vermutlich eher eine neue Gerätegeneration ins Haus", sagt Yoints- Chef Sarik Weber.
Andere sind deutlich zurückhaltender. Hermann Lichte von Net Mobile hält eine Lebensdauer von wenigen Monaten in den meisten Fällen für realistisch. Oftmals stellen die Dienstleister den Händlern Apps zur Verfügung, mit denen sie die Batteriestärke überprüfen können. Einige bieten auch die Wartung der ­Beacons durch ihre Service-Mitarbeiter an.
Net Mobile hat ein eigenes System entwickelt, bei dem automatisch über die Nutzer-App die Batteriestärke ausgelesen und an den zentralen Server übermittelt wird. Der Händler kann so benachrichtigt werden, wenn die Batterie des Beacon nahezu leer ist.
Das wohl größte Problem aber ist die Steuerung der ausgelieferten Inhalte. ­Viele Anbieter gehen nicht feinfühlig genug vor und reduzieren die Beacon-Technologie auf das Format einer "digitalen Postwurfsendung", bemängelt Richard Lemke, Grün­der des Bamberger Start-ups Favendo, das Hard- und Software für Beacon-Projekte liefert. Die Technologie werde als "Werbezettel 3.0" missbraucht. Die Angebote müssen unbedingt aus der Sicht des Endkunden gedacht werden, mahnt er.

Überdosierung durch Beacon-Spamming ist tödlich

Das sieht Jan Webering, CEO der Agentur Sevenval, genauso: "Die Kundenansprache per Beacon ist ein scharfes Gewürz: Jede Überdosierung ist tödlich", betont er. Seiner Meinung nach sollten Händler daher auf das Know-how von Marketingspezialisten mit Erfahrung im One-to-One-Marketing zurückgreifen.
Sie können helfen, ein schlüssiges Konzept zu entwickeln. Anbieter wie Gettings oder Yoints versteht er als eine Art Beacon-Werbenetzwerk mit Vermittlerrolle beziehungsweise Steuerungsinstanz gegen Beacon-Spamming. 
Denn alle sind sich einig: "Hat der ­Kunde drei, vier Mal eine irrelevante Nachricht erhalten, ist er verärgert und deinstalliert die App", bringt Lichte es auf den Punkt. Net Mobile arbeitet daher mit einer selbst entwickelten Routine, die ­neben dem Standort weitere Kontext­informationen bei Beacons miteinbezieht. Auf diese Weise will Net Mobile anonyme Profile ­erstellen, die die Auslieferung relevanter Nachrichten gewährleisten sollen.
Auch Ilka Janssen von der Stadtparfümerie Pieper sieht, dass Kunden schnell verschreckt sind. Dennoch ist sie froh, die Beacon-Technologie ausprobiert zu haben "Die Kunden, die wir erreicht haben, waren ­begeistert. Vor allem Jüngere reagieren positiv auf die Beacons und wir brauchen ja auch junge Zielgruppen", sagt sie. Ihrer Meinung nach sind die deutschen Endverbraucher noch nicht bereit für die Technologie. "In zwei Jahren wird das schon ganz anders aussehen, dann wird es interessant", glaubt sie.
Derzeit testen einige Unternehmen Beacons, Beispiele sind Swisscom, Mymuesli oder Mc Donald's.
Big Data und Mobile beschleunigen die Auflösung gewohnter Handelsstrukturen. Was die Zukunft bringen wird, ist in Laboren und Boutiquen schon zu sehen.



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