Cloud-Hosting 28.09.2015, 09:05 Uhr

Das Burda-Imperium setzt auf die Amazon-Cloud

Das Fallbeispiel Burda zeigt die Vorteile der Cloud, aber auch ihre Grenzen. Jean-Paul Schmetz, Chief Scientist bei Hubert Burda Media, erläutert die Kooperation mit AWS.
(Quelle: Fotolia.com/Mark Oleksiy )
Von Offenburg in die weite Welt: Die Gruppe Hubert Burda Media, in Deutschland vor allem durch Bunte, Focus und Freizeit-Zeitschriften bis hin zum Computer-Magazin Chip bekannt, ist von einem regionalen zu einem internationalen Unternehmen herangewachsen. Das Portfolio besteht derzeit weltweit aus rund 500 Medienprodukten, darunter an die 45 Internetgeschäftszweige wie den Online-Shop Computeruniverse oder die Business-Community Xing. Burda hat über die Jahre viel ausprobiert, sich aber auch nie gescheut, unprofitabel gewordene Projekte wieder abzustoßen.
Die IT-Ausrichtung des Konzerns ist um einen hohen Grad an Modernisierung und Digitalisierung bemüht. Ein wichtiges Element: die Kooperation mit Amazon Web Services (AWS).

Kooperation mit Amazon

Jean-Paul Schmetz, Chief Scientist bei Burda: "Wenn sich die Nutzung öfter ändert, ist die Arbeit mit Amazon kostengünstiger."
Wie Jean-Paul Schmetz, Chief Scientist bei Hubert Burda Media und Board Member der Xing AG, im Gespräch erläutert, gilt die Kooperation mit AWS für fast alle Geschäftszweige in Deutschland und in anderen Ländern. Schmetz arbeitet beratend für die gesamte Burda-Holding und ist dafür verantwortlich, dass die IT-Aufgaben "mit der höchstmöglichen technologischen Kompetenz" ausgeführt werden.
Dazu hat Burda eigens eine Gruppe von Fachleuten berufen, die sich mit den Entwicklungen der IT-Technologie befasst. Als Beispiel führt Schmetz an, dass Burda inzwischen das größte Medienhaus in den Entwicklungsländern sei und deshalb dafür sorgen müsse, dass die Produkte in allen Zielländern erhältlich oder erreichbar seien, auch wenn die Netzwerkverbindungen vielleicht noch nicht ausreichend seien. Das gelte auch für Osteuropa, wo zum Beispiel eine iPad-Version von Publikationen in russischer Sprache über das Internet verbreitet wird. Schmetz beschreibt die Tätigkeit dieses Teams so: "Wir untersuchen alle Technologien, die wir am Markt vorfinden, darauf hin, ob sie für unsere Unternehmenszwecke tauglich sind."
Die vielen Subunternehmen von Burda agieren teilweise selbstständig, je nach Aufgabenbereich, werden andererseits aber doch vom zentralen Management gesteuert. Das schlägt sich auch in der Ausstattung und im Betrieb der IT-Abteilungen nieder. Das übergeordnete Team, dem Schmetz angehört, berät die IT-Abteilungen bei der Auswahl und Beurteilung von geeigneter Hard- und Software. Es ist laut Schmetz mehr im internen Research- und Consulting-Bereich aktiv, was sich auch bei der deutlichen Entscheidung für die Kooperation mit AWS gezeigt habe. Ressourcen von AWS werden bereits in vielen Abteilungen von Burda eingesetzt, andere evaluieren die Angebote noch. Vor allem die Compute- und die meisten Storage-Ressourcen von AWS würden in Anspruch genommen, wobei der Speicheranteil insgesamt erst bei etwa 20 Prozent liege.
Schmetz zufolge ist Burdas Entscheidung für AWS eine prinzipielle. Dennoch bedeute das nicht, dass man die eigenen Rechenzentren zugunsten der externen Service-Angebote aufgegeben habe. Schmetz betont, dass man zwar fast die ganze Bandbreite der AWS-Dienstleistungen einsetze, konkret hänge das aber in jedem Fall von den Business-Notwendigkeiten und den vorhandenen Ressourcen vor Ort ab. So ergebe sich beim Einsatz von AWS-Ressourcen ein Spektrum von null bis hundert Prozent.
Dabei habe man die Erfahrung gemacht, dass es strategisch falsch ist, vorab bestimmte Nutzungsraten festzulegen. Die tatsächliche Inanspruchnahme der Ressourcen von AWS variiere sehr stark und sei permanenten Änderungen unterworfen. Bei konstanten Workloads bestehe sogar die Gefahr, dass eine Auslagerung zu einem Service-Anbieter wie AWS teurer komme als die Durchführung in der eigenen IT.
Wenn die meisten Geschäftsprozesse - wie auch im Fall der Burda-Holding - einem steten Wandel unterworfen seien, spreche viel für eine in der Regel zeitlich begrenzte Auslagerung zu AWS. Der Dienstleister verfüge über ein so mächtiges Instrumentarium an IT-Ressourcen, dass man jederzeit darauf zurückgreifen und bei Bedarf wieder aussteigen könne. Das mache, so Schmetz, ja gerade den Charme von AWS aus.



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