Große Investitionen 17.05.2019, 19:46 Uhr

Amazon finanziert Deliveroo - und will Sizmeks AdServer kaufen

Amazon ist der größte Investor in Deliveroos Series G-Finanzierungsrunde in Höhe von 575 Millionen US-Dollar. Daneben plant der E-Commerce-Riese offenbar die Übernahme der AdServing-Technologie des insolventen AdTech-Anbieters Sizmek.
(Quelle: shutterstock.com/Jonathan Weiss)
Bei einer Finanzierungsrunde in Höhe von 575 Millionen US-Dollar für das schnell wachsende britische Start-Up Deliveroo hat der Online-Händler Amazon den größten Anteil übernommen. Neben dem Online-Handel-Giganten aus den USA beteiligen sich auch T Rowe Price, Fidelity Management and Research sowie Greenoak am Deliveroo-Investment, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Sie hatten das Start-Up bereits zuvor finanziell unterstützt.

Die Londoner haben mittlerweile 1,53 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Mit der Finanzspritze in bar wollen sie ihr Technologie-Team und Netzwerk verstärken, um sich im Wettbewerb mit Konkurrenten wie Just Eat und Uber Eats besser aufzustellen. Amazon treibt damit seinen Einstieg ins europäische Lebensmittelgeschäft vor.

Aktien von Konkurrenz unter Druck

Die Anteile von Just Eat brachen nach Bekanntwerden der Finanzspritze von Amazon für Deliveroo um fast elf Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit März 2018. Während die Aktien von Takeaway 6,5 Prozent einbüßten, gaben auch die Papiere des im MDax notierten Konzerns Delivery Hero am Freitagvormittag rund vier Prozent nach. 
Delivery Hero und die Aktien anderer Essenslieferanten gerieten nach dem Amazon-Investment beim Konkurrenten Deliveroo auch deshalb unter Druck, da der Online-Händler aus den USA bereits mit seinem Dienst Prime Now gezeigt hatte, dass er im Lebensmittelgeschäft Ambitionen hat.

Prime Now liefert in großen Städten in Großbritannien innerhalb von zwei Stunden Essen an Kunden aus. Allerdings sieht sich der Service auch starker Konkurrenz von einheimischen Anbietern ausgesetzt. So will etwa der britische Online-Supermarkt OCADO die derzeitige Prime Now-Lieferzeit mit einem Dienst namens Zoom halbieren.

Die Konsolidierung im Online-Lebensmittelmarkt nimmt unterdessen stetig zu. Zuletzt hatte Takeaway.com im Dezember vergangenen Jahres bekannt gegeben, das Deutschland-Geschäft von Delivery Hero für rund 930 Millionen Euro zu übernehmen.

Kauf von Sizmeks AdServer geplant

Neues gibt es aber auch auf Marketing-Seite: Wie Bloomberg berichtet, will Amazon offenbar stärker gegen Google aufrüsten und dafür die AdServing-Technologie des insolventen AdTech-Dienstleisters Sizmek übernehmen. Der Deal soll in Kürze offiziell verkündet werden, er sei allerdings noch nicht finalisiert.
Ende März hatte Sizmek am United States Bankruptcy Court Southern District in New York einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 gestellt. Sizmek bot eine technische Werbeplattform für die Nachfrageseite an. Neben einem AdServer zählten dazu unter anderem eine Demand-Side-Plattform (DSP) und die Data-Management-Plattform (DMP) Rocket Fuel.
Seit der Bekanntgabe der Insolvenz versucht Sizmek, seine einzelnen Geschäfte zu veräußern. Unter anderem gingen die DSP und die DMP für etwa 36 Millionen US-Dollar bereits an das US-Martech-Unternehmen Zeta Global.



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