Aus zum Jahresende 26.03.2018, 15:04 Uhr

Warum Amazon sein B2B-Programm Vendor Express einstellt

Amazon stellt das B2B-Programm "Vendor Express" in Deutschland ein. Händler und Hersteller sollen bis Januar auf das "Seller Central"-Programm umsteigen.
(Quelle: shutterstock.com/Jonathan Weiss )
Amazon macht Frühjahrsputz und schaltet sein Programm "Amazon Vendor Express" auch in Deutschland ab. "Vendor Express" ist eines der insgesamt drei Amazon-Händler-­Programme. Ab dem 21. Mai nimmt der E-Commerce-Riese keine Bestellungen mehr von "Vendor Express"-Partnern an, zum 1. Januar 2019 wird der Service dann komplett eingestellt. Das B2B-Programm, zu dem sich Händler selbst anmelden konnten, wurde 2015 eingeführt. Es war vor allem für kleinere Unternehmen mit neuen Produkten gedacht, die sich nicht für das "Amazon Vendor Central"-Programm qualifizieren konnten. Zum klassischen "Vendor Central"-Programm lädt Amazon nur selbst ausgewählte Hersteller und Händler ein.
In beiden "Vendor"-Programmen werden Hersteller zu direkten Lieferanten für Amazon: Sie verkaufen ihre Produkte nicht wie die Marktplatzhändler an die Konsumenten, sondern an Amazon. Amazon legt dann selbst den Preis für die ­jeweiligen Produkte fest und verkauft sie in Eigenregie über seine Plattform.  

Amazon empfiehlt Wechsel ins "Seller Central"

Eine Begründung für den Schritt seitens Amazon gibt es nicht. Auf Anfrage hieß es: "Wir prüfen regelmäßig unsere Programme, um sicherzustellen, dass wir das Verkaufserlebnis auf Amazon weiter verbessern. ­Unternehmen, die Vendor Express nutzen, bieten wir alternative Wege an, um auf Amazon zu verkaufen."
Im Klartext heißt das: Bisherige "Vendor Express"-Lieferanten sollen künftig das "Seller Central"-Programm der Marktplatzhändler nutzen.

Experten sehen fehlende Trennschärfe des Programms

Nach Einschätzung von Branchenkennern ist der Schritt aus Sicht von Amazon nachvollziehbar: So war die Abgrenzung zwischen dem "Seller Central"-Programm und dem "Vendor Express"-Programm nach Ansicht von Marc Aufzug, Geschäftsführer der Agentur Factor-a, offensichtlich nicht deutlich genug - zumindest nicht, wenn Hersteller sich darüber für das klassische "Vendor"-Programm empfehlen sollten.
Markus Fost, Geschäftsführer der Agentur Fostec, sieht auch eine mangelnde Trennschärfe des "Vendor Express"-Programms zum "Vendor Central"-Programm. Das "Vendor Central"-Programm habe sich zunehmend zu einem "Vendor Self-Service" mit hohem Automatisierungsgrad entwickelt und sei damit "Vendor Express" immer ähnlicher geworden. Fost vermutet zudem, dass sich viele Händler als "Vendor Express"-Partner Zugang zu Premium-Services wie dem "Amazon Marketing Service" verschafft haben, der eigentlich "Vendor Central"-Partnern vorbehalten sein sollte.

Vendor Express hatte wenig Erfolg

Wie viele Händler vom Aus betroffen sind, ist nicht klar. Amazon nennt keine Zahlen. Sehr erfolgreich war das Programm aber wohl nicht: Nach einer Marktstudie der Agentur Fostec dürfte der "Express"-Umsatz 2017 weniger als drei Prozent der deutschen "Vendor"-Umsätze 2017 ausgemacht haben.
Nicht immer ist Brands und Händlern klar, was eigentlich genau hinter Amazons Verkäufer-Modellen steckt. Wir erklären die Vor- und Nachteile des "Amazon Seller Central-" und "Amazon Vendor Central"-Programms.



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