Adobe kauft Magento: Und was passiert jetzt?

Bedeutung für die Community: Bleibt Open Source weiterhin bestehen? 

Die größten Zweifel hierbei betreffen das Open-Source-Konzept, das hinter Magento steckt - das Herzstück des gesamten Systems. Die ersten Bedenken, dass sich Magento immer weiter vom Open-Source-Gedanken entfernt, waren eine Folge des Hillhouse Investments im vergangenen Jahr. Ich bin fest davon überzeugt, dass Magento Open Source bleibt, weil genau das die Lebensader des Unternehmens ist. Viele Änderungen und Weiterentwicklungen an der Software kommen direkt aus der Community.
Diese Basis bilden in erster Linie 300.000 kleine Agenturen und Entwickler, die - überzeugt von dem Produkt - die Werbung im gesamten europäischen Raum und anderen Kontinenten gestalten. Kaum ein anderes Unternehmen nutzt das Empfehlungsnetzwerk so gut wie Magento. Noch dazu ist Magento das PHP- und Open-Source-basierte Projekt auf GitHub mit den meisten Mitwirkenden. Eine echte Benchmark in Entwicklerkreisen.
Würde Adobe Open Source "abschwören", fiele damit auch der größte Teil dieser Basis weg - sowohl entwicklungs- als auch marketingtechnisch. Daher würde allein aus wirtschaftlichen Gründen eine Abschaffung des Open-Source-Prinzips wenig Sinn ergeben. Noch dazu setzt Adobe mit Open Source hier auf einen echten Innovationstreiber, der auch ihren Kunden zugute kommt.  

Bedeutung für Shop-Betreiber: Muss ich wechseln?

Nein, eher im Gegenteil. Adobe stellt unter dem Motto "People Buy Experiences, Not Products" seine Kunden konsequent in den Mittelpunkt. Im Mittelpunkt jeder großen Erfahrung stehen Inhalte und Daten, die genau die Art konsistenter, persönlicher und intuitiver Erlebnisse ermöglichen, die der Konsument erwartet. Wie Inhalte und Daten ist auch der Handel zu einem integralen Bestandteil des Kundenerlebnisses geworden.
Verbraucher und Unternehmen erwarten heute, dass jede Interaktion "einkaufbar" ist - ob im Web, auf dem Handy, im sozialen Bereich, im Produkt oder im Geschäft. Das ist die Zukunft des Handels: erlebnisorientierter Handel, im besten Fall mit einem Mehrwert für den Kunden. Magento hat das ebenfalls erkannt. Bereits auf der Imagine Anfang des Jahres wurde der "Pagebuilder" angekündigt - ein Tool, das das Zusammenspiel zwischen Shop und CMS insbesondere für Shop-Redakteure ohne Entwickler-Know-how erleichtert. 
Wettbewerbsentscheidend wird in den kommenden Jahren aber nicht nur der richtige Inhalt, sondern auch der Faktor Schnelligkeit sein. Die beste Möglichkeit bieten Plattformen, die sowohl Cloud, Künstliche Intelligenz und Machine Learning sowie eine offene Schnittstelle zu anderen Anwendungsprogrammen unterstützen. Gleichzeitig sollten sie eine Trennung von Front- und Backend ermöglichen, damit Marketing und Vertrieb unabhängig von der IT umfassend handeln können. Genau das ist durch den Zusammenschluss von Adobe und Magento gegeben.  
Die Flexibilität des Open-Source-Systems von Magento ermöglicht eine enorm schnelle Adaption von neuen Trends und Themen und erhöht damit die Schnelligkeit der Innovationszyklen. Bisher war das bei Adobes Größe nicht gegeben oder gar umsetzbar. Bereits vor dem Zusammenschluss ermöglichte die Magento Commerce Cloud digitalen Handel, Auftragsmanagement und Business Intelligence. Durch die Symbiose mit der Adobe Experience Cloud werden diese Features noch einmal ergänzt und ermöglichen so noch umfassendere Shopping Erlebnisse auf der gesamten Kundenreise. Sowohl für B2B- als auch B2C-Kunden. Diese Agilität ermöglicht es Unternehmen, ihre Geschäftsfähigkeiten für verschiedene Szenarien in einer sich rasant entwickelnden digitalen Landschaft schnell zu erweitern und zu adaptieren.
Es lohnt sich also beiden Systemen treu zu bleiben. Sie bieten durch das Zusammenspiel ihrer Möglichkeiten einen Leistungsvorsprung, den vergleichbare Systeme in der nächsten Zeit kaum werden aufholen können - im Kosten-Nutzen-Verhältnis werden Demandware und Hybris voraussichtlich nie so effizient werden wie Magento.



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