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Sonstiges 07.04.2014
Sonstiges 07.04.2014

Chrom-VI-Belastung Zalando ruft toxische Schuhe zurück

Shutterstock.com/connel
Shutterstock.com/connel

Produkte zurückholen zu müssen ist für einen Händler immer schlecht. Noch schlimmer, wenn es sich dabei um Eigenmarken handelt - wie jetzt bei Zalando. Hat die Firma ihre Kunden zu spät informiert?

Schuhe der Zalando-Eigenmarken Zign, Pier One, Taupage und Zalando Collection sind mit Chrom VI belastet. Bei einer amtlichen Analyse der Schuhe durch das Landeslabor Berlin-Brandenburg wurden teilweise deutlich erhöhte Werte der Chemikalie festgestellt worden. Das berichtet die WirtschaftsWoche. Der Stoff kann lebenslange Allergien auslösen. Bei den überprüften Schuhen sei die zulässige Höchstgrenze teilweise um mehr als das 13-Fache überschritten worden.

Der Online-Händler hat deshalb einen Rückruf gestartet. Von den betroffenen Modellen wurden 1.500 Paar verkauft. Das zuständige Veterinär- und Lebensmittelamt Teltow-Fläming hatte Zalando vor zwei Wochen mitgeteilt, dass die beanstandeten Artikel nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen.

Brisant: Nach Recherchen der WirtschaftsWoche wurden die Proben bereits vor einem halben Jahr im Berliner Outlet entnommen. In der Regel lassen Bekleidungshändler und -hersteller bereits parallel zu amtlichen Untersuchungen Gegenproben der Waren testen, um ihre Kunden möglichst rasch informieren zu können. Bei Zalando sei dies nicht der Fall gewesen. Informationen über die Kontrollen sollen weder von den Outlet-Mitarbeitern noch vom Lager an die Zentrale weitergeleitet worden sein. Darum hätten im Vorfeld keine eigenen Untersuchungen stattgefunden, so der Zalando-Sprecher.

Erst seit Dezember 2013 ist Zalando eine AG. Jetzt will der Modehändler seine Rechtsform erneut ändern und zur Europäischen Aktiengesellschaft werden - möglicherweise eine Maßnahme zur Vorbereitung des Börsengangs

Zalando will sich zudem von einem seiner wichtigsten Erkennungsmerkmale trennen, dem Schrei in der Werbung. Der Ursprungsclaim "Schrei vor Glück oder schick's zurück" wird schon seit Jahren nur noch verkürzt kommuniziert. Stattdessen will sich der Versender stärker auf seine Modekompetenz konzentrieren und weniger schrill auftreten. Ein Hintergrund für die Entscheidung könnte sein, dass sich hochpreisige Marken im trashigen Zalando-Umfeld nicht stilgemäß repräsentiert sahen.

Zalando hat im Geschäftsjahr 2013 den Nettoumsatz um 52 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gesteigert. Das Jahr 2014 steht für Zalando unter dem Stichwort Personalisierung. Ein wetterabhängiger Outfit-Berater, den der Berliner Modeversender jetzt im Shop anbietet, ist da nur der Anfang.