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Sonstiges 20.03.2014
Sonstiges 20.03.2014

Lebensmittelhandel online Tastybox ist zahlungsunfähig

Die Tastybox-Gründer Sammy Gebele und Guerson Meyer mussten den Gang zum Insolvenzrichter antreten

Die Tastybox-Gründer Sammy Gebele und Guerson Meyer mussten den Gang zum Insolvenzrichter antreten

Der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland hat seine Tücken. Das jüngste Opfer heißt Foodiesquare mit seinem Produkt Tastybox. Weil ein Investor absprang, mussten die Gründer Insolvenz anmelden.

Es war vor rund dreieinhalb Jahren in Madrid, als ein Allgäuer Finanzmathematiker mit einer praktischen Leidenschaft fürs Kochen, Fischen und Jagen und ein mexikanischer Wirtschaftsingenieur mit angeborenem Unternehmergeist aufeinandertrafen. Und es war der Wunsch, für Freunde in Spanien original Allgäuer Käsespätzle zu kochen, der beiden zu ihrer ersten gemeinsamen Geschäftsidee verhalf: Weil es nicht möglich war, den benötigten Käse von einer Allgäuer Sennerei online zu bestellen, beschlossen Sammy Gebele (der Finanzmathematiker) und Guerson Meyer (der Wirtschaftsingenieur) einen Internet-Marktplatz zu gründen, über den viele kleine Betriebe ihre Erzeugnisse einem überregionalen Publikum anbieten können. "Es gibt irrsinnig viele tolle, kleine Manufakturen, deren Erzeugnisse aber oft nur direkt vor Ort erhältlich sind“, erläutert Sammy Gebele den Hintergrund seines Start-ups Foodiesquare.de. "Den Besten von ihnen einen Online- Marktplatz zu bieten, sie näher vorzustellen und erlebbar zu machen“, das sei das Ziel des Unternehmens.

Doch schon kurz nach der Gründung eines Start-ups in Deutschland merkten sie: Hierzulande gibt es keine hoch entwickelte Kultur für Lebensmittel. Und auch der Online-Handel mit Lebensmitteln ist den Deutschen noch fremd. Entsprechend wenig Resonanz fand sich für den Marktplatz und seine liebevoll ausgewählten Produkte. Die Umpositionierung zum Abokistenversender - Name: Tastybox - für Wein, Käse oder Pralinen, über die die Deutschen nun langsam an hochwertige Lebensmittel kleiner Manufakturen herangeführt werden sollte, scheint nicht den gewünschten Erfolg gebracht zu haben. Und auch die sukzessive Erschließung des B-to-B-Marktes verhinderte nicht, dass die beiden Gründer jetzt wegen Zahlungsunfähigkeit den Gang zum Insolvenzrichter antreten mussten.

"Die FoodieSquare GmbH war seit längerem mit Hochdruck daran, eine nötige weitere Finanzierungsrunde aufzustellen. Leider sprang Anfang 2014 kurzfristig ein Investor ab, der die benötigte Summe gestellt hätte. Weitere Gespräche mit Gesellschaftern und potenziellen Investoren blieben erfolglos. Die FoodieSquare GmbH wurde von den Entwicklungen überrascht, da sie fest mit einer erfolgreichen Finanzierung gerechnet hatte", heißt es von Seiten des Unternehmens. Das Insolvenzgericht München hat bereits einen vorläufigen Insolvenzverfalter eingesetzt, der auch die Fortführungsaussichten des Unternehmens prüfen soll. Der Geschäftsbetrieb soll während des vorläufigen Insolvenzverfahrens weitergeführt werden.

Eigenen Aussagen zufolge erwirtschaftete Foodiesquare im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 500.000 Euro. Mitte 2013 verließen Kisten im gut dreistelligen Bereich monatlich das Start-up. Bei 1.000 bis 2.000 Kisten pro Monat hielt Guerson im Gespräch mit INTERNET WORLD Business einen rentablen Betrieb des Geschäfts für möglich.

Erst Ende September 2013 schloss Foodiesquare über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch mit 510 Investoren eine Finanzierungsrunde über 450.000 Euro ab. Die Crowdfunder wurden von Seedmatch und Foodiesquare bereits über den Insolvenzantrag informiert.

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