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Georg Konjovic
Sonstiges 26.05.2015
Sonstiges 26.05.2015

Arbeitsmarkt "Mobile Recruiting ist ein absolutes Muss"

Georg Konjovic, Geschäftsführer von Meinestadt.de

Meinestadt.de

Georg Konjovic, Geschäftsführer von Meinestadt.de

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Alles wird mobil - auch der Bewerbungsprozess. Wo steht Mobile Recruiting heute bei Firmen und Bewerbern? Darüber sprach INTERNET WORLD Business mit Meinestadt.de-Geschäftsführer Georg Konjovic.

Die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tablets verändert nicht nur das Einkaufsverhalten. Auch die Suche nach Jobs und der damit verbundene Bewerbungsprozess verlagern sich immer mehr ins Mobile Web. INTERNET WORLD Business sprach mit Georg Konjovic, Geschäftsführer des Suchportals Meinestadt.de, darüber, was das für Arbeitgeber und Job-Suchende bedeutet.

Inwieweit ist Mobile Recruiting Ihrer Erfahrung nach bei Unternehmen heute angekommen?
Georg Konjovic: Als wir 2008 unseren eigenen Stellenmarkt gestartet haben, wurden alle Bewerbungen noch vom stationären PC aus getätigt und niemand hat von Mobile Recruiting gesprochen. Erst Ende 2013/ Anfang 2014 hat sich nach unseren Beobachtungen etwas verändert. Das lag vor allem daran, dass zu dem Zeitpunkt die Verbreitung von Smartphones stark zugenommen hatte, auch in den Personalabteilungen. Mit der gestiegenen Nutzung von Mobile Devices wurde die Notwendigkeit erkannt, dass man im Recruiting-Bereich etwas tun muss.

Welche Unternehmen nutzen diese Form der Mitarbeitergewinnung?
Konjovic: Wir sehen hier drei Typen. Besonders häufig nutzen solche Firmen Mobile Recruiting, die selbst im Digital Business unterwegs sind, also zum Beispiel die Medien- und Kommunikationsbranche oder IT-Dienstleister. Bei den restlichen Arbeitgebern sind zwei Lager zu erkennen: Bei den meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen ist das Thema noch nicht wirklich angekommen. Bei den großen Firmen hingegen schon eher, allerdings auch erst seit circa einem halben Jahr. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass Smartphones zur beruflichen Nutzung in großen Unternehmen viel verbreiteter sind, weil dort auch Dienst-Handys üblich sind, und zudem auch die Ressourcen zur Verfügung stehen. Aber auch konservative Umfelder wie etwa die Finanzbranche merken immer mehr, dass auch sie Mobile Recruiting auf ihre Agenda setzen müssen.

Welche Nutzer bewerben sich mobil und wonach suchen sie?
Konjovic: Nach unserer Erfahrung bewerben sich vor allem Praktikanten, studentische Hilfskräfte und Berufseinsteiger mobil. Allgemein lässt sich beobachten: Je jünger die Arbeitnehmer sind, desto häufiger findet die Bewerbung über diesen Kanal statt. Per Papier bewirbt sich in dieser Altersgruppe ohnehin fast niemand mehr, aber auch die klassische Mail mit PDF wird immer seltener. Außerdem gilt: Je digitaler der Job, desto wahrscheinlicher, dass die Bewerbung vom Handy aus verschickt wird. Sieht man sich die Berufsgruppen an, bewerben sich vor allem IT-Entwickler oder Produktverantwortliche mobil, weniger ausgeprägt ist das Thema dagegen bei Vertriebsmitarbeitern.

Ist es den Meisten nicht viel zu umständlich, Lebenslauf und Zeugnisse auf das Handy hochzuladen?
Konjovic: Da sehe ich auch interessante Veränderungen. Natürlich kann man es niemandem mehr zumuten, den kompletten Lebenslauf nochmal ins Handy zu tippen. Deshalb ist es wichtig, eine gute mobile Bewerberstrecke anzubieten, sei es über eine App oder eine Landingpage. Ein interessanter Trend ist auch, dass immer mehr junge Bewerber gar nicht mehr ihren Lebenslauf anhängen, sondern einfach auf ihr LinkedIn- oder Xing-Profil verlinken. Das ist eine klassische mobile Einstiegsbewerbung, die wir selbst oft erhalten, aber das ist natürlich nicht für alle Branchen geeignet.

Vorbehalte gibt es auch hinsichtlich des Datenschutzes bei mobilen Bewerbungen
Konjovic: Beim Thema Bewerbung spielt Datenschutz bei sehr vielen Menschen eine überraschend kleine Rolle, wie man etwa an den Unmengen von Daten sieht, die täglich per unverschlüsselter E-Mail verschickt werden. Auch wenn ein Bewerber einen Linkedin-Link schickt, zeigt das, dass Datenschutz hier nicht oberste Priorität hat. Mobil sieht es nicht besser oder schlechter aus als im stationären Umfeld. Ich sehe beim mobilen Kanal sogar eher einen Vorteil, wenn man den User etwa über mobile Apps in ein verschlüsseltes Umfeld lotst.

Welche Rolle spielt Social Media beim Thema Mobile Recruiting?
Konjovic: Das ist sehr kritisch. Kaum jemand gibt gerne öffentlich über soziale Netzwerke zu, dass er oder sie auf Jobsuche ist, zumindest hierzulande. In anderen Ländern ist das überhaupt kein Problem, in Deutschland fehlt dafür die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Häufiger sehen wir dagegen, dass offene Stellen über Facebook oder Twitter geteilt werden.

Bewerbung per Handy-Video

Allgemein gefragt: Worauf sollten Firmen bei der Suche nach Bewerbern achten?
Konjovic: Jedes Unternehmen in Deutschland, das Mitarbeiter sucht, sollte spätestens jetzt verstanden haben, dass das mobile Anbieten offener Stellen ein absolutes Muss ist. Denn nicht wenige Menschen benutzen inzwischen nur noch ein mobiles Endgerät. Diese potenziellen Bewerber verliere ich, wenn ich ihnen keine mobil-optimierte Stellenausschreibung anbiete. Angesichts der weiter zunehmenden Verbreitung von Smartphones und Tablets schneide ich mir als Arbeitgeber dann irgendwann das Bewerberpotenzial komplett ab. Deshalb müssen Firmen heute erkennen, dass digitales Recruiting immer auch mobiles Recruiting bedeutet. Das gilt insbesondere bei der Suche nach Auszubildenden, wo es ja einen enormen Mangel  gibt, im vergangenen Jahr gab es Rekordzahlen an nicht besetzten Lehrstellen. Aber gerade die kleinen Unternehmen, die um Bewerber kämpfen müssen, tun in diesem Bereich aktuell zu wenig - obwohl deren Zielgruppe alles nur noch mobil erledigt. Auch intern müssen Arbeitgeber ihre  Prozesse umstellen. Man muss verstehen, dass der potenzielle Bewerber vielleicht kein perfektes PDF-Portfolio mehr zusammenstellt. Arbeitgeber müssen sich daher auch anderen Formen der Bewerbung öffnen - wie etwa dem genannten Xing-Profil.  

Hat Print unter diesen Bedingungen überhaupt noch eine Zukunft bei der Suche nach Bewerbern?
Konjovic: Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, wenn man sich die Online-Zuwachsraten ansieht. Und die Bewerber stimmen letztlich mit den Füßen ab. Allerdings gibt es sicherlich Branchen, Stichwort Fachmagazine, bei denen die Stellenanzeige auch in gedruckter Form weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird.

Wie sieht die Bewerbung der Zukunft aus?
Konjovic: Warum bietet man Bewerben mobil nicht komplett neue Wege an? Zum Beispiel indem man ihnen ermöglicht, einfach ein kleines Video mit ihrem Smartphone aufzunehmen und sich so zu präsentieren. So ein Dreiminüter wäre viel authentischer als ein klassisches Bewerbungsschreiben und der Arbeitgeber könnte dabei auch gleich bewerten, wie der Bewerber akustisch, optisch und dynamisch rüberkommt.

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