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Wolf-Ingomar-Faecks
Sonstiges 27.02.2017
Sonstiges 27.02.2017

Konsolidierungen der Agenturen Wolf Ingomar Faecks: "Groß bedeutet nicht zwangsläufig besser"

Wolf Ingomar Faecks ist der Geschäftsführer von SapientRazorfish Kontinentaleuropa und Präsident Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA e.V

SapientRazorfish

Wolf Ingomar Faecks ist der Geschäftsführer von SapientRazorfish Kontinentaleuropa und Präsident Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA e.V

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Accenture übernimmt SinnerSchrader. Die Nachricht sorgte jüngst für Aufregung, ergänzt sie doch eine Reihe namhafter Übernahmen im Bereich Unternehmensberatung/Digitalagentur. Wolf Ingomar Faecks erklärt die aktuellen Entwicklungen.

Vor einigen Tagen sorgte die Nachricht, dass die Beratungsfirma Accenture die Digitalagentur SinnerSchrader übernimmt, für Aufsehen. Dabei sind solche Konsolidierungen schon längst kein Einzelfall mehr. Klassische Unternehmensberatungen treten immer öfter mit Digitalagenturen in Konkurrenz, denn sie beraten Firmen auch in Sachen digitales Marketing. Wir sprachen mit Wolf Ingomar Faecks - Geschäftsführer von SapientRazorfish Kontinentaleuropa und Präsident Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA - über die Entwicklung.

Firmen wie Accenture, IBM, McKinsey und Co kaufen sich zunehmend in Digitalagenturen ein - respektive übernehmen diese. Was reizt die Player an Unternehmen wie SinnerSchrader, Aperto, Ecx.io oder Lunar?
Wolf Ingomar Faecks: SinnerSchrader, Aperto etc. sind technik-affine Digital-Agenturen, die Markenverständnis, Experience-Fokus, Businessprozess-Verständnis und Technologie-Expertise kombinieren. Insbesondere das Markenverständnis und der Experience-Fokus sind den Beratern fremd. Unternehmensberatungen und Agenturen eint das Prozess-Verständnis und die hohe Technologie-Expertise. Deshalb lassen sich die Fähigkeiten beider gut kombinieren. Mit einem Zukauf erweitern die Berater ihre Glaubwürdigkeit in das Marketing-Frontend. Dies ermöglicht ihnen bisher fehlende Zugänge zum CMO. Arbeitsweisen wie das Design Thinking haben zudem klar kreative Herkunft und ergänzen das beraterische Methodenset.
 
Und im Gegenzug? Was haben die Digitalagenturen von einem Einstieg der Unternehmensberatungen?
Faecks: Vor allem kleinere Agenturen erlangen durch diese Zusammenschlüsse eine erhebliche Skalierungsumgebung für größere und internationale Projekte. Außerdem erweitert sich ihr Know-how um beraterische Methoden und um eine stärker auf Großunternehmen ausgelegte IT-Kompetenz. Des Weiteren bringen die Berater meist eine deutlich größere Branchenexpertise mit als die Agentur-Mitarbeiter.
 
Ist das für beide Parteien eine grundsätzlich positive Entwicklung oder ist das ein Trend, der gefährlich ist? Kannibalisiert man sich da gegenseitig?
Faecks: Die Entwicklung enthält für beide Seiten Chancen und Risiken. Groß bedeutet aber nicht zwangsläufig besser. Und One-Stop-Shopping muss nicht jeden Kunden überzeugen, unter denen doch auch einige Best-of-Breed bevorzugen. Da sich die Kulturen der Berater und der Agenturen sehr fundamental unterscheiden, kann die jeweilige Attraktivität als Arbeitgeber leiden.
 
Wie sehr kann der Verband in solchen Übernahme-Fällen mitreden?

Faecks: Der Verband kann solche Übernahmen natürlich kommentieren. Das war es aber auch schon. Hier handelt es sich um betriebswirtschaftliche Entscheidungen von Unternehmen hinsichtlich ihrer strategischen Aufstellung. Das ist kein Verbandsthema.
 
Was muss denn eine Digital-Agentur, die auch in zehn Jahren noch auf dem Markt sein möchte, inzwischen leisten können?
Faecks: Digitalagenturen müssen ihre Beratungs-, IT- und Technologiekompetenzen ausbauen, um in der digitalen Transformation wirklich eine Rolle spielen zu können. Wer zukünftig erfolgreich sein will, muss eine kombinierte Sichtweise auf die Bereiche Experience, Back-End und Organisation mitbringen, um auch die Prozess- und Unternehmensarchitektur der Zukunft mitgestalten zu können. Dazu müssen sich Agenturen zunehmend um intelligente Kooperationen bemühen - innerhalb und außerhalb ihres Netzwerkes.

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