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Sonstiges 20.12.2016
Sonstiges 20.12.2016

Expert Insights Social-Media-Rückblick 2016: Ein snaptastisches Jahr

Ja, auch dieses Jahr ist im Bereich Social Media viel passiert: Einige Kanäle gingen durch die Decke, manche blieben hinter ihren Erwartungen und andere stehen kurz vor dem Durchbruch.

Weil es immer netter ist, mit etwas Schönem einzusteigen, kommen sie hier: meine Gewinner in 2016:

Snapchat

Der trendige Social-Media-Kanal für eine junge Zielgruppe hat nicht nur als einer der ersten gekonnt auf die Kommunikation mit verfänglichen Bilder (anstatt von Textnachrichten) und Videos gesetzt, sondern macht mit den neuen Spectacles-Brillen auch das richtig, was Google mit seinen Glasses vor nicht allzu langer Zeit falsch gemacht hat: sinnvoller Nutzen, alltagstaugliches Design, attraktiver Preis. Folglich sind die Warteschlangen an den Verkaufsstellen in den USA so lang wie beim Release von Apple-Produkten.

Und auch wenn viele in unserem Alter (und aufwärts) bis heute die App nicht bedienen können: Snapchat ist das heißeste, was Social Media momentan zu bieten hat und nebenbei das Lebensgefühl einer mobilen Generation - gegenüber Mama und Papa, die sich noch auf Facebook und Instagram tummeln.

Instagram

Instagram sind Nachmacher. Sie haben sehr hübsche Bilder und eine Menge mehr oder weniger großer Influencer, aber in Sachen Bewegtbild zu Jahresbeginn auch ganz schön bei Snapchat abgekupfert. Alles nur geklaut? Naja, machen ja eigentlich alle irgendwie.

So hatte Instagram mit dem Launch von Live Videos die Nase vorn, was wiederum Snapchat munter zum Nachahmen animierte. Es gleicht sich alles also irgendwie aus, und aufgrund des starken Wachstums ist Instagram definitiv einer der Gewinner 2016.

Livestreaming

Alle tun es: Facebook, Periscope, YouTube, Twitch und auch Instagram ist auf den Trichter gekommen. Warum? Live Streaming ermöglicht es nicht nur den Moment festzuhalten, sondern ihn live mit Freunden und Followern zu teilen. Aktueller und authentischer geht es fast nicht (wobei man natürlich auch einen Live Stream wochenlang vorbereiten kann), und der Vergänglichkeitsaspekt verleiht dem Trend eine Extraportion Exklusivität - mit anderen Worten: wenn weg, dann weg. Mobile Live Streaming hatte 2016 seinen Durchbruch und wir sind sicher, dass es 2017 weiter Einzug in jegliche Kommunikationskanäle halten wird.

Mikro-Influencer

Alle reden von Dner, DaggiBee und Sarazar. Aber Vorsicht: Bei Influencer-Marketing-Aktionen mit solchen Webstars drohen hohe Budgets und empfindliche Streuverluste.

Viel effizienter ist da ist die Zusammenarbeit mit sogenannten Mikro- oder Longtail Influencern. Das sind Influencer mit einer Reichweite von 1.000 bis 20.000 Followern. Vorteil: Sie fokussieren sich meist auf ein Thema und die homogene Followerschaft erzielt deutlich höhere Engagement-Raten. So lassen sich Markenbotschaften gezielt und ohne große Streuung platzieren.

Für Brands bedeutet das, dass diese Mikro-Influencer oft schon in der eigenen Community gefunden werden und sie mit "Money can't buy"-Incentives wie exklusiven Informationen oder kleinen Marken-Goodies aktiviert werden können.

Erste Unternehmen wie DM haben das auch in Deutschland für sich erkannt und sind damit sehr erfolgreich.

Verlierer - oder Kanäle, die ihr Potenzial noch entfalten müssen

Es können nicht immer alle gewinnen. Wer jetzt ein Bashing erwartet, wird aber enttäuscht. So richtige Flops sind nämlich nicht dabei - aber viele Ansätze, die ihr Potenzial nicht so entfaltet haben, wie sie eigentlich könnten.

Chatbots

Was sind Chatbots eigentlich konkret? Die Idee dahinter ist eine automatisierte Customer-Kommunikation, um einen noch umfassenderen Service zu bieten und die Kundenbindung zu erhöhen. Allerdings steckt das Thema Chatbots 2016 noch in den Kinderschuhen: Weder Siri von Apple noch Cortana von Microsoft oder einer der vielen Facebook Chatbots konnten als KI überzeugen. Warum die Pizza im Dialog bestellen, wenn es ein einfacher Klick über eine Lieferapp auch tut? Zudem schlagen Chatbots dem User gerne auch einfach mal richtigen Unfug vor. Wir verstehen schon: Hier soll ein weiteres Tool geschaffen werden, mit dem man schnell und direkt nach individueller Vorliebe konsumieren kann - aber wir stehen erst am Anfang des Weges.

Pinterest

Eines vorweg: Pinterest bietet unglaubliches Potenzial. Der Kanal ist in den USA kräftig am Wachsen, wenngleich die Zielgruppe momentan noch größtenteils weiblich ist. Die sucht auf Pinterest aktiv nach Inspiration, entweder zum Kauf, oder zum Nachmachen (was häufig auch wieder den Kauf passender Elemente beinhaltet). Damit sind User letztlich nur einen Klick von der Kaufentscheidung entfernt und Pinterest stellt Unternehmen eine Vielzahl an Tools zur Verfügung, um die Chancen zur Conversion noch einmal deutlich zu erhöhen.

In Deutschland führt Pinterest aber (noch) ein Schattendasein. Zwar gibt es auch hierzulande circa drei Millionen User, aber speziell aus Sicht von Unternehmen fehlen wirklich nennenswerte Cases, wie man den Kanal erfolgreich nutzen kann. Na gut, es gibt welche, zum Beispiel von Maggi - aber da geht noch deutlich mehr.

Social Commerce/ Shoppable Content

Die großen Plattformen rüsten auf und stellen eifrig Monetarisierungs-Möglichkeiten zur Verfügung, leider aber primär immer noch mit alten Werbeformaten wie Bannern oder nervigen Prerolls. Das Ganze wird garniert mit eher lieblosen Shop-Integrationen auf Facebook- beziehungsweise auf Unterseiten, die niemals das Newsfeed-Licht erblicken.

Hier besteht Verbesserungs-Bedarf. Immerhin: Pinterest und Instagram gehen die ersten richtigen Schritte und versuchen, intelligente Inhalte mit E-Commerce und Produktseiten zu verknüpfen. Wenn die anderen Kanäle nachziehen, hat Social Commerce sicherlich großes Potenzial für 2017.

Abschließend noch eine kleine Anmerkung - kein wirklicher Trend, aber ein äußerst wichtiger Aspekt, der bei den ganzen Hypes manchmal verloren geht: Return on Investment. Social Media kann auf alle Business-Zielstellungen einzahlen und einen wertvollen Beitrag zur Geschäftsentwicklung leisten, weit über Fan- und Followerzahlen hinaus. Auch 2017 sind Unternehmen in der Pflicht eine klare Rolle und Aufgabe für die Kanäle zu definieren um echten Wert zu erzeugen.

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