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Sonstiges 17.03.2013
Sonstiges 17.03.2013

David Fellah im Interview über die digitale Zukunft Wie überleben wir die mobile Revolution?

David Fellah, Mitbegründer und CEO der dänischen Agentur Designit, hält morgen auf dem Internet World Kongress die Eröffnungskeynote. INTERNET WORLD Business sprach mit ihm vorab über die mobile Revolution, den Film "Minority Report" und darüber, wie man die Zukunft überlebt.

In Ihrer Keynote auf dem Internet World Kongress am 19. März 2013 sprechen Sie über die "mobile Revolution" - was ist damit gemeint?

David Fellah: Die "mobile Revolution" ist bereits seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Die mobilen Geräte, mit denen wir uns umgeben, werden unser tägliches Leben verändern - das haben sie bereits getan. Denken Sie nur an Onlinebanking, E-Mails und soziale Netzwerke. Vielen ist aber noch nicht klar, wie gigantisch diese Veränderungen tatsächlich ausfallen, und das schon in sehr naher Zukunft. 

Welche Art von Veränderung meinen Sie damit?

Fellah: Um diese Frage zu beantworten, muss man einige Jahre in die Zukunft blicken - und es war nie einfacher, in die Zukunft zu sehen als zur Zeit. Ich spreche gerade über mein iPhone 5 mit Ihnen. Es ist vier Mal schneller als das iPhone 3GS. Das heißt, die Prozessorgeschwindigkeit hat sich in den vergangenen zwei Jahren vervierfacht. Man muss kein Mathematiker sein, um sich auszurechnen, dass wir in zehn Jahren mobile Geräte haben werden, die mehr als tausend Mal schneller sind als heute. 

Welche Konsquenzen wird das für Marketer, Händler und Kunden haben?

Fellah: Alles verlagert sich in den mobilen Bereich. Es wird einfach nichts mehr geben, was nicht Mobile ist. Das einzige, was uns derzeit noch davon abhält, ist, dass die nötige Rechenpower noch nicht vorhanden ist.

Wenn aber letzlich alles Mobile ist und nichts mehr an einen Ort gebunden, ist die Welt, in der wir leben, eine andere. Ganz besonders wird sich das natürlich auf den Handel auswirken. Derzeit ist Onlinehandel noch etwas, was man an seinem Desktop-PC erledigt, mit einigen wenigen Ausläufern in die mobile Welt. Aber in einigen Jahren, mit schnelleren Prozessoren und 4G-Netzen, wird es genau andersherum sein: E-Commerce wird mobil stattfinden, und alles andere wird nebensächlich sein. Und wenn das passiert, wird es interessant. 

Inwiefern? Haben Sie ein Beispiel parat?

Fellah: Kennen Sie den Film "Minority Report"? Dort gibt es eine Szene, in der Tom Cruise an einigen Anzeigetafeln vorbeigeht, die auf seine Augen reagieren und personalisierte Werbung anzeigen. Das ist schon sehr Science-Fiction-mäßig, denn so eine komplizierte Technik ist dabei gar nicht nötig. Aber wenn man sich ansieht, wie stark Large Screen Displays bereits jetzt verbreitet sind, und man gleichzeitig die Entwicklung von Smartphones und Breitband-Internetverbindungen im Hinterkopf behält, dann ist eine solche Szene wie in "Minority Report" keine Zukunftsmusik mehr - auch, wenn die Technologie dahinter eine andere sein wird.

Eine weitere Konsequenz der "mobilen Revolution" wird sein, dass auch sämtliche Offline-Kommunikation ins Netz verlegt wird - Poster, Anzeigen und dergleichen. Durch Near Field Communication, optisches Feedback und das oft erwähnte "Internet der Dinge" wird Ihr Smartphone schon in naher Zukunft sehr genau wissen, wer Sie sind und warum Sie sich wo aufhalten. Und das wird es uns erlauben, vieles von dem, was wir derzeit noch offline erfahren, online erlebbar zu machen. 

Die Fragestellung Ihrer Keynote wird sein, wie man diese "mobile Revolution" überleben kann - haben Sie vorab einige Tipps für uns?

Fellah: Agieren Sie vorausblickend. Man muss verstehen, dass der "Mobile-First"-Ansatz, von dem Google bereits vor fünf Jahren bei seinen Suchergebnissen gesprochen hat, nun beim E-Commerce angekommen ist und sich dort in den nächsten paar Jahren durchsetzen wird. Man muss die Entwicklung von E-Commerce-Lösungen anders angehen, nämlich ausgehend von mobilen Plattformen. Und das heißt, sich auf neue Verbraucherszenarien und neue Kundenerwartungen einzulassen. Die Entwicklung mobiler Plattformen schreitet mit einer solchen Geschwindigkeit voran, dass wir es uns nicht länger erlauben können, Lösungen so zu entwickeln wie bisher. Die Zukunft findet bereits statt.

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