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Axel Springer bringt Bild-Zeitung aufs iPad
Sonstiges 08.12.2010
Sonstiges 08.12.2010

Axel Springer bringt Bild-Zeitung aufs iPad Mobile Ausgabe teurer als Printprodukt

Heute erscheint die erste iPad-Ausgabe der Bild-Zeitung. Die Texte stammen aus der gedruckten Ausgabe, wurden aber für die App um Videos, Animationen und zahlreiche spielerische Effekte ergänzt. Der Preis liegt mit 0,79 Euro über dem der Zeitung, die 0,60 Euro kostet.

Für die Umsetzung der Nachrichten-App hat Bild ein eigenes Produktionstool entwickelt, das Technologien aus der Gamingbranche einsetzt. So wird in der App unter anderem eine "Physic Engine" verwendet, die realistische Bewegungen und Interaktionen simuliert. Anfang des kommenden Jahres will der Verlag diese Produktionssoftware als freizugängliche Open-Source-Lösung im Internet zur Verfügung stellen. Die technische Umsetzung der Applikation hat Neofonie Mobile realisiert.

"Nach der erfolgreichen Einführung der Bild iPhone-App als kostenpflichtiges Angebot bieten wir jetzt mit der Bild iPad-App ein weiteres Angebot an, das im internationalen Vergleich den Maßstab setzt", sagt Donata Hopfen, Geschäftsführerin von Bild digital. "Damit heben wir die Axel-Springer-Initiative zur Etablierung kostenpflichtiger Inhalte auf eine neue Stufe."

Die Markteinführung wird mit einer Kampagne in Print, Online und dem Fernsehen begleitet, mit der Jung von Matt/Alster beauftragt wurde. Zudem wurde ein virales Video mit dem Komiker Olli Dittrich und Bild-Chefredakteur Kai Diekmann produziert. Exklusiver Werbepartner auf der neuen App ist bis 31. Dezember 2010 Volkswagen.

Ein Jahr nach dem Start der Paid-Content-Initiative zieht der Axel Springer Verlag eine positive Bilanz. Die aktuellen Zwischenergebnisse seien "äußerst ermutigend", sagte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um auch in der Onlinewelt ein Geschäftsmodell zu etablieren, das neben den Werbeerlösen die digitalen Vertriebserlöse als weitere Säule hat." Allerdings seien die Erlöse verglichen mit dem Printgeschäft noch gering.

In den vergangenen zwölf Monaten haben die Medienmarken von Axel Springer mehr als 15 Bezahlangebote gestartet, die über 800.000 Mal heruntergeladen wurden. Allein die Bild-App fürs iPhone wurde seit ihrem Start Ende vergangenen Jahres bereits mehr als 400.000 Mal gekauft (zum Vergrößern auf die Grafik klicken).

Die Vertriebsplattform für Digitalausgaben iKiosk, die für das iPad entwickelt wurde, bietet der Verlag ab sofort auch im stationären Internet an und macht sich damit ein Stück weit von Apple unabhängig. Der Computerkonzern hat Axel Springer und DuMont Schauberg verboten, den Tablet-PC in einem Paket mit Abos vertreiben zu können. Bei diesem Modell, bei dem Abonnenten das iPad zu einem reduzierten Preis angeboten worden wäre, hätte Apple den Einkaufspreis für seine Hardware erhalten. Branchenexperten vermuten nun, dass der Konzern plant, ein ähnliches Paket in Eigenregie auf den Markt zu bringen.

Unter den Journalisten glauben nur wenige daran, dass Apps für iPhone, iPad und andere Tablet-PCs das Potenzial haben, die Umsatzverluste im Printgeschäft auszugleichen. Das ergab eine heute veröffentlichte Umfrage von news aktuell, an der knapp 700 Journalisten teilnahmen. Knapp zwei Drittel bezweifeln es ("auf keinen Fall": 13 Prozent/ "eher nicht": 46 Prozent). Immerhin jeder Dritte räumt den Apps eine potenzielle Chance ein.

Nur sechs Prozent aller befragten Medienvertreter sind dagegen heute fest davon überzeugt, dass Apps die finanzielle Stütze der Zukunft werden. Die optimistischen Stimmen kommen vor allem aus den Reihen der Nachrichtenagenturen ("auf jeden Fall": zwölf Prozent), Bedenkenträger sind Redakteure aus Zeitschriftenredaktionen ("auf keinen Fall": 16 Prozent) sowie aus dem Online- und Multimediabereich ("auf keinen Fall": 13 Prozent).

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