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Sonstiges 20.01.2016
Sonstiges 20.01.2016

Die Dienste im Vergleich Das Battle: Facebook Live vs. Periscope

Der Livestreaming-Markt boomt und mit Facebook Live und Periscope kämpfen zwei Marktgrößen um die Vorherrschaft. Wer hat die besseren Karten?

2015 war das Jahr der Bewegtbildformate - vor allem in den sozialen Netzwerken setzte Facebook verstärkt auf Videos. 2016 könnte Livestreaming den großen Durchbruch zu erfahren. Mit dem zu Twitter gehörenden Periscope und Facebook Live sind die Big Player mit eigenen Angeboten am Start.

Der dritte Konkurrent um die Anerkennung aus der Livestreaming-Gemeinde ist Meerkat. Doch es scheint, dass der Kampf bereits verloren ist. Es fehlt immer noch an einer globalen Nutzerbasis, obwohl der Dienst von Beginn an dabei ist. Aus Marketing-Sicht bieten die Tools Unternehmen beispielsweise die Möglichkeit, exklusive Einblicke in den Alltag zu geben oder live von Events zu berichten.

Die Gemeinsamkeiten

Dadurch können Marken problemlos Transparenz schaffen. Das kann unter anderem bei der Krisenbewältigung - Stichwort VW - sinnvoll sein. Über einen Livestream können eingehende Fragen in Echtzeit und ohne zweite Korrekturschleife beantwortet werden. Das schafft Vertrauen.

Wer diesen Mut aufbringt, wird langfristig davon profitieren. Zudem kann das Feedback der Nutzer, das während der Übertragung an den Streamenden herangetragen wird, sofort aufgenommen werden. Und selbst wenn ein Kommentar in der Hektik untergeht, gibt es dank der Grundfunktionen der Livestreaming-Dienste keine Probleme.

Sowohl Facebook Live als auch Periscope zeigen eingehende Kommentare und beigetretene Nutzer in Echtzeit an. Da beide Portale die Möglichkeit bieten, die Videos im Nachhinein nochmals abzurufen, kann der Livestream analysiert werden. Eine Hilfestellung in diesem Kontext ist auch die Zusammenfassung, die beide Anbieter automatisch nach Abschluss der Übertragung anbieten. 

Weitere Funktionen im Überblick:

  • Automatische Push-Benachrichtung an alle Freunde/Follower des Livestreamenden
  • Automatische Einbettung in den Newsfeed auf Twitter beziehungsweise Facebook
  • Autoplay-Start im Newsfeed
  • Der Nutzerkreis kann eingeschränkt werden, sodass sogar Conference-Calls möglich sind
  • Es gibt Platz für einen kurzen Beschreibungstext/Teaser

Um eine Einschätzung abgeben zu können, welcher Dienst als Sieger aus dem Zweikampf hervorgehen wird, werden nun in einem nächsten Schritt die Vorteile der Dienste gegeneinander abgewogen.

Das spricht für Periscope

Seit der Übernahme durch Twitter im März 2015 und dem Launch wenige Wochen später ist Periscope als "First Mover" eine feste Größe auf dem Livestreaming-Markt. Laut Unternehmensangaben gab es bereits mehr als 100 Millionen Video-Übertragungen in Echtzeit. Vor allem Medien erkannten die Vorteile und nutzen den Dienst - zum Beispiel nach den Terroranschlägen in Paris für exklusive Einblicke.

Die Nutzerstruktur von Twitter ist - je nach Betrachtungsblickwinkel - ein Vorteil für Periscope. Auf dem 140-Zeichendienst, der direkt mit Periscope verbunden ist, sind speziellere Zielgruppen vertreten als auf Facebook. Vor allem Manager und Mitarbeiter aus der Medien-, Marketing- und Tech-Branche nutzen Twitter als Verbreitungsmedium. Die Streuweite bei Facebook ist größer und unspezieller.

Außerdem ist Twitter als Live-Medium bekannt. Größere und sogar börsennotierte Unternehmen wie Tesla nutzen Twitter und Periscope in der Zwischenzeit, um ihre Adhoc-Meldungen zu verkünden. Die E-Mail ist als Mitteilungsmedium zum Teil abgelöst. Facebook ist aufgrund des Algorịthmus zerklüfteter. Nicht jede Meldung wird zwangsweise jedem Nutzer ausgespielt.

Im Gegensatz zu Facebook Live ist Periscope auch bereits auf allen wichtigen Betriebssystemen - und mittlerweile sogar mit eigenem Netzauftritt - vertreten, während Facebook Live bislang nur für Nutzer von iOS-Endgeräten verfügbar ist. Die potenzielle Zielgruppe ist also größer, weil effektiv mehr Menschen Periscope ohne Probleme nutzen können.

Das spricht für Facebook Live

Umgekehrt lässt sich selbstverständlich argumentieren, dass Marken, die ein breiteres Publikum erreichen wollen, auf Facebook eine unspezifischere, zwischenmenschlichere Zielgruppe erreichen können. Hinzu kommt, dass Facebook Live erst im Dezember vergangenen Jahres zunächst für Unternehmensseiten und anschließend auch für einen Teil der privaten Nutzer ausgerollt worden ist.

Das bedeutet, dass Livestreams für Facebook-Nutzer eine Neuheit sind. Alleine aus Interesse werden die Nutzer zu Beginn verstärkt auf Echtzeit-Übertragungen klicken, weil sie sehen wollen, wie das abläuft. Außerdem wird Facebook zu Beginn Livestreams sicherlich pushen und prominent im Newsfeed platzieren, um mehr Aufmerksamkeit für das Tool zu generieren.

Auf den Nutzer zugeschnitten

Durch die direkte Integration von Facebook Live in die normale Facebook-Anwendung - Periscope muss seperat als App heruntergeladen werden - kommt Mark Zuckerberg dem Wunsch nach Bequemlichkeit nach. Niemand möchte gerne, nur um einen Dienst zu erforschen, eine zusätzliche App herunterladen.

Durch die Möglichkeit per Klick im Livestream den Übertragenden zu abonnieren und automatisch per Benachrichtigung an alle künftigen Übertragungen erinnert zu werden, sticht auch hier der Trumpf Benutzerfreundlichkeit. Die Benachrichtung per "Weltkugel" ist aufmerksamkeitsstärker als der automatisch abgesetzte Tweet bei Periscope.

Interessante Option für Advertiser

Da mittelfristig auch Werbungtreibende auf den Livestream-Zug aufspringen werden, spielen auch die Faktoren Messbarkeit und Sichtbarkeit eine entscheidende Rolle. Während bei Periscope die Streams nur noch 24 Stunden lang abrufbar sind, werden die Videos bei Facebook Live in der Chronik gespeichert. Das heißt, dass sie dort erstens stetig abrufbar sind und zweitens auch über längere Zeiträume hinweg Klicks und Views generieren können.

Da Facebook von seinen Nutzern einen Klarnamen (oder zumindest eine realistische Angabe) verlangt, ist es auch leichter möglich Hasskommentare nachzuverfolgen. Dies ist bei Twitter deutlich schwieriger. Die tiefergehenden Filterfunktionen ermöglichen es Marken zudem "Hater" und "Trolle" aus dem Livestream auszuschließen.

Der Beginn der Vermarktung von Livestreams wird wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen. Trotzdem hat Facebook schon heute durch das ausgeklügelte Werbenetzwerk eine gute Plattform geschaffen.

Fazit und Take-Aways

Ein definitive Prognose darüber abzugeben, wer in Zukunft den Livestreaming-Markt beherrschen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt, nur schwer möglich. Fest steht, dass Periscope neun Monate mehr Zeit hatte, um aus dem Nutzerfeedback zu lernen. Außerdem ist der Dienst bereits für alle Betriebssysteme ausgerollt.

Im Gegensatz dazu ist die Nutzerzahl bei Facebook Live derzeit noch beschränkt, da nur iOS-User Live nutzen können. Es ist allerdings zu erwarten, dass der Roll-out für Android und Co bald folgen wird. Schon die jetztige Version von Facebook Live zeigt, dass an den richtigen Stellen gearbeitet wird. Langfristig scheint es so als würde Facebook die Nase vorne haben.

Vier Take-Aways

  • Beide Tools sind keine technischen Anwendungen, sondern auf Interaktion ausgelegt. Man sollte auch dem Nutzer die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen und darauf eingehen
  • Der Zuschauer ist kein passiver Nutzer, sondern aktiver Bestandteil
  • Herzen und Kommentare erlauben direkte Rückschlüsse darauf, ob ein Stream beim Nutzer ankommt
  • Periscope hat in Deutschland trotz Push durch Twitter noch nicht genügend Bekanntheit erreicht. Die Facebook-App ist auf fast jedem Handy installiert
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