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Tipps zur internationalen Expansion (Foto: istock/alessandroiryna)
Sonstiges 23.12.2010
Sonstiges 23.12.2010

Tipps zur internationalen Expansion Nicht unbedacht vom eigenen Land auf andere schließen

Geschäfte über Landesgrenzen auszudehnen, ist als Onlineunternehmer im Vergleich zu Zeiten ohne Internet einfach geworden und kann die Zahl potenzieller Kunden verdoppeln, verdreifachen oder vervierfachen. Was man beachten sollte, damit aus der möglichen Expansion auch ein Erfolg wird, erklärt Christian Arno, Gründer und Geschäftsführer des Übersetzungsunternehmens Lingo24.

1. Marktanalyse: Es gibt die deutsch-tschechische Handelskammer, die deutsch-chinesische Handelskammer und viele Dutzend weiterer Handelskammern mit deutscher Beteilung in Ländern auf der ganzen Welt. Sie können für einen Onlineshop-Besitzer eine erste Anlaufstation sein, um die Marktchancen bei einer fremdsprachigen Zielgruppe zu recherchieren. Nicht jedes Produkt taugt als Verkaufsschlager in jedem Land. Die Marktchancen erst einmal korrekt einzuschätzen, schützt vor unnötiger Arbeit, falls sich bei einer Analyse eher kein Bedarf an Produkten zeigt, die man anbietet.

2. Die richtige Übersetzung: Wer einen Bedarf bei einer ausländischen Zielgruppe erkannt hat, den er mit eigenen Angeboten decken könnte, sollte einen Onlineshop in der passenden Sprache aufsetzen und dabei auf Fachleute vertrauen. Die Tücke liegt bisweilen im Detail, da beispielsweise selbst korrektes Englisch nicht immer korrektes Englisch ist, je nachdem, wo es gerade gesprochen wird. Verkauft man einem Briten etwa "Gardinen" als "curtains", so wird er einen verstehen. Manch ein US-Amerikaner zuckt aber eventuell mit den Schultern, weil "drapes" dort das geläufigere Wort für Gardinen ist. Ähnliches gilt beispielsweise für Spanisch, Portugiesisch oder auch Deutsch, das sich in der Schweiz deutlich von dem in Deutschland unterscheidet.

3. Website-Lokalisierung - Navigation und Design: Eine Website muss nicht alleine sprachlich an eine fremdsprachige Zielgruppe angepasst werden, sondern eventuell auch kulturell. Der gesamte Vorgang nennt sich Website-Lokalisierung und betrifft beispielsweise bisweilen auch die Navigation. Nicht jeder Mensch schreibt von links nach rechts. Arabische Sprachen werden etwa von rechts nach links geschrieben. Das bedeutet auch, dass sich die Leserichtung bei den Lesern arabischer Texte verändert. Und das kann wiederum bedeuten, dass Araber beispielsweise die Menüleiste und eingebettete Bilder an anderer Stelle der Seite erwarten als Deutsche. Berücksichtigt werden muss auch die unterschiedliche Textlänge in verschiedenen Sprachen. Ein deutscher Text ist meistens kürzer als seine italienische, aber länger als seine tschechische Übersetzung, was bei starren und knapp dimensionierten Textfeldern zum Problem werden kann.

4. Website-Lokalisation - Bilder und Farben: Das Bild eines Rindersteaks mag vielen Deutschen Appetit auf Fleisch machen. In Regionen, in denen Kühe heilig sind, taugt es als Affront. Bei Frauen in weißen Kleidern denken viele Deutsche an Hochzeit. In einigen asiatischen Ländern ist cremiges Weiß dagegen eine Farbe der Trauer. Grün ist wiederum in einigen islamischen Ländern religiösen Inhalten vorbehalten. Farben und Symbole haben nicht überall dieselbe Bedeutung, was beachtet werden sollte.

5. Recht und Gesetz: Eine rechtliche Beratung ist dringend zu empfehlen, bevor man Kundenbeziehungen zu Menschen in anderen Ländern anstrebt. Internetrecht ist kompliziert und kann noch komplizierter werden, wenn man mit seinem Angebot Ländergrenzen überschreitet.

Lokale Suchmaschinen nutzen

6. Suchmaschinen: Natürlich muss man auch bei fremdsprachigen Angeboten im Internet die Marketing-Maschinerie anlaufen lassen. Suchmaschinenoptimierung und bezahlte Anzeigen in Suchmaschinen funktionieren da ganz gut. Allerdings sollte man nicht automatisch die fremdsprachige Google-Version als einzige Suchmaschine wählen, die man in sein Marketing einbindet. In den USA hat etwa Yahoo noch immer einen bedeutenden Marktanteil und in China ist Baidu nach wie vor die Nummer EINS. 

7. Fremdsprachige Suchmaschinenoptimierung: Bei der Suchmaschinenoptimierung sollte man in Deutschland gut funktionierende Keywords nicht einfach ohne eine erneute Keyword-Analyse übersetzen und verwenden. Menschen aus anderen Ländern suchen nicht zwangsläufig mit dem aus dem Deutschen übersetzten Keyword nach demselben Produkt wie Deutsche. Das Google Adwords Keyword Tool bietet die Keyword-Analyse in vielen unterschiedlichen Sprachen an. Wer seine Seiten für Nutzer von Google oder einer anderen Suchmaschine optimieren möchte, sollte für seine fremdsprachige Seite mit der Recherche passender Keywords ganz von vorne beginnen.

8. Social-Media-Marketing: Auch beim Social-Media-Marketing darf man vom durchschnittlichen Verhalten der Internetnutzer im eigenen Land nicht auf das Verhalten von Menschen aus anderen Ländern schließen. Während etwa in Deutschland laut der Studie "Wave 5 - The Socialisation of Brands - Social Media Tracker 2010" insgesamt 37,8 Prozent der Befragten in den letzten sechs Monaten ein Social-Media-Profil gepflegt haben, waren es in Italien bereits 53,9 Prozent und in Russland gar 79,3 Prozent. Social-Media-Marketing kann in anderen Ländern also noch größere Erfolgschancen haben als in Deutschland. Aber: Auch auf die Auswahl der richtigen Plattform kommt es an. Nicht überall auf der Welt nutzen Menschen im Internet vor allem Facebook, um soziale Kontakte zu pflegen.

9. Mobile Internetnutzung: Chinesen gehen beispielsweise viel öfter als etwa Deutsche mobil über Smartphones ins Internet. Das hierzulande aufkeimende Mobile Marketing hat dort also noch viel mehr Wert und Internetunternehmer sollten für die mobile Internetnutzung optimierte Inhalte anbieten.

10. Tabus: Der Streit um die Mohammed-Karikaturen in Dänemark hat gezeigt: In unterschiedlichen Kulturen herrschen sehr unterschiedliche Tabus. Das muss sicherlich nicht zwangsläufig bedeuten, dass man etwa als Künstler alle Tabus ausnahmslos respektiert. Als Unternehmer jedoch, der Geschäftsbeziehungen mit Menschen aus einem Kulturkreis plant, ist es wichtig, sich der Tabus im Land zumindest bewusst zu sein. Schließlich ist eine große Anzahl verärgerter potenzieller Kunden keine optimale Grundlage für gute Geschäfte.

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