INTERNET WORLD Business Logo Abo
Sonstiges 23.06.2008
Sonstiges 23.06.2008

Tchibo: Ärger mit Mass Customization

Credit: Kirsten Brodde

Credit: Kirsten Brodde

Manchmal kann Mass Customization eher Fluch als Segen sein. Zum Beispiel, wenn Kunden Produkte mit Sprüchen individualisieren, die sich gegen das eigene Unternehmen wenden.

"Tchibo-Shirts: Gefertigt für Hungerlöhne" und "Dieses T-Shirt hat ein Kind genäht" - T-Shirts mit diesen Aufschriften bestellte das Greenpeace-Mitglied Kirsten Brodde jüngst beim Kaffeeröster Tchibo. Denn dieser bietet seinen Kunden seit kurzem in Kooperation mit dem Social-Commerce-Vorreiter Spreadshirt an, individuelle T-Shirts für 14,90 Euro zu verkaufen. Obwohl Tchibo sich in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorbehält, die gewünschten Slogans auf seine "rechtliche und tatsächliche Durchführbarkeit, insbesondere auf einen Verstoß gegen Schutzrechte Dritter" prüfen wird, landeten die T-Shirts einige Tage später im Briefkasten von Brodde. Und die stellte sich wenig später damit vor eine Tchibo-Filiale und demonstrierte so gegen die Missstände in der Textilindustrie.

Tchibo selbst findet die Aktion wenig witzig. Nachdem der verantwortliche Manager für Unternehmensverantwortung, Achim Lohrie, auf den ersten Anruf von Kirsten Brodde und die Frage, warum Tchibo solche T-Shirts versende, noch amüsiert reagierte, hätte man jetzt die T-Shirts gerne zurück. Der Lohn: ein Päckchen fair gehandelter Kaffee. Auch die Demo vor der Hamburger Tchibo-Zentrale wurde von der Polizei nach 37 Minuten beendet. Eher hilflos zeigt sich das Unternehmen indes mit dem Umgang mit Bloggern. Während Spreadshirt, von Brodde bloßgestellt für seinen allzu arglosen Umgang mit seinen T-Shirt-Lieferanten - zumindest in einigen Blogs Kommentare veröffentlichte, wartet Kirsten Brodde auf Statements von Tchibo in ihrem Blog "Grüne Mode" noch vergeblich und witzelt dort selbst: "Willkommen in der Blogosphäre, Tchibo. Hier genießt man anfangs Welpen-Schutz. Man kann also mal probeweise einen Kommentar abschicken, Herr Lohrie."

Das könnte Sie auch interessieren