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Sonstiges 13.02.2012
Sonstiges 13.02.2012

E-Postbrief bislang kaum genutzt Post: Aufbruch ins elektronische Zeitalter stockt

Die Deutsche Post will den E-Postbrief als eine wichtige Einnahmequelle etablieren, doch auch eineinhalb Jahre nach Einführung des elektronischen Brief-Nachfolgers will kaum einer das komplizierte und teure System nutzen.

Gut eine Million Privatkunden, mehr als 100 Großkunden und rund 4.000 Mittelständler haben sich nach Angaben der Post bislang für den E-Postbrief angemeldet - trotzdem wurde das System bislang nur in homöopathischen Dosen verwendet: Seit Marktstart im Jahr 2010 seien "schon einige Millionen" Dokumente elektronisch versendet worden, sagte Jürgen Gerdes, Briefvorstand der Post, gegenüber der "Finacial Times Deutschland". Zum Vergleich: An einem einzigen Werktag befördert die Post durchschnittlich rund 66 Millionen Sendungen. Wären in dem gesamten Zeitraum nur 0,1 Prozent der Poststücke elektronisch verschickt worden, hätte die Post bereits E-Postbriefe in deutlich dreistelliger Millionenhöhe verschicken müssen. Von diesem Ziel scheint das Unternehmen weit entfernt zu sein.

Um das ambitionierte Projekt weiter voran zu bringen, soll im ersten Halbjahr 2012 eine Plattform zur leichteren Identitätsprüfung starten, im zweiten Halbjahr soll dann eine direkte Bezahlfunktion in das Portal eingebunden werden. Ab 2013 soll es möglich sein, E-Postbriefe aus Standardsoftware wie Word zu verschicken, erklärte Gerdes. Obwohl sich das Projekt langsamer entwickelt als erwartet, blieb Gerdes gegenüber der FTD zuversichtlich: "Wir sind zufrieden damit, wie wir vorankommen". Allerdings schloss der Manager nicht aus, dass das Projekt insgesamt erst nach sechs Jahren zum Abschluss gebracht werden könnte. Ursprünglich waren drei bis fünf Jahre avisiert. 

Mit dem E-Postbrief sollen elektronische Dokumente vertraulich, verbindlich und verlässlich übertragen werden. Ist der Empfänger eines E-Postbriefs nicht bei dem System angemeldet, so wird die Nachricht als hybrider E-Postbrief gedruckt und per Postbote zugestellt. Die Kosten entsprechen mit 0,55 Euro für einen Standardbrief dem Porto einer herkömmlichen Sendung. Für Unternehmen sprechen lediglich die günstigeren Handling-Kosten für das System. Der Dienst steht zudem in Konkurrenz zum staatlich geförderten De-Mail-Dienst, den etwa die Deutsche Telekom und der Internet-Provider 1&1 anbieten wollen. Die Post hat aber schon angekündigt, eine Akkreditierung als De-Mail Dienstanbieter zu beantragen. 

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