INTERNET WORLD Business Logo Abo
Wie Online Pure Player Möbel verkaufen
Sonstiges 09.12.2013
Sonstiges 09.12.2013

Der Möbelmarkt im Internet Wie Online Pure Player Möbel verkaufen

Das Zögern der traditionellen Möbelhäuser, die es lange Zeit versäumt haben, ihre Angebote auch im Internet kundenfreundlich zu präsentieren und vor allem zu verkaufen, ruft wenig überraschend neue Konkurrenten auf den Plan. Und so könnten Online Pure Player im Möbelmarkt die lachenden Dritten sein - wenn sie das Geschäft im Web beherrschen.

Alleine macht nicht genug Masse: Das registrierte offenbar Home24 und öffnete sein Online-Möbelhaus auch für Drittanbieter. Anderen Händlern ist es seit November 2013 möglich, ihre Waren auf der Plattform zu listen und über die SaaS-Lösung TB.One von Tradebyte sämtliche Datenprozesse mit der Schnittstelle zu managen. Mithilfe spezieller Tools wie Massenbearbeitung oder Kanal-Mappings können die jeweiligen Anforderungen der Plattformen an den Artikel-Content ressourcenschonend und schnell umgesetzt werden. Automatisch generierte Fehler- und Statusprotokolle bringen zudem mehr Transparenz in die Datenprozesse. Die SaaS-Lösung TB.One von Tradebyte wird derzeit von über 300 Anbietern wie Butlers, Guess oder Hallhuber eingesetzt.

Im kommenden Jahr expandiert Home 24 in die Schweiz. Außerdem erweiterte das Unternehmen von Rocket Internet sein Sortiment, das bislang in Österreich, Frankreich und den Niederlanden aktiv war, sein Angebot in Deutschland auf über 50.000 Produkte. "Die Schweiz ist ein sehr interessanter Markt mit viel Potenzial - vor allem weil das Thema Online-Möbelkauf dort noch kaum erschlossen ist", begründete Geschäftsführer Felix Jahn die Entscheidung. Möbel und Einrichtungsgegenstände werden in der Schweiz bislang vorrangig stationär eingekauft. So findet man den Großteil der Einrichtungshäuser und Abholmärkte in Industriezonen außerhalb der Zentren.

Gleichzeitig erweiterte Home24 sein Angebot in Deutschland auf über 50.000 Produkte, die kostenlos nach Hause geliefert werden. Das Unternehmen ist Deutschlands führendes Online-Möbelhaus und feierte anderthalb Jahre nach der Gründung Anfang August 2013 seinen 500.000sten Kunden.

Fab auf Wachstumskurs

Auf Wachstumskurs befindet sich auch ein E-Commerce-Unternehmen aus den USA. Fab.com will im Online-Möbelhandel so richtig durchstarten und hat dazu im Mai 2013 den deutschen Möbelhändler Massivkonzept gekauft. Damit verfügt Fab nicht nur über seinen ersten stationären Showroom in Hamburg, sondern auch über eine Eigenmarke im Portfolio sowie die Möglichkeit, Kunden unter der Marke "Fab Designed by You" (DBY) ihre Möbel - darunter Sofas, Bücherregale und Tische - nach individuellen Wünschen designen zu lassen. Ziel der Möbel-Offensive sei es, den Anteil der Kunden, die bei Fab Möbel online bestellen, deutlich zu steigern. Im Frühjahr 2013 lag diese Zahl bei rund fünf Prozent - mittel- bis langfristig seien zehn, 20 und 30 Prozent vorstellbar.

Im Juni 2013 gab Fab dann den Abschluss des ersten Teils einer neuen Finanzierungsrunde (Serie D) in Höhe von 150 Millionen US-Dollar bekannt. Das Design-Shopping-Portal hat damit seit seiner Gründung im Juni 2011 inzwischen 310 Millionen US-Dollar aufgebracht. Fab will die Investorengelder unter anderem in zwei neue Warenlager, den Ausbau und die Weiterentwicklung von Mobile und Social Commerce sowie in Produkte investieren, die ausschließlich auf der Plattform erhältlich sind. "Wir haben besonders nach strategischen Partnern wie Tencent gesucht, weil wir Fab in viele neue Märkte bringen wollen", sagte Fab-Gründer Jason Goldberg.

Küchen-Spezialist unter Online-Spezialisten

Ein neuer Anbieter, der nach eigener Auskunft den "Küchenkauf verändern oder verbessern" will, ist seit Februar 2013 online: Kiveda. Der Online-Händler bietet Küchen in Standardgrößen zu Festpreisen, aber auch individuell geplante. Die nötigen Elektrogeräte sind im Preis inbegriffen. Der Aufbau vor Ort kostet 400 Euro extra. Geliefert wird in zwei bis sechs Wochen. "Die Küchen werden für unser Label in Deutschland gefertigt und können selbst aufgebaut werden", so Mitgründer Sebastian Sielmann. "Wir liefern dazu Schränke und nicht wie Ikea Bausätze."

Bei Bedarf helfen die Berliner bei der Planung: Partner vermessen die Küchen, ein Vertriebsteam, das Küchen nach speziellen Wünschen zusammenstellt, gibt es ebenfalls. Und weil Küchen eher selten gekauft werden, ein Händler aber laufend Einnahmen erzielen will, findet sich bei Kiveda noch eine Auswahl von Töpfen, Pfannen, Koch- und Essgeschirr, Besteck sowie Wohntextilien. Rund zehn Milliarden Euro geben die Deutschen pro Jahr für Küchen aus. "Das ist zwar kein Wachstumsmarkt, aber ein Teil dieses Volumens kann online erzielt werden", zeigte sich Sielmann im März 2013 überzeugt. "Auch wenn wir uns eins der komplizierteren Segmente für den Online-Handel ausgesucht haben - wir werden Marktanteile erobern."

Im Oktober 2013 verkündete der Online-Küchenhändler Kiveda, dass er im Jahr 2014 den Break-Even erreichen wolle. Aktuell verkaufe man bereits mehrere hundert Küchen pro Monat, allerdings deutlich mehr als die Hälfte davon über die bundesweit etwa 20 aktiven Kundendienst-Mitarbeiter, die vor Ort Küchen planen und dann den Vertrag abschließen. "Küchen bis 3.000 oder 4.000 Euro, die einigermaßen standardisierbar sind, kann man online verkaufen. Für alles darüber setzen wir den Kundendienst ein", so Kiveda-Chef Michael Börnicke gegenüber dem Marketing-Fachblatt "OnetoOne".

Ganz andere Probleme bei der Verzahnung von On- und Offline treiben oftmals die stationären Möbelhändler um, die ebenfalls im Internet verkaufen wollen. Doch nicht zuletzt die Konkurrenz durch Online Pure Player setzt sie unter Zugzwang, zumal von anderer Seite auch noch Handelskonzerne in den Online-Möbelmarkt drängen. Tengelmann und Rewe beispielsweise beteiligen sich deshalb an anderen Möbelhändlern, die bereits Erfahrung im Web gesammelt haben.

Das könnte Sie auch interessieren