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Young-Internet-CEO Verena Delius im Interview
Sonstiges 31.08.2011
Sonstiges 31.08.2011

Young-Internet-CEO Verena Delius im Interview "Netzwerke machen nicht vor dem Kindergarten Halt"

Vor zwei Tagen mit dem Victress Award ausgezeichnet: Delius

Vor zwei Tagen mit dem Victress Award ausgezeichnet: Delius

Young Internet zielt auf die Kleinen im Web ab: Das Unternehmen bietet mit seinen Seiten Panfu und Oloko Spielwelten für Acht- bis Zwölfjährige. internetworld.de sprach mit CEO Verena Delius über ihren Weg in die schwarzen Zahlen, virales Marketing in Kinderhand und iPad-Games für Dreijährige.

Frau Delius, im September 2010 haben Sie als CEO bei Young Internet angefangen, seit Januar 2011 ist das Unternehmen profitabel. Ist das Ihr Verdienst?

Verena Delius: Unser Fokus lag in den ersten vier Monaten darauf, dieses Ziel zu erreichen und profitabel zu werden. Dafür haben wir alle 150 Prozent gegeben. Zudem haben wir die TV-Werbeausgaben gekürzt und sind alle Posten einzeln durchgegangen, um herauszufinden, an welchen Stellen wir uns Dinge leisten, die wir uns nicht leisten dürfen. Die Antwort auf Ihre Frage lautet also: Ich habe es angestoßen, aber der Erfolg gehört dem ganzen Team.

Sie haben auch Mitarbeiter entlassen.

Delius: Stimmt, wir haben uns von acht Mitarbeitern getrennt. Dabei ging es jedoch nicht nur ums Sparen. Wenn man – wie Gründer Moritz Hohl und ich - einen Wandel plant, muss man sich fragen, wer diesen Weg mitgeht. Und wer nicht.

Was haben Sie weiter unternommen?

Delius: Wir haben eine neue Kultur der offenen Kommunikation eingeführt. Wir stellen uns vor das Team hin und sagen, wie die Lage ist – egal ob schön, schwierig oder unsicher. Unsere Mitarbeiter wissen, was Sache ist, und dass wir vom Management keinen heimlichen Plan B haben. Zudem wollte ich unsere Zielgruppe, die Kinder, mehr einbinden.

Und jetzt schleusen Sie Schulklassen durchs Büro?

Delius: Genau. Wir laden Kinder in unser Büro ein, um Produkte und Prototypen zu testen. Zusätzlich fragen wir die User online, was sie mögen und was ihnen fehlt und berücksichtigen dieses Feedback in der Produktentwicklung. Derzeit sind übrigens virtuelle Schnitzeljagden hoch im Kurs.

Young Internet hat im vergangenen Jahr vier Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, doppelt so viel wie 2009. Wie kann das gelingen?

Delius: Durch hohe Viralität, ein sehr gutes Produkt und Marketing. Wenn ich Kind bin und mir etwas gefällt, will ich, dass meine Freunde auch dabei sind. Dazu kommt, dass man auch Freunde braucht, um die Aufgaben in unseren Spielen zu lösen.

Derzeit stammen 80 Prozent der Einnahmen aus den Abos, 20 Prozent aus Werbung. Soll das Verhältnis so bleiben?

Delius: Der Anteil der Werbung soll weniger werden – und die Werbung auf Seiten von Young Internet soll spielerisch sein. Wenn Kung Fu Panda läuft, zeigen wir nicht nur den Trailer, sondern die Pandas auf unserer Seite beherrschen dann auch Kung-Fu.

Mobile Spiele sind die Zukunft

Welche Marketingaktivitäten machen Sie selbst? Und wie viel geben Sie dafür aus?

Delius: Wir werben mit TV-Spots auf Kindersendern, betreiben SEM, SEO, Displaywerbung und Affiliatemarketing und sind über Kooperationen in den großen Spieleportalen vertreten. Unser Marketingbudget orientiert sich am Umsatz und beträgt rund 40 Prozent.

Im September veröffentlichen Sie die erste iPad-App für Drei- bis Sechsjährige. Welcher Dreijährige hat ein iPad?

Delius: Keiner, aber die Eltern haben eins – und die Kinder Zugang dazu, das zeigen unsere Studien. Das iPad ist ein Familiengerät. Statt ein Kind vor dem Fernseher zu parken, sitzt ein Elternteil mit dem Kind auf dem Sofa und schafft ein vielleicht fünfminütiges, abgeschlossenes Interneterlebnis. Sie glauben nicht, wie stolz die Eltern sind, wenn die Kinder mit dem iPad umgehen können.

Wie sieht Ihre Strategie für die weitere Zukunft aus?

Delius: Unsere Strategie beruht auf drei Säulen: Mobile, der Konzentration auf junge Nutzer und Social. Zu unseren Spielen sollen die Kinder Zugang haben, egal wo sie gerade sind – im Auto, beim Arzt oder auf dem Sofa. Betriebswirtschaftlich ist es unser Ziel, in drei Jahren 35 Prozent unseres Umsatzes mobil zu erwirtschaften.

Unser Hauptaugenmerk legen wir künftig auf die Zielgruppe der Drei- bis Zwölfjährigen, denn wenn die Kinder älter werden, verlieren wir sie an Facebook und andere soziale Netzwerke. Bei uns erwerben sie zuvor in geschützten Bereichen die nötige Internetkompetenz dafür.

Für Anfang 2012 haben Sie eine Onlinewelt für die Kleinen bis acht Jahre angekündigt.

Delius: Ja, denn die sozialen Netzwerke machen nicht vor dem Kindergarten Halt. Schon ganz Kleine wollen online Memory oder Puzzle mit ihren Freunden spielen. Deswegen ist Social der dritte Punkt unserer Strategie: Egal, welches Spiel ein User auf welchem Endgerät spielt – bei Young Internet findet er sichere, kindgerechte Inhalte und hat seine Freunde immer dabei. Und wenn er aus einem Spiel oder einer Welt herauswächst, nimmt er sie in die nächste mit.

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