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Krise? Strukturwandel!
Sonstiges 16.06.2009
Sonstiges 16.06.2009

Krise? Strukturwandel!

Auf dem Podium: Dirk Ippen, Hans Werner Kilz, Markus Peichl und Wolfgang Blau (von links, Foto: news aktuell)

Auf dem Podium: Dirk Ippen, Hans Werner Kilz, Markus Peichl und Wolfgang Blau (von links, Foto: news aktuell)

Die Printmedien sind von zwei Seiten unter Druck: Einerseits durch sinkende Werbeerlöse, andererseits durch die Informationsvielfalt im Internet. Die Medienkrise war das Thema des media coffee, den news aktuell am Montagabend in München veranstaltet hat.

„Das ist keine Krise, denn Krise heißt, dass es wieder besser wird - und daran glaube ich nicht", sagte Dirk Ippen, Verleger des Münchener Zeitungs-Verlags. "Es ist eine Entwicklung, dass der Anzeigenmarkt bei den Zeitungen wegbricht. Stellen, Autos, Immobilien sind online viel einfacher zu finden als in den Printmedien."

Das trifft selbst für die überregionale Presse zu: "Die Vertriebserlöse durch den Zeitungsverkauf werden in diesem Jahr erstmals höher sein als die Anzeigenerlöse", sagt Hans Werner Kilz, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung. Eine bedenkliche Verteilung, vor allem wenn man die demografische Entwicklung berücksichtigt: Während 70 Prozent der über 60-Jährigen der Meinung sind, man sollte regelmäßig eine Tageszeitung lesen, glauben dies dem BDZV zufolge nur 29 Prozent der 14- bis 29-Jährigen.

Das bleibt nicht ohne Folgen: "Die Leute werden künftig für Qualitätsjournalismus mehr Geld bezahlen müssen", so Kilz, „da kann es passieren, dass auch die Süddeutsche ihre Auflage nicht halten kann." Print sei dennoch kein Auslaufmodell. „Im Moment subventioniert Print den Internetauftritt - und wie online mit Journalismus Geld verdient werden soll, ist mir nicht klar."

Der Einbruch des Anzeigengeschäfts sei dramatisch, bestätigt Markus Peichl, Vorsitzender der Lead Academy und selbst Verleger des Magazins Liebling. „Das hat drei Gründe: Die strukturelle Verlagerung von Print nach online, die Wirtschaftskrise und hauseigene Probleme, die jahrelang ignoriert wurden." Dazu zählten vor allem die Beliebigkeit der Medien sowie die Austauschbarkeit der Inhalte.

„Das Konzept der Tageszeitung stammt aus dem Industriezeitalter: ein Produkt für alle", sagt Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit.de und Tagesspiegel.de. Dieser Ansatz sei nicht mehr zeitgemäß. „Diese Krise ist vielleicht hilfreich, weil sie einen längst überfälligen Prozess beschleunigt."

Wie sieht die Zukunft aus? „Wir stehen im Sturm", sagt Ippen, „und im Sturm ist es immer schwierig zu sehen, was Gutes daraus werden kann. Das Gutenbergzeitalter ist vorbei, aber das Neue muss nicht schlechter sein."

Weiter zum zweiten Teil: "Journalismus kann im Netz noch besser werden."

Internet bietet neue Chancen für den Journalismus

Klar ist: Die Verschiebung des Gewichts von den Print- zu den Onlinemedien hat zu einer Aufwertung des Internetjournalismus geführt: „In den Anfängen haben wir die schlechtesten Leute in die Onlineredaktion geschickt, heute gehen die besten dorthin", sagte Ippen. Das Internet biete viele Chancen für Journalisten - ein guter Artikel könne überall auf der Welt gelesen werden.

„Der Journalismus kann im Netz noch besser werden", glaubt Blau. Dass Print besser für Hintergründe geeignet sei, sei ein Mythos. „Es gibt keinen Inhalt, den das Internet nicht besser darstellen kann." Wenn Onlinemedien weniger gute Qualität lieferten als die gedruckte Presse, dann nur deshalb, weil ihre Redaktionen personell weniger gut ausgestattet seien.

Ungeklärt blieb am Montagabend die Frage, wie Onlinemedien mit ihren Inhalten Gewinne erwirtschaften können. Eine Möglichkeit sei die Kombination von frei verfügbarem und kostenpflichtigem Content, so Ippen: "Die Lösung liegt für mich darin, so interessante Inhalte online zu bieten, dass ein Teil davon bezahlt wird. Das kann ich mir zum Beispiel für Informationen über den Münchner Immobilienmarkt vorstellen."

Auch Blau glaubt daran, dass Internetnutzer grundsätzlich für journalistische Inhalte Geld ausgeben würden - aber nicht für Content, wie er derzeit im Netz veröffentlicht wird. „Die Inhalte, für die die User zu zahlen bereit sind, müssen wir noch entwickeln."

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