INTERNET WORLD Business Logo Abo
99designs Expansionsstrategie
Sonstiges 17.08.2012
Sonstiges 17.08.2012

99designs Expansionsstrategie Die Kreativität der Masse

Der Grafik-Design Marktplatz 99designs vermittelt Designer und Aufraggeber nach dem Crowd-Sourcing-Prinzip. Mit der Übernahme des deutschen Designmarkplatzes 12designer will das Unternehmen von Deutschland aus seine internationale Expansion vorantreiben.  

Das Prinzip von 99designs funktioniert so: Auftraggeber initiieren einen Design-Wettbewerb, legen den Preis fest und lassen sich dann Vorschläge, zum Beispiel für ein Unternehmens-Logo, von Grafikdesignern aus der ganzen Welt zuschicken. Im Durchschnitt erhält ein Kunde laut 99designs zwölf verschiedene Designvorschläge pro Ausschreibung, wobei inzwischen alle fünf Sekunden ein neues Design hochgeladen werde. 

Gegründet wurde der Grafikdesign-Marktplatz, der inzwischen über 174.00 Grafik-Designer mit mehr als 100.000 Kunden verbindet, 2008 in Melbourne. Das Geschäftsmodell habe sich selbst erschaffen: Die Community sei aus dem Lernportal SitePoint entstanden, das Tipps zu Websites- oder Games-Programmierung gibt, erklärt Patrick Llewellyn, CEO von 99designs: "In einem Forum spielten Designer 'Photoshop Tennis' - sie forderten sich gegenseitig heraus, die besten Designs abzuliefern. Als das Spiel mit finanziellen Anreizen ausgestattet wurde, war die Idee für 99designs geboren".

Zunächst konzentrierte sich die Community, die ihren Hauptsitz in San Francisco hat, auf Australien und die USA. Im August diesen Jahres holte das Unternehmen jedoch zu einer internationalen Expansion aus. Nachdem es eine Kapitalspritze von 35 Millionen US-Dollar vom Wagnisfinanzierer Accel Partners erhalten hat, übernahm 99designs den 2008 in Berlin gegründeten Kreativ-Marktplatzes 12designer. Deutschland sei der wichtigste nicht-englischsprachige und am schnellsten wachsende Markt für das Portal. Mit Hilfe von 12designer - das Portal ist in fünf europäischen Sprachen verfügbar - will 99designs den europäischen Kunden ein Angebot in ihrer Landessprache bieten. Eva Missling, Gründerin und Geschäftsführerin von 12designer, leitet zugleich die Europageschäfte von 99designs. 

Jeder kann mitmachen, egal ob Profi oder Amateur

Der Marktplatz ist eine offene Plattform, bei der jeder mitmachen kann, egal ob er ein Profi oder Amateur ist. Das sei beispielsweise auch für Studenten interessant, "die ihre Fähigkeiten verbessern wollen oder auch für junge Freelancer, die sich erst einen Namen verschaffen müssen", meint Llewellyn. Doch die eigentlichen Gewinner dürften die Unternehmen sein, die gleich ein ganzes Dutzend an Entwürfen und Ideen präsentiert bekommen, ohne dafür extra bezahlen zu müssen. Die Designer hingegen investieren unter Umständen eine Menge Zeit und Arbeit, ohne dass sich ein Auftrag für sie ergibt. Ein Designer habe sogar an die 1.000 Entwürfe produziert, bis er einen Auftrag gewann. Amateure können auf diese Weise sicher einiges lernen, für Profis kann die umsonst investierte Zeit durchaus frustrierend sein. 

"Die fehlende Honorierung für eingereichte Pitch-Entwürfe ist zu einem ernsthaften Problem geworden", schreibt Yvonne Ortmann auf dem Branchenportal T3N über die Veränderung der Kreativbranche durch Design-Crowdsourcing. Während selbständige Kreativberufler noch vor zehn Jahren üblicherweise mit zwei oder drei Mitbewerbern um einen Auftrag konkurriert hätten, seien es heute häufig zehn oder mehr. Die Folge davon sei nicht nur "verbranntes Geld", sondern auch "verbrannte Motivation, da der kreative Einsatz dem Auftraggeber nicht einmal eine Aufwandsentschädigung wert ist".

Llewellyn sieht das für seine Plattform freilich anders: "Auftraggeber und Designer kommunizieren in Echtzeit miteinander. Auf diese Weise werden Ideen gemeinschaftlich entwickelt. So können Designer vorher testen, ob ihr Desingansatz gefragt ist und es den Wünschen anpassen, bevor sie mehr Zeit in ihren Entwurf investieren." Mit einer Abstimmungs-App können Designer ihre Ideen auf Twitter und Facebook teilen und von anderen kommentieren lassen. So sollen sie erfahren, wie gut ihre Entwürfe bei anderen ankommen.

Das könnte Sie auch interessieren