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MySpace-Präsident Mike Jones im Interview
Sonstiges 27.05.2010
Sonstiges 27.05.2010

MySpace-Präsident Mike Jones im Interview "Gewinn und Verlust sind nicht unsere Probleme"

Leitet MySpace gemeinsam mit Jason Hirschhorn: Präsident Mike Jones

Leitet MySpace gemeinsam mit Jason Hirschhorn: Präsident Mike Jones

Während Facebooks Wachstum ungebrochen ist, will sich Konkurrent MySpace neu erfinden. internetworld.de sprach mit Präsident Mike Jones über Entdeckungen, das Anzeigengeschäft und die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen.

Es gibt Gerüchte, dass MySpace zehn Millionen US-Dollar im Monat verbrennt. Diese Zahl kommt mir sehr hoch vor.

Mike Jones: Diese Zahl dementieren wir. Wir geben keine Details zu unseren Finanzen bekannt, aber wir verlieren mit Sicherheit keine zehn Millionen US-Dollar im Monat.

Dennoch ist MySpace weit entfernt davon, Gewinn zu erwirtschaften.

Jones: Das würde ich so nicht sagen. Allerdings sind Gewinn und Verlust derzeit nicht unsere größten Herausforderungen.

Was sind denn MySpaces größte Herausforderungen?

Jones: Wir müssen unser Produkt neu erfinden. Im Herbst/Winter dieses Jahres planen wir eine umfangreiche Neupositionierung - und die müssen wir hinbekommen.

Was ist das Ziel des Relaunches?

Jones: Wir richten MySpace konsequent auf Entdecken aus. Die Nutzer sollen bei uns neue Freunde entdecken, neue Musik, neue Filme und neue Games. Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass MySpace eine Plattform sein soll, die es Bands, Künstlern und Marken ermöglicht, entdeckt zu werden.

Wendet MySpace sich damit in erster Linie an Künstler?

Jones: Nicht nur an Künstler, sondern an Kreative. Unser Ziel ist es nicht, Beziehungen aus der realen Welt abbilden, damit die Nutzer mit ihrer Mama Fotos teilen können. Bei MySpace sollen die Mitglieder coole neue Dinge finden, und sich selbst inszenieren können.

Sie spielen auf Facebook an. Mark Zuckerbergs Netzwerk gewinnt jedoch ständig neue Nutzer hinzu, während MySpace Mitglieder verliert.

Jones: Wir haben derzeit rund 120 Millionen User weltweit, im Vorjahr waren es 129 Millionen. Das ist kein großer Unterschied. In den USA ist unsere Nutzerzahl gerade wieder gestiegen und wir sind die neuntgrößte Seite im Netz. Zudem wollen wir gar nicht jeden Internetnutzer erreichen, sondern konzentrieren uns auf die 14- bis 29-Jährigen.

Deutschland ist ein wichtiger Markt

Warum gerade auf diese Zielgruppe?

Jones: Zu dieser Altersgruppe passt unser Konzept am besten, sie interessiert sich sehr für Musik und Filme.

Auch wenn Gewinn nicht zu ihren Prioritäten zählt: Wie sieht es mit der Monetarisierung aus?

Jones: Unser Anzeigengeschäft ist gesund. Viele große Unternehmen nutzen MySpace für Markenkampagnen.

Weltweit sind Facebook-Mitglieder knapp sechs Stunden im Monat im Netzwerk aktiv, die MySpace-User jedoch nur eine Stunde.

Jones: Mit einer Nutzungsdauer von einer Stunde im Monat bin ich natürlich nicht zufrieden. Die Zeitspanne ist höher, wenn die Nutzer bei uns eingeloggt sind, als wenn sie über die Suche auf unsere Seite kommen. Deshalb testen wir viele Möglichkeiten, um Nutzer zum Log-in zu bewegen.

Im vergangenen Jahr waren 14,9 Prozent der deutschen Internetnutzer bei MySpace aktiv, in diesem Jahr waren es nur 10,9 Prozent. Wie wichtig ist Deutschland als Markt für sie?

Jones: Deutschland ist nach den USA einer der wichtigsten Märkte für MySpace. Wir haben in der letzten Agof-Welle studiVZ überholt und haben hier ein tolles Team.

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