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Benjamin Barokas im Interview
Sonstiges 05.04.2011
Sonstiges 05.04.2011

Benjamin Barokas im Interview "Der deutsche Markt ist sehr offen"

Sieht sich als Partner für Top-Webseiten: Barokas

Sieht sich als Partner für Top-Webseiten: Barokas

Benjamin Barokas referiert heute auf dem dmexco Night Talk in München zum Thema Real-Time-Bidding. internetworld.de sprach mit dem Admeld-Gründer über das rasante Wachstum des deutschen Markts, Abrechnungsmodelle und wie die Technologie das Kräfteverhältnis zwischen Publishern und Agenturen verändert.

Real-Time-Bidding ist eine sehr neue Technologie. Wie beurteilen Sie den deutschen Markt?

Benjamin Barokas: Der deutsche Markt entwickelt sich rasant - schneller sogar als der US-amerikanische. Die Budgets verdoppeln sich von Monat zu Monat.

Liegt der Grund für das hohe Tempo darin, dass der deutsche Markt hinter anderen her hinkt?

Barokas: So würde ich das nicht sagen. Der deutsche Markt ist anders, das liegt auch an der eingeschränkten Verfügbarkeit von Daten. Aber auch da tut sich derzeit einiges. Ich kann Ihnen versichern, dass der deutsche Markt sehr offen für die Effektivität unserer Technologie ist.

Admeld hat es sich auf die Fahnen geschrieben, den Publishern mehr Macht zu geben.

Barokas: Wir helfen Publishern, indem wir ihr Inventar mit dem Blick eines Werbetreibenden beurteilen. Dafür gibt es drei wichtige Kriterien: Zielgruppe, Kontext und die Übereinstimmungen zwischen der Marke der Webseite und der des Werbetreibenden. Wenn diese drei Faktoren zusammenpassen, entsteht ein Wert. Und diesen zeigen wir den Webseitenbetreibern auf.

Ändert sich dadurch das Kräfteverhältnis zwischen Publishern und Agenturen?

Barokas: Auf jeden Fall. Mit unserer Technologie stellen die Publisher selbst die Regeln auf, unter denen sie eine Werbekampagne annehmen. Wenn die Bedingungen den Agenturen nicht gefallen, können deren Mitarbeiter immer noch zum Telefonhörer greifen und im direkten Gespräch nachverhandeln.

Ich kann mir vorstellen, dass Ihr Verhältnis zu Mediaagenturen etwas gespannt ist?

Barokas: Nein, denn auch die Mitarbeiter in Agenturen arbeiten lieber mit effektiver Technik als mit Excel-Listen. Und unsere Technologie kostet sie nichts. Sie freuen sich, dass wir sie weiterbilden.

Auf welcher Basis rechnen Sie mit den Publishern ab?

Barokas: Da gibt es zwei Modelle: Die Publisher bezahlen unseren Software-as-a-Service entweder pro ausgelieferter Ad Impression oder über eine Umsatzbeteiligung.

Gibt es einen Mindestumsatz?

Barokas: Ab einem monatlichen Umsatz zwischen 5.000 und 10.000 Euro schauen wir uns die Webseiten an und entscheiden nach qualitativen Gesichtspunkten, ob ein Kunde für uns interessant ist. Wir sehen uns allerdings nicht als Partner für den Longtail, sondern für Top-Webseiten ab einem monatlichen Umsatz von 50.000 Euro.

Wie viele Kunden haben Sie in Deutschland derzeit?

Barokas: Unsere Technologie ist in Deutschland auf knapp 200 Webseiten im Einsatz.

Momentan ist die Anbieterlandschaft im Bereich Real-Time-Bidding sehr unübersichtlich. Wie wird der Markt in zwei Jahren aussehen?

Barokas: Der Umsatz wird sich verfünf- bis verzehnfachen, wir werden mehr Daten nutzen können als heute und es wird Cross-Media-Kampagnen für die Bereiche Mobile. Display und Video geben.

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