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Was die Konkuurenz über Google Shopping sagt
Sonstiges 05.01.2013
Sonstiges 05.01.2013

Was die Konkurrenz über Google Shopping sagt "Akzeptanz hängt vom Preis ab"

Welche Auswirkungen hat die Umstellung von Google Shopping auf andere Preissuchmaschinen? INTERNET WORLD Business hat Vera Pesata, Leiterin Marketing und Sales bei Geizhals.de in Wien, zu diesem Thema befragt.

Wenn Google im Februar seine bisherige Produktsuche durch „Google Shopping“ ersetzt, ist auch ein Qualitätsschub bei den Suchergebnissen zu erwarten. Wie positioniert man sich als Preisvergleichsdienst angesichts dieser drohenden Konkurrenz?

Vera Pesata: Würde Google Shopping tatsächlich hochwertigen Content anbieten, würde Google für uns zu einer mächtigen Konkurrenz. Doch das ist nicht der Fall: Der Content von Google ist nicht sehr ausgearbeitet. Es werden zumindest in der deutschsprachigen Suche bislang nur wenige Produkteigenschaften gelistet, was bei hochpreisigen Produkten wie zum Beispiel Spiegelreflexkameras aber sehr relevant ist. Entsprechend gibt es keine Filter. Das ist der Vorteil, den wir und auch andere Preisvergleichsdienste gegenüber Google haben, weil bei uns menschliche Intelligenz dahintersteht – und Google nur mit Algorithmen arbeitet.

Bei Produktsuche und Preisvergleich führt aber kaum ein Weg an Google vorbei. Inwieweit braucht man noch Preisvergleichsdienste, wenn Google Shopping immer näher an Ihr Geschäftsmodell heranrückt?

Pesata: „Wir haben uns auf den IT-Bereich spezialisiert, sodass wir hier sehr guten Content liefern können. Google dagegen wird einen sehr breit angelegten Preisvergleich bieten und daher nie die Inhaltstiefe erreichen, die wir als Spezialisten bieten können. Tief in ein Segment einzutauchen und sich dort zu spezialisieren, wird auch in Zukunft ein wesentliches Erfolgskonzept für die Preisvergleichsdienste bleiben.“

Die Ankündigung, Google Shopping kostenpflichtig zu machen, hatte in der Branche viel Staub aufgewirbelt. Tenor: Insbesondere größere Shops werden profitieren, kleinere Shops müssen kämpfen. Wie schätzen Sie das ein?

Pesata: Welche Auswirkungen die Neuerungen für Shops haben, ist noch nicht absehbar. Interessanterweise ist noch nichts über den Cost-per-Click bekannt. Doch genau davon wird es abhängen, wie hoch die Akzeptanz bei den Shops sein wird. Außerdem sind ja viele Anbieter dabei, auch aus Übersee, die falsche Daten liefern. Diese Anbieter wollen sich mit Preisen, die sie de facto gar nicht haben, an die erste Stelle der Suchergebnisse setzen. Der User kann dann nur auf eigene Gefahr bestellen. Viele unserer Händler fühlen sich in einem solchen Umfeld nicht wohl. Zentrale Frage wird sein, ob Google dieses Problem in den Griff bekommt, also so etwas wie eine redaktionelle Kontrolle einführt.“

Was geben Sie einem Internet-Händler an Argumenten in die Hand, sich künftig bei Geizhals.de listen zu lassen und nicht bei Google Shopping?

Pesata: Die meisten mittleren und größeren Händler können genau tracken, was ihnen ein Lead von Geizhals.de oder von Google bringt. Viele Händler haben bis dato den Traffic von Google nicht getrackt, weil er gratis war. Das werden sie in Zukunft tun, was wir ihnen auch raten: Sie sollten sich genau anschauen, wie hoch ihr Cost-per-Order ist, um zu entscheiden, wo sie in Zukunft Geld ausgeben wollen, um sich listen zu lassen.

Es gibt viele Händler, die bei verschiedenen Preisvergleichsportalen gelistet sind. Mit Google könnte ich aber sozusagen in einem Aufwasch fast die ganze Bandbreite durch einen Anbieter abdecken, oder?

Pesata: Wir haben niemals auf SEO gesetzt und entsprechend sehr geringen Traffic von Google, um die eigene Marke aufzubauen, weil man nie weiß, welche Konsequenzen es für einen hat, wenn Google wieder seine Algorithmen ändert. Entsprechend haben wir einen Anteil von 70 bis 80 Prozent an Nutzern, die Geizhals. de direkt aufrufen („Direct Type-ins“) und nicht über Suchmaschinen kommen. Und diese treuen Stammnutzer werden auch weiterhin direkt über uns nach Produkten suchen. Gerade für Händler aus unserem Kernsegment wäre es ungünstig, diese sehr affinen Nutzer nicht mehr weiter zu bedienen.

Google Shopping wird aber nicht nur für Preisvergleiche eine große Konkurrenz, sondern auch für Paypal und eBay: Weil Google versuchen wird, Nutzer via Smartphones dazu zu bringen, in Geschäften Barcodes zu scannen und Preise lokal zu vergleichen, um Location-Based Services und das eigene Bezahlsystem zu pushen.

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