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Sonstiges 14.06.2016
Sonstiges 14.06.2016

Expert Insights Warum die Prophezeiung der "Appokalypse" verfrüht ist

Chatbots sollen die Macht auf den Smartphones übernehmen. Doch so einfach werden sich die Nutzer nicht von der antrainierten App-Steuerung trennen. Und dafür gibt es gute Gründe.

Die Warnungen vom "Ende der Apps" nehmen zu. Microsoft-CEO Satya Nadella bezeichnet Bots als die neuen Apps. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg will mit Bots den Anwendungen an den Kragen. Gemeint sind Chat-Programme, die mit Menschen kommunizieren und für sie Aufgaben erledigen. Die Bots durchsuchen Anwendungen und liefern die Ergebnisse auf übergeordnete Messaging-Plattformen. Einzelne Apps werden so nicht mehr direkt genutzt, der Traffic geht zurück und die Bedeutung sinkt - so das Endzeitszenario. Für die Prophezeiung der "Appokalypse" ist es aber noch viel zu früh.

Was jetzt für Aufregung sorgt, ist eigentlich gar nicht so neu. Chatbots gibt es in vereinfachter Form seit längerer Zeit. Dabei funktioniert die Eingabe per Stimme bei Siri, Cortana und Co mittlerweile ganz passabel. Dass sich die Dienste künftig weiterentwickeln, liegt auf der Hand. Ebenso, dass sich dabei das Geschäft mit den Smartphones sowie die App-Economy verändert. Entscheidend aber dabei ist, ob die Stimmeingabe überhaupt in den Use Case der einzelnen Anwendungen passt. Vieles spricht dafür, dass Menschen weiterhin die nächsten Jahre mehrheitlich Apps benutzen werden.

Nutzer sind auf die App-Verwendung trainiert

Zunächst einmal sind die Nutzer es gewohnt, über die Icons das Smartphone zu steuern. Ihre Mobilgeräte sind auf die Nutzung von Apps ausgerichtet: Apple hat sie mit iOS und Google mit Android lange darauf trainiert. Auch die Kacheln bei Microsoft verfolgten diese "App-Sicht". So schnell werden die Konsumenten nicht wieder auf dieses gelernte Konzept verzichten wollen. Man führe sich nur mal den Widerstand bei Relaunches von Websites oder der Einführung von neuen Windows-Versionen vor Augen. Starke Gründe dafür, dass das Geschäft in den Apps bleibt.  

In vielen Situationen wollen die Nutzer auch keine Spracheingabe: etwa in einem vollen Zug, bei einem lauten Konzert oder in einem Restaurant. Durch die Spracheingabe geht vielfach jegliche Distanz und Privatsphäre verloren. Würden beispielsweise Eltern wollen, dass auf einer mehrstündigen Fahrt die Kinder auf dem Rücksitz mit den Sprachassistenten diskutieren? Zudem ist fraglich, ob Nutzer und App-Betreiber einem übergeordneten Sprachdienst einen generellen Zugriff erlauben wollen und können - Stichwort Datenschutz.

App-Inhalte lassen sich nicht einfach auf andere Plattformen exportieren

Zudem spricht die Usability für den Gebrauch der Anwendungen. Betreiber investieren viel Zeit und Geld, um Inhalte wie Artikel oder Suchergebnisse optimal, schnell und sicher darzustellen. Die Inhalte lassen sich nicht einfach auf andere Plattformen exportieren. Deshalb werden Nutzer weiterhin Spezial-Apps bevorzugen, um Hotels zu vergleichen, den künftigen Lebenspartner zu finden oder zu kommunizieren.

Chatbots werden dabei helfen, diese Apps direkter zu nutzen. Sie werden die Anwendungen stärken, die für User einen echten Nutzwert bieten. Wenn die Branche also über das Ende der Apps diskutiert, geht es vor allem um das Ende von nicht-relevanten Anwendungen. Von einer endzeitlichen Appokalypse kann aktuell keinerlei Rede sein.

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