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Internet Corporation for Assigned Names and Numbers
Sonstiges 13.04.2012
Sonstiges 13.04.2012

Bewerbungsfrist für New TLDs verlängert

ICANN bricht unter Bewerbungs-Ansturm zusammen

Aufgrund technischer Probleme hat die Internet-Koordinierungsstelle ICANN die Bewerbungsfrist für neue Top Level Domains (New TLD) um eine Woche bis zum 20. April 2012 verlängert. Offenbar war die IT-Infrastruktur der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers unter dem Ansturm der Bewerber zusammengebrochen. Angesichts der hohen technischen Standards, die die ICANN von jedem Bewerber verlangt, ist dies eine herbe Schlappe für die bisweilen etwas selbstherrlich auftretende "Internet-Behörde" - die dennoch nicht unerwartet kam.

Die Chance sollte einmalig sein - und sie sollte genau drei Monate dauern: Vom 12. Januar bis zum 12. April 2012 konnten Bewerber erstmals in der Geschichte der ICANN offiziell Anträge auf die Einrichtung einer eigenen Top Level Domain einreichen. Im Vorfeld der Bewerbungsfrist waren Experten davon ausgegangen, dass der Domain-Namensraum so um bis zu 500 neue TLDs erweitert werden könnte. Die Nachfrage nach neuen Domains hat offensichtlich alle Erwartungen übertroffen: Insider sprechen von mehr als 2.000 Bewerbern, die Domains wie .berlin, .apple oder .shop betreiben wollen. Diese Flut brachte die ICANN-Infrastruktur zu Fall: Bereits vor Ablauf der Bewerbungsfrist am gestrigen Donnerstag war das entscheidende Online-Portal über Stunden nicht mehr erreichbar.

Für Domain-Expertin Jennie-Marie Idler-Larsen kam der Zusammenbruch des ICANN-Systems nicht überraschend: "In der Branche kennt man so was bereits. Es ist nicht das erste Mal, dass die ICANN-Infrastruktur im entscheidenden Moment zusammengebrochen ist. Schon vorher war das Online-Portal unglaublich langsam - der Upload eines Dokuments dauerte bis zu drei Minuten, und im Rahmen der Registrierung muss jeder Bewerber mehrere hundert Dokumente hochladen. Offenbar hatte ICANN nicht berücksichtigt, dass viele Bewerber erst im letzten Moment ihre Unterlagen einreichen."  

In einer Presserklärung hatte die ICANN die technische Panne eingeräumt und erklärt, es seien keine bereits hochgeladenen Dokumente verloren gegangen. Die Frist für die Einreichung der Bewerbung wurde um eine Woche bis zum 20. April verlängert. Domain-Expertin Idler-Larsen, die bereits die Einführung von .biz und .info erlebt hat, hält diese Verlängerung für unfair. "Viele Bewerber haben extrem viel Mühe und Zeit darauf verwendet, ihre Hausaufgaben rechtzeitig zu machen und ihre Unterlagen frühzeitig einzureichen. Eine Verlängerung um eine Woche bevorzugt die Kandidaten, die dies eben nicht getan haben."

Die ICANN fordert von den Bewerbern für eine neue TLD einiges: Neben einer Bearbeitungsgebühr im fünftstelligen Dollar-Bereich müssen sie auch den Nachweis erbringen, dass sie technisch dazu in der Lage sind, einen Adressraum mit mehreren hunderttausend Domains zu verwalten. Und ein Unternehmen, das solche Anforderungen stellt, schafft es nicht, 2.000 Bewerbungen fristgerecht entgegenzunehmen? Idler-Larsen nimmt es gefasst: "Wir haben nichts anderes erwartet. Die ICANN ist technisch nicht besonders gut aufgestellt."  

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