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Puzzle im Sonnenuntergang
Sonstiges 16.10.2016
Sonstiges 16.10.2016

Sponsored Post Wenn Traditionsunternehmen Technologie-Know-How zukaufen

Klassische Traditionsunternehmen erkennen immer mehr: Der digitale Wandel ist nur durch Zukäufe zu stemmen. Der M&A-Markt boomt. Doch die Suche nach dem richtigen Partner erfordert Know-How und Kreativität.

Heidelberg kauft Docufy, Ikea kauft Task Rabbit, Hoffmann Group kauft Contorion - die Zahl der Mergers & Acquisitions im Tech-Bereich nimmt kontinuierlich zu. Miro Parizek, Gründer der M&A-Beratung Hampleton, beobachtet den Markt genau und hat erkannt: Gerade im Bereich der Käufer gibt es immense Verschiebungen.

INTERNET WORLD Business: Herr Parizek, es brummt im M&A-Segment. Wer sind denn die Käufer?

Miro Parizek: Viele der Aktivitäten im Tech-M&A wird natürlich von Technologiefirmen vorangetrieben, die so eine marktführende Position behaupten oder erlangen wollen. Allerdings zeigt sich immer mehr, dass ältere und traditionelle Industrieteilnehmer Technologie-Know-How zukaufen.

Schauen Sie allein auf die M&A-Schlagzeilen im Sommer: Der Druckmaschinenhersteller Heidelberg hat sich die Software-Firma Docufy geschnappt, der Maschinenbauer Voith kauft sich die Digitalagentur Ray Sono, Mercedes sichert sich Cinteo und der Werkzeughersteller Hoffmann Group übernimmt den Online-B2B-Marktplatz Contorion. Die Digitalisierung fordert Traditionsunternehmen aller Wirtschaftszweige heraus. Klassische Händler müssen sich mit Click & Collect auseinandersetzen, Hersteller von Produkten müssen diese um digitale Services erweitern oder ganz digitalisieren.

Nehmen Sie Osram als Beispiel, die jetzt immer stärker zum Smart-Home-Anbieter werden. Oder Gardena, der Rasenmähroboter baut. Das Internet ist da, die Technologie ist da, die Chips sind billig. Doch sich aus eigener Kraft zu disrupten, ist nicht einfach. Den Firmen fehlen die Ressourcen und die Technologie. Warum hat die Deutsche Bahn es zugelassen, dass neben ihr Flixbus entsteht und sich nicht sofort beteiligt? Jetzt scheint der Zug abgefahren. Andere Unternehmen wie Nokia sind inzwischen sogar ganz vom Erdboden verschwunden.

Der Technologiemarkt ist riesig. Wie findet man denn als Käufer genau den Anbieter, der zu einem passt?

Parizek: Sie müssen den Markt ständig beobachten. Sie müssen kreativ sein und auch mal um die Ecke denken können. Und Sie brauchen ein Auswahlverfahren. Dafür sind externe Berater durchaus hilfreich, weil sie den nötigen Abstand zum Unternehmen haben. Wenn Sie mitten im Alltagsstress stecken, übersehen Sie wichtige Faktoren oder bewerten den Preis über. Dabei muss ein Übernahmekandidat strategisch, persönlich und finanziell zum Käufer passen. Der Preis ist da nur einer von vielen Faktoren.

Bleiben wir trotzdem mal beim Preis. Haben denn die jungen, innovativen Technologiefirmen realistische oder überzogene Preisvorstellungen?

Parizek: Was heißt „überzogene Preisvorstellungen“? Ich bin eher ein Verfechter von freiem Markt und sage: Wenn jemand den Preis zahlt, war es ein fairer Preis. Natürlich erscheinen einem Übernahmepreise, von denen man in der Zeitung liest, oft sehr hoch, weil man von außen ja nur Kriterien wie Umsatz, Kunden oder Mitarbeiterzahl bewerten kann. Aber wenn der Käufer genug Rendite für seine Strategie oder mögliche Synergien sieht, ist der Kaufpreis nicht überzogen. Was ich als überzogen sehe, sind die Milliardenbewertungen von Startups, die erst sehr kurze Zeit auf dem Markt sind. Aber auch hier ist die Sachlage komplex: Als Facebook mit einer Bewertung von 100 Milliarden Dollar an die Börse ging, schrien die Leute: „Das ist verrückt.“

Heute weiß man: Das war weit entfernt von überzogen. Oder nehmen Sie Google. Die haben 2014 das britische AI-Startup DeepMind für 400 Millionen US-Dollar gekauft. Damals hatte DeepMind gerade einmal 50 Angestellte. Jetzt kann man fragen: Sind über zehn Millionen Dollar pro Kopf zu viel? Im Nachhinein hat sich herausgestellt: Nein! Denn durch die Übernahme konnten die Kühlungskosten in den Rechenzentren um 40 Prozent reduziert werden. Die Übernahmekosten haben sich allein dadurch in den folgenden drei Jahren amortisiert.

Wenn der Preis nicht das einzige Merkmal ist: Was führt denn zu einem erfolgreichen Abschluss?

Parizek: Es ist wichtig, vor dem Abschluss ganz genau zu besprechen, wie die gemeinsame Integrationsstrategie und die Rollen der wichtigsten Teilnehmer aussehen werden. Motivation und Zielsetzung von Käufer und Verkäufer müssen zueinander passen. Wenn beispielsweise ein klassischer Händler einen Online-Pure-Player übernimmt, müssen beide an Wettbewerbsvorteile durch diesen Zusammenschluss glauben. Das hält beide Parteien bei der Stange. Und dann wird die Übernahme auch erfolgreich.

Wie wichtig ist es denn, dass die Gründer an Bord bleiben?

Parizek: Je höher die Transaktionssumme, desto wichtiger wird es. In der Regel haben die Gründer ja eine Vision und Kenntnisse, die der Käufer bislang nicht hatte. Bei Firmen, die schon länger auf dem Markt sind, Hunderte von Mitarbeitern haben und Wartungsverträge mit 300 Kunden, ist es manchmal weniger kritisch, dass sich die Gründer noch auf Jahre ans Unternehmen binden.

Was ist Ihre wichtigste Empfehlung an potenzielle Verkäufer?

Parizek: Was ich vorhin auch schon bei den Käufern gesagt habe: Es ist wichtig kreativ zu sein und auch mal um die Ecke zu denken!

Marktübersicht: Beispiele aktueller Tech-Übernahmen durch klassische Traditionsunternehmen

Übernahmezeitpunkt

Deal

Preis / Bewertung

Juni 2016

Unilever kauft Dollar Shave Club

1 Mrd. US-Dollar / 6,6x EV/S (LCY)

August 2016

Walmart kauft Jet.com

3,3 Mrd. US-Dollar / 3,3x EV/GMV

Juni 2017

Heidelberg kauft DOCUFY

n.n.

Dezember 2016

SIGNA kauft Tennis-Point (78%)

n.n.

August 2017

Mercedes kauft Cinteo

n.n.

Juni 2017

Hoffmann Group kauft Contorion

120 Mio. Euro / -6x EV/S

September 2017

Ikea kauft Task Rabbit

n.n.

Juli 2017

Voith kauft RAy Sono

n.n.

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Medienkontakt:
Andrea Deutschmanek, Head of Marketing
andrea@hampletonpartners.com
+44 203 728 6915

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