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Asiatinnen machen ein Selfie im Museum
Sonstiges 25.09.2015
Sonstiges 25.09.2015

Digitalisierung in der Praxis Städel Museum: Selfie mit Rembrandt

Katrin Binner, Städel Museum
Katrin Binner, Städel Museum

200 Jahre jung, das Gegenteil eines typischen Profitunternehmens, quietschlebendig und durchdigitalisiert bis ins Mark(eting): das Frankfurter Städel Museum.

Von Kristina Schreiber

Räumliche Kapazitäten sind endlich. Nur ein Prozent der 110.000 Arbeiten aus 700 Jahren Kunstgeschichte im Städel Museum hängen in den ­Kabinetten; die übrigen 99 Prozent lagern aus Platzgründen im Depot. Darum launchte das Städel Museum am 15. März 2015, pünktlich zu seinem 200. Geburtstag, die Betaversion seiner digitalisierten Sammlung.

Digitaler Rundgang durchs Museumsdepot

Interessenten können virtuell im Kunstvollsortiment schlendern, alle Werke bewundern, Erklär-Filme, Audio-Files und mehrsprachige Texte nutzen und sich die Beziehungen zwischen den Arbeiten aufzeigen lassen.

"Wir wollten nicht warten, bis kommerzielle Anbieter diesen Bereich besetzen, und haben ein alternatives, skalierbares Kommunikationsangebot sowie digitale Vermittlungsformate im Sinne unseres Bildungsauftrages formuliert", erläutert Axel Braun.

Er verantwortet beim Städel Müseum die Online-Kommunikation. Das Ziel: die Sammlung auch außerhalb des realen ­Museums zugänglich zu machen. "Mit der digitalen Erweiterung sollte das Städel Museum zusätzlich zum Stammpublikum völlig neue Zielgruppen ansprechen, die wir über ­unsere klassischen Kommunikationsmittel nicht erreichen würden", erklärt Inka Drögemüller, Head of Interna­tional Relations bei den Frankfurtern.

Bereits 2007 startete das umtriebige Städel ­Museum eine Facebook-Präsenz, der ­eigene Blog, Twitter- und 2008 Youtube-Aktivitäten folgten. Längst gehören auch Google Adwords und Facebook-Werbung zum Marketing-Portfolio. Passend zur Sonderausstellung wurde 2015 ein ­"Digitorial" über "Monet und die Geburt des Impressionismus" ­gelauncht.

Und der Vorbereitungskurs auf den Maler ­Claude Monet geht weit über bisherige Audio-Guides und Microsites hinaus: "Während immer mehr Museumsportale geballte und des Öfteren überbor­dende Informationsberge aufschichten, besticht das Digitorial durch die Reduktion auf eine Epoche und seine Maler, von Monet bis Renoir", urteilte die Jury des Grimme Online Awards 2015 und verlieh für das Digitorial im Juni eine ihrer begehrten Trophäen.

200.000 Zugriffe von Kunst-Fans

Auch Kunst-Fans goutierten den Online-Kurs und griffen in kürzester Zeit mehr als 200.000-mal darauf zu - mit einer Durchschnittsverweildauer von knapp fünf Minuten. Flankierend veranstaltete das Städel Museum Social-Media-Aktionen, die bis zu 80.000 User erreichten.

Aufmerksamkeitsstarke Anstöße gaben "Instagram-Walks", unter anderem mit einer Monet-kompatiblen Inszenierung der Pariser Food-Instagramerin Joann Pai. Darüber hinaus konnten User ihren ­#MonetMoment posten - ein Zeichen dass sich die Städel-Museum-Community "in kreativer Weise mit dem Impressionismus ­beschäftigte", so Braun.

2015 wird, was die Besucherzahl betrifft, on- wie offline das beste Jahr in der Geschichte des Städel Museums. Monet trug als erfolgreichste Ausstellung des Museums wesentlich ­dazu bei. Applaus für das Digitorial gab es auch aus ­internationalen Fachkreisen. Social Media sind für das Besuchermarketing zum wichtigen Aktivierungskanal avanciert.

Kunst-Fans können sich außerdem ­individuell konfigurierbare Poster der ­Städel-Werke per Print-on-Demand-Commerce schicken lassen - seit März kooperiert das Städel Museum hierzu mit dem Drogeriemarkt "DM". Vor allem aber teilen die ­Online-affinen Präsenzbesucher gern im flächendeckend mit WLAN ausgestatteten Städel Museum ihre Sternstunden-Selfies - ­natürlich vor der Kulisse alter Meister.

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