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Haufen aus Geldscheinen
Sonstiges 09.05.2019
Sonstiges 09.05.2019

Finanzielle Hilfen So kommen Unternehmen an Geld für die Digitalisierung

shutterstock.com/Ewa Studio
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Förderprogramme unterstützen Unternehmen dabei, die Digitalisierung zu stemmen. Geld gibt es aber meist nur, wenn der Antrag noch vor Beginn des Vorhabens eingereicht wurde.

Nach langem Ringen haben sich Bund und Länder erst vor Kurzem auf einen fünf Milliarden Euro schweren Digitalpakt geeinigt, der Schulen besser mit digitaler Technik ausstatten soll. Zu den Fördermitteln des Bundes kommt die Unterstützung der Länder - die im föderalistischen Deutschland ja eigentlich für die Schulen zuständig sind. Diese fällt unterschiedlich hoch aus.

Sicher ist: Die Kriegskassen sind gut gefüllt und die ersten Projekte könnten noch in diesem Jahr starten.

Geld für den Mittelstand

Medial ist der Digitalpakt derzeit in aller Munde, weniger wird indes über die Fördermittel zur Digitalisierung für Unternehmen gesprochen. Dabei können auch sie finanzielle Unterstützung gut gebrauchen, um sich für die Zukunft zu rüsten. Schließlich befürchten zwei von drei mittelständischen Unternehmen in Deutschland, dass die digitale Transformation ihres Betriebs sie finanziell überfordern könnte - dies ist das Ergebnis der Studie "Finanzierungsmonitor 2019". Für diese hat der Finanzdienstleister Creditshelf gemeinsam mit der TU Darmstadt 200 Finanz­entscheider aus mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen befragt.

Was die Umfrage auch zeigt: Drei Viertel der befragten Finanzentscheider messen dem Thema Digitalisierung in ihrer Investitionsplanung eine wichtige oder sogar sehr wichtige Bedeutung bei. Der Wille ist also da, es mangelt einfach am Geld.

"Gerade für Mittelständler war der anhaltende wirtschaftliche Boom in den vergangenen Jahren Fluch und Segen zugleich", erklärt Professor Dirk Schiereck von der TU Darmstadt. "Denn wenn ein Unternehmen bereits an der Grenze seines Kreditrahmens arbeitet, um Projekte und Aufträge vorzufinanzieren, bleibt trotz bester Absichten für Investitionen in die Zukunft oft schlichtweg zu wenig finanzielle Luft", führt Schiereck weiter aus.

Abhilfe könnten auch hier Förderprogramme für die Digitalisierung schaffen, die Bund, Länder und auch die Europäische Union zur Verfügung stellen. "Horizont 2020" ist dabei das bekannteste Programm der EU. Es soll eine wissens- und innovationsgestützte Gesellschaft fördern und helfen, eine wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergibt Mittel.

Wie die Förderung aussieht und welche Zuschüsse Unternehmen erwarten können, ist allerdings sehr unterschiedlich. Bei der Initiative "go digital" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) werden beispielsweise Berater subventioniert, die Unternehmen in digitalen Angelegenheiten unterstützen.

Die KfW wiederum vergibt Förderkredite von bis zu 25 Millionen Euro zu günstigen Zinsen. Die Programme sind nicht auf Sachinvestitionen beschränkt, sie können auch für Schulungen oder Kooperationsmodelle entlang der digitalen Wertschöpfungskette genutzt werden.

Kaum Transparenz

Allerdings ist auch in der freien Wirtschaft die Beantragung der Mittel sehr komplex. Förderkredite können in der Regel nicht direkt bei den Förderbanken beantragt werden. Vielmehr gilt meist das sogenannte Hausbankprinzip. "Die Hausbank des Unternehmens übernimmt die Prüfung des Kreditnehmers, beurteilt seine Pläne und entscheidet, ob sie einen Antrag beim jeweiligen Förderinstitut stellt", erklärt Jürgen Drinhaus, Förderkreditexperte bei der Hypo Vereinsbank. Wird der Kredit bewilligt, so werden die Fördermittel ebenfalls über die Hausbank an den Antragsteller aus­bezahlt.

"Das Hausbankprinzip hat für die Unternehmen den Vorteil, dass sich Bank und Firma in der Regel gut kennen und ein Vertrauensverhältnis besteht", so Drinhaus weiter. Der Bank falle es daher leichter, die Pläne richtig einzuschätzen.

Große Institute wie die Hypo Vereinsbank haben zudem Förderkreditspezialisten ausgebildet, die die regionalen Möglichkeiten kennen. Deshalb ist die Hausbank normalerweise der erste Ansprechpartner für Unternehmen, um sich über Fördertöpfe zu informieren. Es gibt darüber hinaus noch eine Reihe von freien Consultern, die sich auf die Beratung zu Fördermitteln spezialisiert haben.

Angesichts der vielen Möglichkeiten lohnt es sich also, bei einem Digitalisierungsvorhaben frühzeitig das Gespräch mit einem Experten für Fördermittel zu suchen. "Denn zusätzlich zu den Förderprogrammen, die explizit für Digitalisierungsprojekte aufgelegt wurden, gibt es weitere, die auch die Finanzierung digitaler Projekte erlauben", erklärt Jürgen Drinhaus von der Hypo Vereinsbank. Auch wenn ein Programm sich also nicht explizit die digitale Förderung auf die Fahnen geschrieben hat, so kann es doch für die Finanzierung dieser Projekte geeignet sein.

Auf der anderen Seite sind die Förderbedingungen in dem jeweiligen Programm genau festgelegt, deshalb sind viele Programme auch nur für bestimmte Vorhaben geeignet. Zudem dürfen die Fördermittel auch nur für das im Antrag genannte Projekt verwendet werden. Die Fördermittelgeber fordern in den meisten Fällen eine genaue Dokumentation der Aus­gaben. Wichtig ist darüber hinaus, Kauf- oder Werkverträge erst dann zu unterschreiben, wenn der Förderantrag gestellt ist. "Die meisten Förderprogramme möchten den Antrag vor Beginn eines Vorhabens sehen, sonst gibt es kein Geld", warnt Drinhaus.

In einigen Bereichen muss sogar ein Sachverständiger eingesetzt werden, der die geförderten Unternehmensprojekte prüft. Und ist ein Projekt abgeschlossen und das Fördergeld nicht vollständig aufgebraucht, so muss es in der Regel zurückgegeben werden.

Bei all dem Aufwand - lohnt es sich überhaupt, Projekte zur Digitalisierung mit Fördermitteln zu finanzieren? Der Förderkreditexperte Jürgen Drinhaus beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen "Ja".

"In der Regel ist eine Förderfinanzierung von bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten möglich. Digitalisierungs­vorhaben können vollständig mit Förderkrediten finanziert werden", betont er. Es lohnt sich also, bei anstehenden Digitalisierungsprojekten frühzeitig einen Experten zu konsultieren.

Im Gespräch mit Sascha Reuß von ITR

Sascha Reuß

Sascha Reuß, stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei ITR

ITR

Sascha Reuß ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender des System­hauses ITR. Er verkauft unter anderem ITK-Lösungen an Behörden und Schulen.

Zu Ihren Kunden zählen Behörden, die Sie bei der Digitalisierung unterstützen. Nutzen Sie dabei auch Fördermittel?
Sascha Reuß:
Bislang kümmern sich die Kunden selbst um Fördermittel. Das liegt vor allem daran, dass die Antragstel­-lung sehr komplex ist. Bis jetzt sind wir in dieses Thema noch nicht involviert.

Kürzlich erst hat der Bundestag ein Milliardenprogramm für die Digitalisierung von Schulen verabschiedet. Würde es Ihre Akquise nicht erleichtern, wenn Sie das Know-how zum Abrufen dieser Fördermittel gleich mitbrächten?
Reuß:
Auf jeden Fall, wir werden uns deshalb auch intensiv damit beschäftigen. Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder wir bilden Mitarbeiter dafür aus oder wir arbeiten mit einem Partner zusammen, der sich bereits auskennt. Welchen Weg wir gehen, ist dabei noch nicht final entschieden.

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