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re:publica 2018
Sonstiges 02.05.2018
Sonstiges 02.05.2018

Internetkonferenz in Berlin re:publica: Wie man die Welt der Algorithmen untergräbt

Screenshot/Re:publica
Screenshot/Re:publica

In Berlin fällt der Startschuss für die Internetkonferenz re:publica. Unter dem Motto "POP" sollen in den kommenden Tagen viele Facetten einer sich entwickelnden digitalen Gesellschaft abgebildet werden.

Unter dem Motto "POP" ist am Mittwoch die Internetkonferenz re:publica in Berlin an den Start gegangen. "Wir versuchen möglichst viele Facetten einer sich entwickelnden digitalen Gesellschaft abzubilden", sagte Mitgründer Markus Beckedahl zum Auftakt. Bis Freitag gebe es 500 Stunden Programm mit 950 Vortragenden aus aller Welt. Der Frauenanteil betrage dabei - für Netzkonferenzen ungewöhnlich hohe - 48 Prozent.

Einer der zentralen Punkte sei der künftige Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Entscheidungen von Algorithmen. Es sei dringend notwendig, sich mit diesen Technologien auseinanderzusetzen, da sie Chancen, aber auch viele Risiken mit sich brächten, so Beckedahl.

Datenströme auf einfache Weise manipulieren

Dazu passte auch das Thema von Danah Boyd zum Auftakt der Netzkonferenz: In allen Lebensbereichen werden Entscheidungen heute immer häufiger von Algorithmen getroffen. Vor allzu großem Vertrauen in die logischen Abläufe hat die Medienwissenschaftlerin jedoch gewarnt. Alle Datenbestände und Analyse-Werkzeuge seien von kulturellen Werten und alltäglichem Handeln geprägt. Und aus persönlichen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen könnten Akteure die Datenströme auf einfache Weise manipulieren und etwa als politische Waffe nutzen, sagte die New Yorker Professorin.

Algorithmen seien auch entscheidend, welche Nachrichten sich am meisten über soziale Plattformen verbreiten. Die schnelle Ausstreuung von Fake News lasse sich etwa durch gezielt gestreute Meldungen noch beschleunigen. So werde eine Falschnachricht, die den Klimawandel als Science-Fiction erklärt, auch durch Medienberichte befördert, die diese These kritisch aufgreifen, erklärte Boyd. Im Such-Ranking von Google seien für die Trefferliste schließlich nur die ersten Wörter einer Headline von Bedeutung. Journalisten und Medienschaffende bei dieser "epistemoligschen Kriegsführung" eine ganz besondere Verantwortung, denn jede Falschnachricht, die nachrichtlich aufgegriffen werde, könne potenziell auch ihre Verbreitung fördern.

Systeme des maschinellen Lernens hätten generell das Zeug dazu, potenziell diskriminierend zu wirken, warnte die Wissenschaftlerin. Boyd rief dazu auf, sich mehr mit den Möglichkeiten der Manipulation auseinanderzusetzen. Da die Technologien und Analyse-Systeme in immer mehr Lebensbereichen allgegenwärtig seien, sei es wichtig, die potenziellen Sicherheitslücken zu erkennen und zu lernen, damit umzugehen.

Das diesjährige Motto "POP"

Das diesjährige Motto "POP" kann auf vielfältige Weise gelesen werden. Popkultur - also die Mainstreamisierung des Netzes - steckt ebenso darin wie Populismus. Zudem können die drei Buchstaben auch für "Power of People" stehen.

Als Gäste haben sich unter anderem US-Whistleblowerin Chelsea Manning, US-Sozialforscherin Dana Boyd, Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar sowie die SPD-Minister Hubertus Heil und Katharina Barley angekündigt. Journalist Richard Gutjahr berichtet über seinen Kampf gegen Verschwörungstheoretiker.

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali und Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, sprechen über Journalismus im Netz. Bei der begleitenden Media Convention stellt sich ZDF-Intendant Thomas Bellut der Frage, wie Journalismus in der digitalen Zukunft aussehen kann.

Ein kostenloses Bürgerfest

Erstmals soll es in diesem Jahr im Anschluss an die re:publica ein kostenloses Bürgerfest geben. "Wir erreichen mit der republica längst nicht alle Teile der Gesellschaft während das Netz längst im Mainstream angekommen ist", erklärt Mitgründerin Tanja Haeusler am Mittwoch. "Wir wagen ein Format von dem wir hoffen, dass es genau so wächst, wie die re:pubica in den letzten zwölf Jahren."

Die re:publica war 2007 von den Machern der Blogs Netzpolitik.org und Spreeblick ins Leben gerufen worden. Zur zwölften Ausgabe werden mehr als 9000 Besucher erwartet.

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