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Wolf Lotter auf der UBX Konferenz in München
Sonstiges 23.11.2015
Sonstiges 23.11.2015

UBX Konferenz 2015 "Wir befinden uns im digitalen Mittelalter"

Wolf Lotter hielt ein Plädoyer für die Freaks und Spinner

Virtual Identity

Wolf Lotter hielt ein Plädoyer für die Freaks und Spinner

Virtual Identity

Hochkreative passen nicht ins Karriereschema. Dennoch müssen Firmen lernen, sich auf die "Freaks" und die "Gestörten" einzulassen, wenn sie innovativ bleiben wollen, rät Wolf Lotter auf der UBX 2015.

"Wer sich von Routinen befreit, sieht mehr": Unter diesem Motto hielt der Autor Wolf Lotter, Mitbegründer der Zeitschrift "brand eins", ein flammendes Plädoyer für die Unangepassten und Abweichler. Auf der UBX Konferenz in München erklärte er, warum Firmen im digitalen Zeitalter durch zu viel Sicherheitsdenken echte Innovationen verhindern.

"Wir brauchen ein gemeinsames Bewusstsein, um aus dem Mittelalter in die Neuzeit des Digitalen" zu gehen, fordert Lotter. Unter dem Mittelalter versteht er in diesem Zusammenhang keine Epoche, sondern eine Weltsicht. Und diese sei heute genauso apokalyptisch wie damals. Zwar könne man heute überall das so oft geforderte Out-of-the-Box-Denken beobachten, "aber kaum ist die Box offen, springt wieder einer rein."

Die "deutsche Leitkultur" orientiere sich nach wie vor viel zu stark an der Industrie, den Begriff "Industrie 4.0" hält Lotter für ein "monströses Wort." Es gebe zu wenig Aufbruch und zu viel Sicherheitsdenken, kritisiert Lotter. Das Wort "Planungssicherheit" leite sich schließlich von dem lateinischen Begriff "Planus" ab, was "flach" bedeutet. Und Flachwurzler seien bekanntlich Gewächse, die bei Sturm schnell umfallen.

Descartes, Giotto und Eastwood

"Zweifel ist der Weisheit Anfang" zitiert der Journalist den französischen Philosophen René Descartes. "Wir sind so maschinengläubig, dass wir fürchten, Maschinen könnten die Macht übernehmen", sagt Lotter. Dabei seien die Computer, inklusive aller Apps und sozialer Medien gar kein wirklicher Neuanfang: "Dadurch, dass wir sie als Neuanfang verkaufen, verhindern wir echten Neuanfang". Dafür brauche es aber die Hochkreativen, die Nerds, Freaks, Spinner und "Gestörten", Menschen, die sich leicht aus der Fassung bringen lassen.

"Wir müssen mehr aushalten und akzeptieren lernen", fordert Lotter, und dazu gehörten eben auch anstrengende Protagonisten mit unkonventionellen Ideen. Menschen wie der italienische Maler Giotto, der als Wegbereiter der italienischen Renaissance gilt und seinerzeit ebenfalls aneckte. "Wir brauchen mehr Giottos, die sich für den Freiheitskampf in die Wissensgesellschaft qualifizieren".

Denn wer die Dinge immer so hinnehme, wie sie sind, verharre im gleichen Denkmuster und das sei eine Katastrophe, für alle, die noch etwa im Leben wollen, so Lotter: "Es gibt keine Endlichkeit der menschlichen Bedürfnisse." Letztlich müsse man den Mut haben, Dinge noch nicht zu wissen, meint der Autor, um seinen Vortrag mit einer Weisheit des Western-Helden Clint Eastwood abzuschließen: "Wir reiten in die Stadt, der Rest ergibt sich."

Auch Werbung braucht den Mut zur Veränderung, wenn Marken ihre Zielgruppe in Zeiten von Adblockern weiterhin erreichen wollen. Darüber waren sich die Experten auf der ersten UBX Konferenz in München einig.

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