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Armbänder mit verschiedenen Namen
Sonstiges 30.04.2015
Sonstiges 30.04.2015

Individuelle Produkte Chocri - Macher der Mass Customization

hjochen/shutterstock.com
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Chocri bietet individuell kreierte Schokolade in Massen­fertigung an. Im Lauf der Jahre ist daraus ein weiteres Geschäftsfeld entstanden: Mass Customization für Dritte

Am Anfang stand die Idee, Kunden ihre Schokolade selbst gestalten zu lassen. Daraus ist 2008 Chocri entstanden. Im ­Laufe der Jahre interessierten sich immer mehr Unternehmen für die von Chocri ­angebotene Mass Customization. Sie ­beauftragten die Berliner mit der Umsetzung von Projekten. Nun führt Chocri das Fulfillment unter einem eigenen Namen: "Vendi“. INTERNET WORLD Business sprach mit Chocri-Gründer Michael Bruck über seine Pläne.

Warum haben Sie das Geschäftsfeld Mass Customization und Fulfillment für andere Unternehmen unter einem eigenen Markennamen ausgegliedert?

Michael Bruck: Es hat sich schon sehr früh ergeben, dass wir auch für andere Unternehmen wie etwa Ritter Sport und Coca-Cola tätig waren. Das lief zunächst unter der Bezeichnung Chocri. Doch Chocri steht nun einmal für individuelle Schokolade. Das war verwirrend. Außerdem wollen wir uns gar nicht auf Schokolade und Food beschränken, sondern viele kreative Dinge umsetzen. Deswegen sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir eine Marke für das B2B-Umfeld der Mass Customization brauchen.

Welche Dienstleistungen bündelt Vendi konkret unter einem Dach?

Bruck: Eher unter seinem Flügel. Wir ­haben ja als Logo diese schöne Taube mit den bunten Flügeln und die stehen für die verschiedenen Geschäftsfelder: Mass Customization, Shop-Dienstleistungen wie Shop-Erstellung und -Betrieb, Fulfillment, Kundenservice und Marketing.

Solche Services bieten viele an. Ist der Bereich Mass Customization Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Bruck:  Hundertprozentig ja. Mass Customization ist unsere Leidenschaft.

Wer war denn Ihr erster Kunde, für den Sie Mass Customization abgewickelt haben?

Bruck: Das war 2009 der Süßwarenhersteller Hussel. Damals haben wir überhaupt nicht dran gedacht, eine eigene Marke zu schaffen. Aber spätestens als ­Coca-Cola dazugekommen ist, sind wir in Fachkreisen immer bekannter geworden.

Sie erwarten in diesem Jahr für Vendi ein Geschäftsvolumen von knapp zwei Millionen Euro und gehen für die kommenden Jahre von zweistelligen Wachstumsraten aus. Was macht Sie so zuversichtlich?

Bruck: Angesichts dessen, was wir 2013 erreicht haben, halte ich die Prognose von 1,8 Millionen Euro für dieses Jahr für durchaus realistisch. Unser Wachstum setzt sich zusammen aus der Rate, mit der unsere Kunden wachsen, und aus dem Wachstum durch Neukunden. Wenn ich nur eine große Marke pro Jahr integriere, habe ich das zweistellige Wachstum schon erreicht. Das ist also kein Hexenwerk. Mass Customization ist mittlerweile salonfähig geworden. Als Chocri damals gegründet wurde, war das noch etwas für eine ­hippe Zielgruppe, jetzt ist es irgendwie auch bei der Hausfrau angekommen.

Wie viele Unternehmen nutzen Ihre Dienste insgesamt, also sowohl für einzelne Mass-Customization-Aktionen als auch für den Betrieb kompletter Shops?

Bruck: Wenn ich alles zusammenrechne,  sind wir zwar noch nicht ganz bei fünfzig, aber im deutlich zweistelligen Bereich.

Wie viele Shops wollen Sie bis Ende 2016  im Fremdauftrag betreiben?

Bruck: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ­jedes Jahr eine wirklich große Marke einzubinden und drei bis fünf kleinere.

Machen Sie auch aktive Kundenakquise?

Michael Bruck von Chocri

Michael Bruck ist Gründer und Geschäftsführer der Chocri GmbH in Berlin. 2008 entstand in seiner Küche die erste individualisierte Schokoladen-Testtafel.

Chocri

Bruck: Ja. Wir stellen gerade eine Liste mit Unternehmen und Marken zusammen, für die es unserer Einschätzung nach besonders reizvoll wäre, ein Mass-Customization-Produkt anzubieten. Diese Firmen möchten wir aktiv ansprechen und überzeugen, solche Produkte auf den Markt zu bringen - natürlich mit uns. Viele Hersteller kommen von alleine nicht darauf, wie einfach Individualisierung sein kann.

Welche Branchen halten Sie für besonders geeignet?

Bruck: Ich denke, alles rund um Textilien, außerdem die Bereiche Food, Schmuck und Geschenkartikel. Letztlich alles, womit ich mich als Mensch differenzieren kann. Wir leben in einer Zeit, in der die Leute Massenherstellung und Gleichförmigkeit langsam satt haben und stattdessen ein Unikat haben wollen. Alles, womit sich dieser Unikatsgedanke ausdrücken lässt, ist prädestiniert für Mass Customization.

Es geht um Usability

Egal, um welches Produkt es geht, Voraussetzung für die Individualisierung ist ein Konfigurator. Chocri hat selbst einen entwickelt und ständig verfeinert. Was muss so ein Konfigurator denn können?

Bruck: Das grundlegende Thema Usabi­lity, also die Frage, wie gestalte ich die Choice Navigation, sollte nicht unterschätzt werden. Ich darf nicht den kompletten gestalterischen Freiraum abbilden, der den Verbraucher völlig überfordert, sondern muss ihn an die Hand nehmen. Die Konfiguration muss leicht zu verstehen und schnell abzuschließen sein.  Gleichzeitig hängt es auch vom Produkt der Mass Customization ab. Wenn ich mir ein Auto zusammenstelle, investiere ich mehr Zeit in den Konfigurationsprozess als bei einer Tafel Schokolade.

Wo liegen denn die Grenzen der Mass Customization?

Bruck: Gute Frage. Ich glaube nicht, dass wir da groß begrenzt sind. Irgendwann ist es vielleicht nicht mehr aufregend, nicht mehr differenziert genug.

Weil jeder es macht und man alles mit seinem Namen bekommt?

Bruck: Ja, der Trend­lebenszyklus ist halt irgendwann mal vorbei. Aber es gibt natürlich auch Mass Customization, bei der es konkret um einen Nutzen geht. Bei einem auf mich zugeschnittenen Laufschuh ist der Nutzen auch in 30 Jahren noch da. Ich glaube, wir sind noch in den Anfängen der Mass Customization, es wird noch viele Anwendungen geben, an die wir heute gar nicht denken. Individualisierung wird irgendwann Standard sein. In der Automobilindustrie ist es doch heute schon kaum mehr wegzudenken. Und so wird es auch in der Verbrauchsgüterindustrie kommen.

Ihre Zukunftsvision für Vendi? Ein eigenes Unternehmen?

Bruck: Die Umsätze haben mittlerweile Größen erreicht, bei denen die Gründung einer Tochter durchaus Sinn macht. Momentan sind wir aber mit dem operativen Geschäft für die Mass Customization und der Arbeit für unsere Kunden sehr eingespannt. Das eigenständige Unternehmen gründen wir, wenn wir Zeit dazu haben. Ziel ist 2016. Die Trennschärfe haben wir mit dem jetzt eingeführten Markenauftritt schon mal hergestellt.

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