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Sonstiges 27.01.2015
Sonstiges 27.01.2015

Multichannel-Offensive dm startet deutschen Online-Shop

dm setzt ab dem Frühsommer auf Multichannel

dm Deutschland

dm setzt ab dem Frühsommer auf Multichannel

dm Deutschland

Obwohl dm-Chef Erich Harsch noch im Dezember kundtat, dass das Web-Angebot von dm in Österreich bislang keinen Hype ausgelöst habe, verkauft die Drogeriemarktkette bald auch in Deutschland online.

"Wann kommt endlich ein deutscher Online-Shop?" In sozialen Medien wie Facebook forderten die dm-Kunden schon seit Jahren ein E-Commerce-Engagement ihrer Lieblingsdrogeriemarktkette. Doch das Unternehmen blieb zögerlich. Ein Testballon, bei dem dm-Eigenmarken über Amazon angeboten wurden, wurde mangels Erfolg gestoppt. Darüber hinaus äußerte dm-Chef Erich Harsch an passender Stelle stets, wie "extrem schwierig" es sei, mit Drogerieartikeln online profitabel zu arbeiten. Denn die bevorzugten Online-Produkte wie Windeln, Waschmittel oder Toilettenpapier seien im Preisniveau derart unten, dass sie kaum noch Marge brächten. Auch über den 2013 in Österreich gestarteten dm-Webshop, der mit 12.000 Artikeln im Sortiment in etwa soviel Umsatz erzielt wie eine durchschnittliche Filiale, sagte Harsch noch im Dezember: "Es ist zu früh, eine Bilanz zu ziehen. Aber bisher hat das Online-Angebot noch keinen Hype ausgelöst."

Jetzt allerdings erfolgt die Kehrtwende. Im Frühsommer 2015 will dm auf seiner Website dm.de einen eigenen Online-Shop eröffnen. "Das Einkaufen im Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung, ebenfalls für unsere Kunden bei dm-drogerie markt", erklärt der dm-Chef auf Nachfrage von INTERNET WORLD Business das Umdenken in der Vertriebsstrategie. Nahezu das gesamte Sortiment der stationären Märkte soll online bestellbar sein. Ergänzt wird der Bestellkanal um kompetente Beratung mithilfe von zahlreichen redaktionellen Inhalten. Gezielt ausgewählte Filter sollen Kunden schnell zu den Produkten führen, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen.

Mit dem Shop spricht dm laut Harsch gerade die Menschen an, die "keinen dm-Markt in der Nähe haben oder während der Öffnungszeiten keine Zeit finden, zu uns zu kommen." Und dies zu gewohnt günstigen Dauerpreisen. Geliefert wird per DHL oder Hermes. Auch das Fulfillment ist an einen Dienstleister ausgelagert. "Zum Start des Online-Shops möchten wir Erfahrungen sammeln, um auf Basis der Rückmeldungen unserer Kunden das Angebot weiter zu verbessern. Daher haben wir uns entschieden, im Bereich Logistik auch mit Partnern zusammenzuarbeiten", so der dm-Chef. Schon zum Launch sind auch Multichannel-Services wie Click & Collect geplant, ansonsten soll es online "Grundfunktionen" geben, die dann entsprechend der Wünsche und Bedürfnisse der Kunden angepasst und weiterentwickelt werden.Von einem "finalen und abgeschlossenen Gesamtsystem" könne "zum jetzigen Zeitpunkt" nicht gesprochen werden.

Keine Antwort gab Harsch auf die Frage, wie er es schaffen will, Warenkörbe in Größenordnungen zu bewegen, die eine rentable Abwicklung möglich machen. Sicher ist nur, dass ein Teil der Kosten in Form von Porto an die Kunden übergeht: "Gerade weil wir weiterhin der günstigste Anbieter für Drogeriewaren am Markt sein möchten, haben wir uns entschieden, für die Lieferung Versandkosten zu erheben", sagt Harsch. "Die Kunden, die in unseren Märkten einkaufen, sollen nicht über erhöhte Preise die Versandkosten des Onlineshops mittragen müssen."

Aus schierer Not scheint dm nicht zu handeln. Das Umsatzwachstum ist seit Jahren regelmäßig zweistellig, die Presse berichtet in schöner Regelmäßigkeit über "Rekordumsätze".  Der Online-Boom beeinflusste diese Entwicklung laut Harsch "nicht". Das zeigt das Beispiel Rossmann. Die zweitgrößte deutsche Drogeriemarktkette meldete für das Jahr 2013 gerade einmal Online-Umsätze in Höhe von 34 Millionen Euro. Peanuts im Vergleich zum Gesamtumsatz von 5,9 Milliarden Euro. Darüber hinaus stagnieren die Online-Umsätze des Unternehmens seit Jahren, während der Gesamtumsatz weiter wächst.

Während Rossmann stationär wächst, stagnieren die Web-Umsätze seit geraumer Zeit

Statista

Ein größerer Widersacher dürfte Amazon sein, der jüngst in den USA mit einer Eigenmarke für Windeln in den Gefilden der Drogeriemarktketten zu wildern begann. Insgesamt gaben deutsche Online-Shopper laut Zahlen des bevh 2013 für Drogerieartikel, Kosmetik und Parfüm im Netz 1,1 Milliarden Euro aus. Den Gesamtmarkt für Schönheits- und Haushaltspflegeprodukte beziffert das IFH 2014 auf 26,3 Milliarden Euro.

26,3 Milliarden Euro wurden 2014 insgesamt in Deutschland für Drogeriebedarf ausgegeben

IFH