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Auto Connected Car
Sonstiges 17.05.2016
Sonstiges 17.05.2016

Telematics Berlin 2016 Connected Car: Wer baut das fahrende Betriebssystem?

Shutterstock.com/Syda Production
Shutterstock.com/Syda Production

BMW, Ford und diverse Connected Car-Lösungsanbieter wollen, jeder für sich, den allumfassenden Standard für das vernetzte Auto definieren, bevor es Google oder Apple tun. Wer das Android fürs Auto am Ende bauen wird, ist offen.

"Wir brauchen eine offene, allgemeingültige Plattform für das Connected Car" - dieser Satz ist das allgegenwärtige Leitmotiv aller Vorträge auf der Telematics 2016 in Berlin. Und weil sich die gesamte Mobilitätsbranche so einig darin ist, dass sich das volle Potenzial von vernetzten Services eben nur durch so ein fahrendes Betriebssystem entfalten kann, werden auf dem Kongress auch gleich ein halbes Dutzend Vorschläge für eben so einen allumfassenden Standard vorgestellt: von Ford, von BMW, von der Deutschen Telekom, von diversen Tools-Anbietern wie Inrix oder DanLaw, von den IT-Riesen Oracle und IBM.

Abgesehen von ihren Zielen verbindet all diese sogenannten offenen Standards vor allem eins: Die jeweiligen Anbieter teilen darüber zwar ihre gesammelten Mobilitätsdaten mehr oder minder umfassend mit angeschlossenen Service-Partnern - aber nie mit direkten Konkurrenten, allen Lippenbekenntnissen für eine branchenumfassende Kollaboration zum Wohle des Nutzers zum Trotz.

BMWs "bIoTope"

Ein gutes Beispiel für dieses Phänomen ist das viel versprechende, von der EU geförderte Pilot-Projekt bIoTope von BMW: Durch Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern versucht sich der Autobauer damit an einer "Everything-as-a-Service-"(XaaS)-Plattform. Die Idee: Ein intelligentes, selbstlernendes System greift immer auf diejenigen angeschlossenen Quellen zurück, die der Kunde/Fahrer in diesem Moment braucht - sei es ein Kartenservice, ein Stauwarner, ein Parkplatzfinder, eine Restaurantempfehlung oder auch ein Branchenbuch mit der Suche nach der nächstgelegenen Werkstatt.

bioTope soll dabei selbsttätig auf Basis der von externen Partnern beigesteuerten Daten entscheiden, welche Optionen es seinem Nutzer vorschlägt - und soll sogar im Rahmen eines festgelegten Budgets selbst für kostenpflichtige Informationen bezahlen können. Das System fungiert dabei gleichzeitig als Standard, mit dem neue IoT-Anwendungen aus allen Bereichen relativ einfach entwickelt werden können - die dann wiederum ihre Daten zum großen bIoTope-Pool beisteuern. So weit, so märchenhaft. Allerdings hat BMW zwar schon eine durchaus ansehnliche Liste an Partnern gewonnen - ein anderer Autobauer ist allerdings nicht dabei.

Wem gehören die Daten?

Klar ist: Die Datenmenge, die durch die Digitalisierung des Autos in Zukunft entsteht ist enorm. Ein Auto produziert heute im Schnitt 75 Megabyte an Daten pro Tag. Bis 2025 wird sich diese Zahl auf 25 Gigabyte pro Stunde erhöhen, so Prognosen von Marktforschern. Diesen Datenschatz wollen die Autobauer weder androidauto, Googles Betriebssystem für das Connected Car, noch dem entsprechenden Apple-System Apple CarPlay überlassen. Andererseits wissen sie, so der unmittelbare Eindruck von der Konferenz, aber auch nicht so recht, was sie damit anfangen sollen - Big Data gehört eben nicht zum Kerngeschäft eines Blechbiegers.

Ganz zu schweigen vom Thema Datenschutz: Schließlich gehören die im Auto gesammelten Daten zuallererst einmal dem Nutzer des Fahrzeugs; und den werden die Autobauer nur mit hilfreichen, leicht zu nutzenden Services dazu bringen, diese Datenhoheit preiszugeben. Was diese Kunst betrifft, sollten die Blechbieger vielleicht doch mal bei den ungeliebten Googles dieser Welt in die Lehre gehen - die haben aus dem Abluchsen von Daten schließlich ein Geschäftsmodell gemacht.

Auch in Sachen smarter Parkplatzsuche gab es auf der Telematics Berlin Neues zu berichten: Ford testet derzeit in London sein intelligentes Parksystem GoPark. Mit dem Vorstoß ist der Autobauer allerdings weder der einzige noch der innovativste auf dem Markt.
 

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