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Pebble Watch und Automatik-Uhr
Sonstiges 29.04.2015
Sonstiges 29.04.2015

Kommentar Smartwatches: Noch Luft nach oben

Mit einer Pebble aus der ersten Serie sammelte der Autor 2013 erste Smartwatch-Erfahrungen

Frank Kemper

Mit einer Pebble aus der ersten Serie sammelte der Autor 2013 erste Smartwatch-Erfahrungen

Frank Kemper

Smartwatches könnten zu einem unentbehrlichen Begleiter ihres Trägers werden, wenn das Konzept intelligent weiterentwickelt wird. Doch danach sieht es im Moment nicht aus.

Ein Einstand nach Apple-Art: Als am 10. April 2015 in den USA der Vorverkauf der Apple Watch begann, wurden innerhalb eines Wochenendes fast eine Million Stück bestellt - mehr als bis heute von allen Smartwatches mit dem Betriebssystem Android-Wear zusammen abgesetzt werden konnten.

Kein Wunder: Apple-Fans sind für ihre Begeisterungsfähigkeit bekannt, und der Konzern aus Cupertino weiß, wie man Premieren orchestriert. Doch das ist es nicht allein. Wer das zweifelhafte Vergnügen hatte, einmal eine der bislang verfügbaren Smartwatches auszuprobieren, der weiß: Da ist noch mächtig Luft nach oben.

Seit März 2014 gibt es Android Wear, das Google-Betriebssystem für Smartwatches. Die Uhren, die es verwenden, kommen von mittelglamourösen Herstellern wie LG, Motorola und Asus. Was das Design angeht, sind die Anbieter bereits auf einem guten Weg, so sieht die LG G Watch R auf den ersten Blick aus wie ein hochwertiger Chronometer. Aber eben nur auf den ersten Blick. Das Display ist zwar rund wie ein Ziffernblatt, aber es ist nicht passiv, sondern aktiv. Es leuchtet immer, und deshalb braucht die LG-Uhr auch spätestens alle 36 Stunden eine Steckdose - ein Wochenendausflug in die Berge gerät für den Träger zur Herausforderung.

Google Now an Handgelenk

Doch das größte Akzeptanz-Problem ist Android Wear, es lässt keine Gelegenheit aus, sich in das Leben des Trägers zu drängen. Android Wear ist im Grunde Google Now am Handgelenk. Gegen 17 Uhr sagt es mir ungefragt, dass ich mit dem Auto 17 Minuten vom Büro nach Hause brauche und dass auf der Landsberger Straße Stau ist. Beides ist für mich nichts Neues, und es würde mich vielleicht sogar interessieren, wenn ich nicht mit der U-Bahn in die Arbeit gefahren wäre. Hin und wieder versucht die Uhr auf Basis meines bisherigen Surfverhaltens an den diversen PCs, die ich so nutze, mir weitere interessante Dinge zur Kenntnis zu bringen, etwa Surftipps über den Tesla Model S oder das Wetter von heute. Will ich das wirklich wissen? Und will ich per Vibrationsalarm darauf aufmerksam gemacht werden?

Natürlich bringt mir Android Wear auch Benachrichtigungen über eingegangene E-Mails, SMS, drohende Termine, WhatsApp-Messages und anderes nahe. Alles, was an meinem Handy eine Systemmeldung auslöst, tut dies auch an der Smartwatch. Bei mir bedeutet das, dass die Uhr rund 200mal am Tag vibriert. Kein Wunder, dass abends der Akku leer ist.

Was Android Wear in meinen Augen wirklich fehlt, das ist die Besinnung auf das Wesentliche. Nur ganz wenige Nachrichten sind so wichtig, dass ich in Echtzeit über ihren Eingang informiert werden möchte, alles andere ist Information Overload.

Schweigen zur Batterielaufzeit

Kann das die Apple Watch besser? Ich vermute nicht. Auch sie folgt dem Konzept, dass sie alles abbildet, was auf dem Handy passiert. Dazu kommen noch Gadgets der Art, dass man seinen Herzschlag an einen anderen Apple-Watch-Nutzer übertragen kann. Das mag beim ersten Vorzeigen abends in der Bar noch witzig sein, aber dann? Und die Hartnäckigkeit, mit der in der Wolle gefärbte Apple-Fans das Thema Batterielaufzeit argumentativ umschiffen, lässt das Schlimmste fürchten.

Ich habe nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Smartwatches (Pebble, Sony SW2, LG G-Watch) beschlossen, dieser Produktkategorie noch eine Zeit der Reife zu lassen, bevor ich den nächsten Versuch starte. Ich erwarte von einer Armbanduhr, dass sie bei jeder Beleuchtung einwandfrei abzulesen ist, dass sie mir das sagt, was ich wissen will und ansonsten einfach elegant die Klappe hält. Kriegt ihr das hin, liebe Hersteller? Dann will ich es gern noch einmal versuchen.

Ach ja: Weniger als eine Woche Batterielaufzeit ohne Wenn und Aber sind für eine Armanduhr einfach indiskutabel. Am besten, ein eingebauter Dynamo lädt die Uhr während des Tragens wieder auf.

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