Studie der Universität Ulm 05.06.2020, 14:01 Uhr

Das ist der typische Nutzer von Facebook, Instagram und WhatsApp

Eine Studie der Universität Ulm hat untersucht, wie die Nutzung von Facebook, WhatsApp und Instagram mit soziodemografischen Merkmalen und den "Big Five"-Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängt.
(Quelle: shutterstock.com/little Whale)
Derzeit nutzen 2,7 Milliarden Menschen weltweit mindestens eine der zum Facebook-Konzern gehörenden Social-Media-Plattformen Facebook, WhatsApp oder Instagram. In einer Studie haben Forscherinnen und Forscher rund um Professor Christian Montag von der Universität Ulm untersucht, wie die Nutzung dieser Netzwerke mit soziodemografischen Merkmalen und den "Big Five"-Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängt.
Bewusst wurden dabei nicht nur eine Plattform, sondern gleich drei ins Visier genommen: "Dies entspricht eher der Lebenswirklichkeit der Userinnen und User. Wir konnten zeigen, dass sie oft mehrere Social-Media-Kanäle nutzen, wenn auch in unterschiedlicher Kombination. Bislang gab es noch keine Studie, die dieses Zusammenspiel berücksichtigt", so der Erstautor Dr. Davide Marengo von der Universität Turin.
Ausgewertet wurden für die Studie Online-Fragebögen von rund 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland, die ein Smartphone besitzen. Im Durchschnitt betrug das Alter der Teilnehmenden 35,5 Jahre alt, ein Großteil der Befragten war zwischen 22 und 49 Jahren alt.

Die Ergebnisse

Die Untersuchung ergab, dass Personen, die mindestens auf einer Social-Media-Plattform aktiv waren, im Allgemeinen jünger, häufiger weiblich und etwas extravertierter als Nichtnutzer sind.
In der Stichprobe erwies sich der Messenger-Dienst WhatsApp als die am häufigsten verwendete Plattform mit der größten Reichweite (92 Prozent), dahinter folgen Facebook (57,7 Prozent) und Instagram (46,3 Prozent).
Die Teilnehmenden sind auch nach der kombinierten Nutzung der verschiedenen Plattformen gefragt worden. Dabei zeigte sich, dass die größte Gruppe der Gesamtstichprobe alle Facebook-eigenen Plattformen (33,2 Prozent) gleichzeitig nutzte. Andere häufige Kombinationen waren die ausschließliche Nutzung von WhatsApp (24,1 Prozent), eine Kombination aus WhatsApp und Facebook (22,5 Prozent) sowie die Kombination von WhatsApp und Instagram (12,1 Prozent). Keine der Plattformen nutzten 5,8 Prozent der Teilnehmenden.

"Big Five"-Modell

Bei der Erhebung der Persönlichkeitsmerkmale wurde im Fragebogen das "Big Five"-Modell verwendet. In den entsprechenden Antworten machten die Befragten beispielsweise Angaben über ihre Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit oder Verträglichkeit. Zusätzlich sind soziodemographische Angaben der Nutzer erfasst worden, wie Alter oder Bildungsgrad.
Aus den statistischen Analysen ergab sich, dass Personen, die mindestens eine Social-Media-Plattform nutzten, im Allgemeinen jünger und häufiger weiblich waren. Nur kleine Unterschiede fanden sich bei den Persönlichkeitsvariablen. So zeigten sich Social-Media-Nutzer etwas extravertierter im Vergleich zu Nichtnutzern. Zusätzlich ergaben sich auch kleine Unterschiede innerhalb der Nutzergruppen in Bezug auf Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus. 
Quelle: Universität Ulm

Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad

Beim Vergleich der soziodemografischen Variablen wie Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad konnten die Forschenden feststellen, dass das Alter die stärkste Assoziation mit den Social-Media-Präferenzen zeigte.
Nicht-Benutzer und WhatsApp-Benutzer bildeten mit 42 bis 43 Jahren die älteste Gruppe. Die Befragten, die sowohl WhatsApp als auch Instagram verwendeten, waren die jüngsten (Durchschnittalter rund 26 Jahre). "Insgesamt stützen unsere Ergebnisse die Annahme, dass Instagram vor allem die jüngere Nutzergeneration anzieht", erklärt Professor Christian Montag.
Darüber kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Frauen in sozialen Medien stärker vertreten waren - unabhängig davon, welche Kombination von sozialen Plattformen untersucht wurde.
Ergänzende Analysen hinsichtlich der "Big-Five"-Persönlichkeitsmerkmale haben gezeigt, dass innerhalb der Social-Media-Nutzer besonders diejenigen, die alle Facebook-Angebote nutzten oder sich nur für Instagram/WhatsApp entschieden, etwas weniger gewissenhaft waren.
"Schließlich stellten wir ebenfalls fest, dass der Neurotizismus, das heißt die emotionale Labilität, bei Personen, die alle Plattformen oder nur WhatsApp und Instagram nutzen, signifikant ausgeprägter war als bei Personen, die keine Plattform oder nur WhatsApp verwenden", schlussfolgert Dr. Davide Marengo.
Quelle: Universität Ulm

Fazit

Insgesamt soll die Studie die Rolle von soziodemographischen Variablen, aber auch die Bedeutung der Persönlichkeitsmerkmale Neurotizismus und Gewissenhaftigkeit bei der unterschiedlichen Nutzung sozialer Medien unterstreichen. Die Persönlichkeitseigenschaft Extraversion unterscheide besonders Social-Media-Nutzer und Nicht-Nutzer.
"Wir sind davon überzeugt, dass unsere Ergebnisse dabei helfen können, zu verstehen, welche Bevölkerungsgruppen möglicherweise besonders anfällig für die Effekte von Fake News oder Filterblasen zu sein scheinen, die vor allen Dingen durch Social Media befeuert werden", fasst Professor Christian Montag zusammen.



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