Nach Datenleck 09.10.2018, 10:19 Uhr

Google macht Schluss mit Google+

Das war es dann mit Googles Versuch, ein soziales Netzwerk aufzubauen. Die Google+ Community wird für Privatnutzer geschlossen. Die User haben zehn Monate, um ihre Daten zu sichern. Grund dafür ist eine Software-Panne.
(Quelle: Stutterstock.com/rvlsoft)
Schon seit Einführung des sozialen Netzwerks dümpelte Google+ vor sich hin. Google war schlicht und einfach zu spät auf den Social Media-Zug aufgesprungen, die Nutzer bereits mit Facebook, Twitter und Co. gut vernetzt. Zuletzt, so Google, habe das Netzwerk unter zu wenig Nutzung und Aktivität gelitten; die Nutzer hätten sich durchschnittlich nur fünf Sekunden pro Sitzung auf dem Netzwerk aufgehalten.

Ein Datenleck war darüber hinaus nun wohl der Todesstoß für Google+. So habe es im März 2018 einen Angriff auf das Netzwerk gegeben, bei dem die Daten von über 500.000 Nutzern bedroht gewesen seien. Die Konsequenz: Google+ wird für Privatnutzer geschlossen. Durch die Software-Panne hätten App-Entwickler auf den Namen, die E-Mail-Adresse sowie Informationen über Beschäftigung, Geschlecht und Alter von Nutzern zugreifen können, räumte Google am Montag ein. Um andere Daten gehe es nicht. Zugleich kann Google den Kreis der betroffenen Nutzer nicht genau eingrenzen. Der Fehler sei im März 2018 entdeckt und umgehend behoben worden, hieß es. Die Lücke bestand aber bereits seit 2015, wie als erstes das "Wall Street Journal" berichtete.

Bis August 2019

Den Nutzern bleibt zunächst bis August 2019, um ihre Daten zu sichern, bevor das Netzwerk endgültig eingestellt werde. Geschäftsnutzer der Kommunikationsmöglichkeiten über Google+ bleiben zunächst von den Änderungen unberührt; die Business-Version bleibt also bestehen.

Größere Auswirkungen für Verbraucher dürften Änderungen beim Mobil-Betriebssystem Android haben, das auf Geräten von hunderten Millionen Menschen läuft. Die Nutzer werden präziser bestimmen können, welche Daten sie mit einer App teilen wollen, wie Google ankündigte. Grundsätzlich würden weniger Apps Zugriff auf Anruflisten und SMS-Daten bekommen. Außerdem werde auch der Zugriff von App-Entwicklern auf die E-Mails in Googles GMail-Dienst stärker eingeschränkt. Das "Wall Street Journal" hatte im Sommer berichtet, App-Entwickler verwendeten zum Teil E-Mails von Nutzern, um Algorithmen etwa für automatische Antworten zu trainieren. Das hatte für Kritik gesorgt.

Kein Gang an die Öffentlichkeit

Dem "Wall Street Journal" zufolge wiesen Googles Juristen das Top-Management nach Entdeckung der Schwachstelle darauf hin, dass eine Offenlegung vermutlich "sofortiges Interesse von Regulierern" und Vergleiche mit dem Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica auslösen würde. Ein internes Gremium habe entschieden, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, Google-Chef Sundar Pichai sei darüber informiert gewesen. Ein Google-Sprecher sagte der Zeitung, ausschlaggebend bei solchen Entscheidungen sei unter anderem, ob es Hinweise auf Missbrauch gebe und ob man betroffene Nutzer identifizieren könne.
Schnittstellen für App-Entwickler hatten auch eine zentrale Rolle in dem Mitte März ausgebrochenen Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica gespielt. Das Online-Netzwerk erlaubte es App-Entwicklern bis 2015, auch auf Daten von Freunden eines Nutzers zuzugreifen.
Der Entwickler einer Umfrage-App sammelte die Daten von Teilnehmern einer Erhebung und derer Freunde - und reichte sie anschließend unberechtigterweise an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weiter. Facebook erfuhr zwar bereits 2016 davon, gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass alle Daten gelöscht seien und informierte die Betroffenen nicht. Diese Vorgehensweise sorgte für massive Kritik.



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